Vor der Einführung der Qualitätsmanagement-Software CAQ.Net von CAQ Factory Systems, Rheinböllen, bestand das Qualitätswesen bei der Müller Technologie Gruppe (MTG) aus Insellösungen mit Kontrollplänen in Excel und Arbeitsanweisungen in Word. Somit waren beispielsweise übergreifende Auswertungen und Analysen nicht ohne Weiteres möglich, sondern wurden von Hand zusammengetragen. Auch aufgrund strengerer Forderungen einiger Schlüsselkunden bezüglich der Nachweispflicht für definierte Kriterien begann das Unternehmen den Markt zu sondieren, um eine für ihre Bedürfnisse passende Gesamtlösung für das Qualitätswesen zu finden. Fündig wurden sie bei der Qualitätsmanagement-Software CAQ. Neben dem Funktionsumfang der Software-Familie spielte für das Unternehmen die Integrationsfähigkeit in die bestehende IT-Systemlandschaft eine Rolle. Die CAQ-Software lässt sich bidirektional in bestehende ERP/PPS/MES- oder MDE/BDE-Systemumgebungen einbinden. Darüber hinaus ermöglicht eine Standardschnittstelle das Koppeln der Software mit dem Leitrechner-System ALS von Arburg, Loßburg. Die Lösung ist bei MTG virtualisiert und läuft in einer privaten Cloud via Terminalserver und Clients mit angeschlossen Prüfmittelboxen. Der Standort von Multikunststoff in Hamburg ist zudem an ein webbasiertes ERP-System angebunden.

Wunschkonzert

Aus dem CAQ-Baukasten des Software-Herstellers stellte sich der Anwender die passende Lösung zusammen, welche sämtliche Aspekte des Qualitätsmanagement abdeckt und das Pflegen qualitätsrelevanter Daten erleichtert. Die Prozesse vom Lieferanten-Management über den Wareneingang und die Fertigungsprüfung bis zum Reklamations-Management begleitet heute nahezu vollständig CAQ.Net.

In der Spritzgießfertigung existiert als dritter Software-Baustein neben CAQ und ERP das Leitrechnersystem ALS. Die 18 Spritzgießmaschinen sind via Ethernet vernetzt, der Leitrechner hängt am ERP und alle Fertigungsaufträge mit der Arbeitsfolge „Spritzgießen“ landen automatisch beim ALS. Dieses erhält Informationen wie die Artikel- und Auftragsnummer, die Soll-Stückzahl sowie Werkzeugnummer und Materialbedarf. Die Prozessparameter je Schuss gelangen mittels Direktschnittstelle ins CAQ-System. Sobald ein Fertigungsauftrag an der Maschine beginnt, löst das ALS das zugehörige Prüfereignis im CAQ-System aus. Dort erfolgt zunächst eine erweiterte Freigabeprüfung durch die Qualitätssicherung, die die verwendeten Rohmaterialchargen im CAQ-System zuordnet. Dort lassen sie sich später verfolgen. Während des gesamten Fertigungsloses erfolgt die Fertigungsprüfung mittels CAQ im festgelegten Intervall. Die gesammelten Werte über mehrere Fertigungslose hinweg dienen als Grundlage für die mit der Software erstellbaren Auswertungen.

Die Sky-Engineering-Abteilung von MTG komplettiert Montage-Baugruppen für die Luftfahrtindustrie, welche vorwiegend in Kabinen beziehungsweise im Flugzeug-Interieur zum Einsatz kommen. Die Montagetätigkeiten plant das Unternehmen mittels Produktionsaufträgen aus dem ERP-System und wickelt diese auch darüber ab. Über eine Schnittstelle zwischen dem ERP- und dem CAQ-System lösen die freigegebenen Produktionsaufträge die zugehörigen Prüfereignisse automatisch aus. Diese erscheinen auf dem PC, der an der jeweiligen Montage­insel steht. Der Prüfplan gleicht in diesem Fall einer Art Laufkarte. Darin sind unter anderem die Kriterien der mit dem Kunden abgestimmten Acceptance Test Procedure (ATP) aufgeführt. Das CAQ-System dokumentiert die Maßprüfungen, visuelle Kontrollen und Funktionsprüfungen. Am Ende der Prüfkette gilt die komplett mit „i.O.“ bewertete Laufkarte als erfolgreiche Ausgangsprüfung und ermöglicht das Ausliefern des Produkts.

Informationszentrale

Da Unternehmen über die Verlässlichkeit von Informationen bereits beim Erfassen entscheiden, sind einwandfrei funktionierende Prüfmittel für die Qualitätsüberwachung essentiell. Um zu gewährleisten, dass die eingesetzten Prüfmittel korrekt kalibriert und in einwandfreiem Zustand sind, kommt das Prüfmittel-Management-Modul von der Software-Lösung CAQ.Net zum Einsatz. Dieses ersetzt die bestehenden Excel-Tabellen und automatisiert das Überwachen der Prüfmittel  sowie das Nachverfolgen von Prüffälligkeiten. Seitdem gab es im Kundenaudit des Unternehmens keine Rückfragen mehr.

Auch wenn das Unternehmen Waren bestellt, sind Zuverlässigkeit des Lieferanten und Qualität der Produkte entscheidend. Denn sie bilden die Initialphase der Wertschöpfungskette und sind damit eine der wichtigsten Faktoren in der Produkt­ion. Bei MTG übernimmt das CAQ-System den Lieferanten-und Kundenstamm aus dem ERP-System. Anhand eines Symbols erkennt es, welche Lieferanten CAQ-pflichtig sind. Das Dokumenten-Managementmodul pflegt darüber hinaus die Zertifikate mit automatisierter Gültigkeitserinnerung sowie die Verträge und Vereinbarungen. Auf Basis dieser Daten der bisherigen Wareneingänge bewertet das CAQ-System die Lieferanten automatisch.

Ausgelöst durch die Wareneingangs-Buchung im ERP System beginnt die Wareneingangs-Prüfung. Hierbei übermittelt das ERP die Artikelnummer, Soll/Ist-Menge, den Soll-/Ist-Termin und die Charge an das CAQ-System. Im Fall von Zeichnungs-Teilen startet die Qualitätsmanagement-Software messende Prüfungen. Die Stichprobengröße basiert auf AQL-Tabellen inklusive Dynamisierungs-Faktor: Abhängig von der Fehlerhäufigkeit passt das CAQ-System die jeweilige Stichprobengröße an. Bezieht das Unternehmen Kunststoff-Granulat für die eigene Verarbeitung oder den Weitervertrieb, gleicht die Software das Werksprüfzeugnis des Lieferanten mit den Sollvorgaben des Datenblatts ab. Bei abweichenden Kriterien löst es automatisiert eine Lieferantenbeanstandung aus. Die auf diese Weise gesammelten Daten sind die Grundlage für die Lieferantenbewertung mit den Kriterien Qualität, Mengen- und Termintreue.

Kein Papierkrieg

Mit der Erstbemusterung weist der Lieferant nach, dass seine Produkte die vom Kunden geforderten Qualitätsanforderungen erfüllen. Um Erstmuster zu erzeugen und zu verwalten, verwendet das Unternehmen das entsprechende Software-Modul des CAQ-Systems. Dieses ermöglicht das Planen, Durchführen, Prüfen und Verwalten sowie das Ausdrucken der Erstbemusterungen. Auch sämtliche produktbegleitenden Dokumente, wie Werksprüfzeugnisse, Verpackungs-, Arbeits- und Prüfanweisungen, lenkt das Dokumenten-Managementsystem von CAQ.Net und gibt sie frei. Es veröffentlich relevante Dokumente automatisch im ERP-System und an den BDE-Terminals in der Fertigungshalle.

Aus Fehlern lernen können

Als abschließendes Element des Qualitätsregelkreises kommt das Reklamations-Management zum Einsatz. Dieses bearbeitet die Reklamationen und legt mittels KVP und „Lessons Learned“ – zwei Prinzipien, die Erfahrungen eines Unternehmens für die Zukunft nutzbar machen sollen –  den Grundstein für eine durchgängige Optimierung des Produktionsablaufs. Mit Blick in die Zukunft spielt auch das Schulungs-Management-Modul eine zentrale Rolle. Nach der Einführungsphase will das Unternehmen dieses Modul dazu nutzen, das Planen, Verwalten und Steuern sämtlicher Qualifizierungsmaßnahmen umzusetzen. Dadurch erfüllt es die Dokumenta­tionspflichten der ISO 9001 und erstellt gleichzeitig eine aussagekräftige, leicht zu pflegende Qualifikations- und Schulungsdatenbank.
Das langfristige Ziel der Prozess­daten-Übernahme aus dem ALS-System ist das gemeinsame Betrachten der gemessenen Werte an den Bauteilen sowie die Prozessdaten in CAQ. Mittels dieser Auswertung ließen sich die Prozessgrenzen an der Maschine so einschränken, dass Fehlteile sofort an der Maschine ausgeschleust werden.

 

Autor

Martin Weinmann
ist Betriebsleiter bei Thermoplastik Erich Müller in Dieburg.