Wer an Sägen denkt, der denkt an Holz – so die allgemeine Vermutung. Doch auch in der Kunststoffbranche wird kräftig gesägt. Der Sägenhersteller Holzma, Holzbronn bei Calw, hat daher eine spezielle Baureihe mit Plattenaufteilsägen für den Kunststoffzuschnitt im Portfolio. Mit optionalen Zusatzmöglichkeiten können Kunststoffplatten-Hersteller und -Verarbeiter die Sägen betriebsgemäß und individuell anpassen, um unterschiedliche Kunststoffe schnell verarbeiten zu können. Zum kontinuierlichen Arbeiten gehört allerdings auch, dass die Platten ohne langes Suchen verfügbar sind – sonst steht auch die schnellste Säge still. Interessant für Kunststoffplatten-Verarbeiter ist daher vor allem eine Säge-Lager-Kombination, wie sie der Sägenbauer mit dem Lager-Spezialisten Homag Automation, Hemmoor, entwickelt hat – beide sind Teil der Homag Group, Schopfloch. Die Firma SK Scheidel, ein Kunststoff-Verarbeiter aus Villingendorf bei Rottweil, nutzt ein solches System. Das Unternehmen hat sich auf den Handel mit Kunststoffen und Glas sowie auf die Kunststoffbearbeitung spezialisiert. Dabei gehen die Produkte sowohl in das Handwerk als auch in die Industrie.

Sägen mit Optionen

Auf Sägen des Holzbronner Herstellers greift das schwäbische Unternehmen bereits seit einigen Jahren zurück. Da die Mitarbeiter viele unterschiedliche Kunststoffplatten verarbeiten, hat sich der Inhaber Eberhard Scheidel für die Kunststoffsäge HPP 380 P entschieden und hierfür alle für den Kunststoffzuschnitt wichtigen Optionen mitgebucht. Damit ist die Säge auch für schwer händelbares oder druckempfindliches Material einsetzbar. Mit dem Softtouch-Paket kann der Anwender den Druck von Druckbalken und Spannzangen auf das Material einstellen. Darüber hinaus kann er für jedes Material passende Parameter im System hinterlegen. Außerdem nutzt die Maschine Schnittspaltschließer, damit schmale Abschnitte sich nicht zwischen Sägeblatt und Spalt einklemmen und die Produktion unterbrechen. Dies funktioniert mit pneumatisch einzeln gesteuerten Elementen, die den Sägespalt direkt hinter dem durchlaufenden Sägeblatt schließen. Eine Schnittspurüberwachung ermöglicht glatte Schnitte auch bei großen Schnitthöhen: Sobald das Sägeblatt nicht exakt läuft, bremst die Säge ab oder hält an, um den Schnittvorgang mit angepassten Parametern fortzusetzen oder neu zu starten. Unsaubere Schnittkanten oder Einschnitte sowie Schäden am Sägeblatt werden dadurch vermieden.

Auch dünne Platten und besonders harte Platten, etwa aus HPL, kann die Säge bewältigen. Mit einem Sägeblattüberstand von 95 mm  kann das Holzbronner Unternehmen außerdem viele unterschiedliche Kunststoffstärken handhaben. Die automatische Absaugung, die Späne und Staub direkt während des Schnittvorgangs von der Platte absaugt, gehört zur Standardausstattung der Säge.

Die mit Rollkugeln ausgestatteten Maschinentische unterstützen die Mitarbeiter bei der körperlichen Arbeit: Das durch die Düsen entstehende Luftkissen lässt die Kunststoffplatten – auch schwere – fast mühelos über die Fläche gleiten. Der Mitarbeiter muss die zugeschnittene Platte nur noch in die vorgesehene Richtung lenken und dann vom Tisch nehmen. Die Platten gleiten mit wenig Kontaktfläche über Kugeln und Luftbett. Schrammen und Kratzer sind damit fast ausgeschlossen und dadurch bedingt gibt es weniger Ausschuss.

Ein manueller Etikettierer versieht jeden Zuschnitt mit einem Etikett mit Barcode, das sowohl über die nachfolgende Bearbeitung als auch – im Falle eines Restteils – über den zugehörigen Lagerplatz informiert. Damit hat der Anwender mit einem Blick in die Software immer einen Überblick über den Lagerbestand. Wird für einen Auftrag ein bestimmtes Material gebraucht, sieht er, ob dieses noch in passender Größe im Restelager steht und wo es zu finden ist. Die Zuschnittoptimierungs-Software Schnitt Profi(t), die der Sägenhersteller für seine Maschinen entwickelt hat, hat Zugriff auf die Daten des Restelagers und plant die Reste in der Schnittplanerstellung mit ein. Damit konnte der Kunststoff-Verarbeiter rund 20 Prozent Material einsparen.

Automatisierte Zusammenarbeit

Früher mussten die Mitarbeiter oft erst nach Materialien suchen und sie mit dem Gabelstapler zur Säge sowie Reste nach dem Verarbeiten wieder zurück zum Lagerplatz fahren. Viel Zeit hat das in Anspruch genommen. „Das heißt, die Säge ist eigentlich über 50 Prozent pro Tag gestanden“, erklärt Eberhard Scheidel. Heute läuft der Prozess dank integriertem Lagersystem mit Saugtraverse fließend und den ganzen Tag. „Die Anlage hat Vorauslagerplätze und sortiert sich das Material vor“, erörtert Scheidel das System. So kann die Traverse immer die oberste Platte eines Stapels als nächstes Schnittgut auf den mit Rollen ausgestatteten Vorstapeltisch legen.

Die Säge läuft nahezu durchgehend. Im Hintergrund ordnet die Lagersteuerung über die Traverse als Teil des Lagers die Platten und setzt sie auf das Rollfeld. Über die Software hat das Lager immer den Überblick und die Traverse handelt nach drei Prioritäten: Auftrag eins ist es, die Säge mit den Platten zu bestücken, die aktuell auf dem Plan stehen. Ist die Säge beschäftigt, sortiert die Traverse im Auftrag des Lagers als zweite Priorität Platten vor, die im Anschluss den Weg zur Säge antreten sollen – oft geschieht dies nachts, damit am Tag keine Wartezeiten entstehen. Ist auch das erledigt, werden nach dritter Priorität weitere, neue Platten eingelagert. Muss aber beispielsweise ein Auftrag zwischengeschoben werden, kann der Anwender auch manuell in das Lager eingreifen.

Damit die Traverse nicht aus Versehen zu viele Platten auf einmal mitnimmt, weil diese durch statische Aufladung zusammen kleben, saugt sie mit ihren speziell auf Kunststoff ausgelegten Saug-Greifern immer erst eine Ecke mehrmals an, um eventuelle, an der oberen Platte haftende weitere Platten zu lösen. Dann erst nimmt sie die ganze, einzelne Platte und transportiert sie zur Säge. Auf Wunsch ist – je nach Materialart – auch der Zuschnitt eines Plattenpaketes, bestehend aus mehreren Platten aufeinander, möglich.

Die unterschiedlichen Kunststoffarten sind für die Säge-Lager-Einheit kein Problem: Sind die Daten der verschiedenen Kunststoffe und Platten im System, weiß das Lager, wo etwas steht und wann es zu schneiden ist.

Flexibel und durchgängig arbeiten

Muss der Anwender zwischen unterschiedlichen Materialien wechseln, die andere Eigenschaften haben, ist manchmal der Tausch des Sägeblatts empfehlenswert, um optimale Ergebnisse zu erreichen. „Wenn wir HPL-Platten schneiden, ist ein spezielles Sägeblatt  zwingend notwendig. Dann lassen wir aber mehrere Kundenaufträge zusammenkommen, damit wir einen Tag lang nur diese Platten schneiden. In der Woche stellen wir ein bis zweimal um,“ beschreibt Scheidel. Mit dem Schnellspannsystem, das standardmäßig in der Säge enthalten ist, dauert der Wechsel nur wenige Minuten.

Zur Optimierung des Materials pflegt der Mitarbeiter sämtliche Positionen eines Auftrags nacheinander in die Optimierungs-Software ein. Diese erstellt daraus Schnittpläne, fasst diese zu Läufen zusammen und schickt die Daten dann online an die Säge, wo sie abgearbeitet werden. Der Mitarbeiter  kann seine Projektdaten direkt aus der Ergebnisanzeige heraus editieren und alle Sägeläufe bedarfsgemäß nach Name, Auftragsnummer, Kalenderwoche oder anderen Kriterien sortieren.

Kunden mit Flächenlagern, wie bei SK Scheidel, hilft die Software, den Überblick zu behalten. Codes mit bis zu 50 Stellen kann das Programm in der Plattenbibliothek verarbeiten. Diese berechnet dabei unter anderem auch das Gewicht von Platten, Bauteilen, Resten und Abfall, damit der Anwender seine Logistik besser kalkulieren kann. Weiterhin verfügt das Programm über eine Tabellenkalkulation, die beispielsweise die Anzahl der Längs- und Querschnitte eines Schnittplans erfasst und kompatibel zu XLS-/XLSX-Tabellen ist. Gerade ist das Rottweiler Unternehmen dabei, alles umzustellen, sodass Aufträge über die neue Software von oben aus dem Büro gesteuert werden können.

Saubere Halle, Ordnung im Lager

Um den Überblick über die Restbestände zu behalten, waren Reste früher relativ groß definiert. Daher war auch die Abfallmenge höher. Durch die digitale Resteverwaltung und die damit verbundene digitale Verwaltung der Lagerbestände konnte das Unternehmen den Ausschuss deutlich senken. Der Anwender weiß anhand der Daten im System immer, ob ein bestimmtes Material in passender Größe noch vorhanden ist und wo es steht. Durch die automatisierten Abläufe – das Lager beschickt die Säge, ein Mitarbeiter bewegt die gesägten Teile – und den ständigen Überblick über Bestand und Restelager spart der Anwender sowohl Zeit als auch Geld. Es entstehen keine Wartezeiten an der Säge mehr, weil diese auf die Beschickung wartet oder der Mitarbeiter einen passenden Materialrest im Regal suchen muss. Der Staplerverkehr in der Halle hat sich stark verringert und das Material wird schonender transportiert.

Dass alles aus einer Hand kommt, war für Scheidel einer der ausschlaggebenden Gründe, sich für diese Kombination zu entscheiden. Der Unternehmensleiter ist erleichtert, dass er sich  nur noch an einen Ansprechpartner wenden muss, wenn es ein Problem gibt.

 

Autor

Sonja Utsch
Redaktion Plastverarbeiter.

sonja.utsch@huethig.de