Farben wecken Emotionen und sind deshalb ein ganz wesentlicher Aspekt in der Produktentwicklung. Und genau mit diesem Thema nahm Julia Canzler, Desgin & Packaging Grafe Group, Blankenhain, die Teilnehmer der VDI Tagung „Kunststoffe sicher einfärben“ im Juli in Heildelberg auf eine beeindruckende Reise durch die aktuellen Farbtrends mit. Ein leichter Einstieg in das Thema „Farbe in der Kunststoffindustrie“, das technisch einen hohen Stellenwert in der Produktion einnimmt.

Die Vortragenden der VDI Tagung gaben einerseits Antworten auf Grundsatzfragen zum Thema Farbe, wie beispielsweise Farbdefinitionen und -messungen, und boten andererseits einen Überblick über verschiedene produktions- beziehungsweise verfahrenstechnische Ansatzpunkte. Doris Brune, Technical Application Service, Clariant Masterbatches, Ahrensburg, zeigte zunächst den Aufbau von Farbmitteln und deren Umsetzung zum klassischen Masterbatch.

Rainer Hoop, Geschäftsfüherer von Novosystems, Seevetal, präsentierte die Alternative dazu: Flüssigfarben und Mikrogranulate. Daran schloss sich eine muntere Diskussion an, denn mit Flüssigfarben umzugehen ist man in der Branche nicht gewohnt. Doch je nach Produkt und Verfahren können Flüssigfarben Vorteile haben, die sich auch in geringeren Personal- und Rohstoffkosten niederschlagen. Dr. Eric Richter zeigte als Director Product Development von Albis Plastic, Hamburg, welche Herausforderungen sich bei der Farbeinstellung von Thermoplasten stellen.

Sicherheit für Originale

Einen weiteren interessanten Aspekt griff Jochen Mößlein, Geschäftsführer von Polysecure, Freiburg, auf. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Markierlösungen gegen Produktpiraterie sowie Plagiate und für andere Anwendungen wie beispielsweise Sortiermaschinen. Die einsetzbaren keramischen Pulver lassen sich über Masterbatche in die Kunststoffe einbetten. Die Markiersubstanz ist termperaturstabil bis mindestens 1.600 °C, chemisch und biologisch inert und lässt sich mit bis zu vier Sicherheitsmerkmalen ausstatten.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurden Fragestellungen zur Verarbeitung behandelt. Dazu bot Alexander Koschmieder, Leiter Technik, Motan-Colotronic, Friedrichsdorf, einen Überblick über Misch- und Dosiertechniken und Thomas Zentgraf vom SKZ in Würzburg, beschrieb den Einfluss des Spritzgießprozesses auf Farbe und Glanz. Am Folgetag konnte Melanie Rohde als Entwicklungsingenieurin bei Sumitimo Demag Plastics Machinery, Schwaig, ein System präsentieren, mit dem Flüssigfarbe sicher in den Spritzgießprozess eingeführt wird.

Über ein integriertes System an der Spritzgießmaschine wird die Farbe in die Meteringzone der Plastifiziereinheit dosiert, wodurch vergleichsweise schnelle Farbwechsel mit geringen Kosten möglich sind. Abgerundet wurde das Programm mit Vorträgen zu den Themen Prozess-optimierung mithilfe von statistischer Versuchsplanung und Vermeidung von Formteilfehlern beim Färben.

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Über den Autor

Dr. Etwina Gandert ist Redakteurin bei Plastverarbeiter. etwina.gandert@huethig.de