Das Unternehmen Poligroup, Bulgarien, als Produktionsbetrieb für Polyethylenfolien und Verpackungen für die Agrarwirtschaft, Industrie, Bauwesen und Handel suchte nach einer leistungsfähigen nassmechanischen Aufbereitungsanlage für Folienabfälle. Herbold Meckesheim lieferte dafür eine Folienaufbereitungsanlage für einen Output von 1.000 kg/h gewaschener Folienflakes. Nach Projektierung, Fertigung, Lieferung, Montage, Inbetriebnahme und Probebetrieb erfolgte die Abnahme der Folienwaschanlage im September 2013.

Unterschiedliche Folienabfälle stellen auch unterschiedliche Ansprüche an die Aufbereitungsstufen. So ist Landwirtschaftsfolie auf den ersten Blick sehr stark verschmutzt, teilweise beträgt der Verschmutzungsgrad bis zu 50 %. Das bedeutet, dass genauso viel Verunreinigungen in die Folienwaschanlage gelangen, wie Folie. Bei Landwirtschaftsfolie besteht der Großteil der Verschmutzungen aus Sand. Aber auch Kieselsteine, sowie kleine Schrauben können in der Folie eingewickelt sein. Um solche Verschmutzungen aus der Folie zu lösen, wird nach der Vorzerkleinerung in der Waschanlage bei Poligroup eine speziell an diese Aufgabenstellung entwickelte Vorwascheinheit eingesetzt. Vorteilhaft ist bei Landwirtschaftsfolie hingegen, dass das Material immer der gleiche Kunststoff ist, mit gleicher Farbe und gleicher Herkunft.
Anders sieht es bei Folie aus dem Haushalt aus.

Diese besteht aus einem Kunststoffmix aus einigen verschiedenen Kunststoffen. Hierbei ist die Herausforderung, die Abtrennung der unerwünschten Kunststoffen. Hierzu setzt Herbold Meckesheim als einziger Anwender im Bereich der nassen Folienaufbereitung auf eine Abtrennung mittels Hydrozyklontrennstufe. Diese trennt Kunststoffe, welche schwerer als Wasser sind, von Kunststoffen, welche leichter als Wasser sind. So können die schweren Kunststoffbestandteile von den Polyolefinen abgetrennt werden, diese stellen das Gutmaterial für Folienwaschanlagen dar.

Ein weiterer Vorteil der Hydrozy-klontrennstufe sind die hohen Mengen an Wasser, welche im Kreislauf gefahren werden. Sie sorgen zusammen mit den, durch den Hydrozyklon entstehenden Umwälzkräften im Wasser, für ein sehr gutes Waschergebnis der Folie. Anhaftende Organik, wie sie bei Folienabfällen aus dem Haushaltsbereich oft zu finden sind, wird hier mühelos abgewaschen. Supermarktfolie hingegen hat oft erhebliche Anteile an Papier in Form von aufgeklebten Etiketten. Herausforderung ist es, dieses Papier von der Folie zu lösen, denn als Eingangsmaterial für ein Rezyklat zur Herstellung neuer Folie, sind die aus LLDPE bestehenden Supermarktfolien ideal.

Was zählt, ist die Qualität des Endprodukts

Am wichtigsten ist aber die Frage nach der geforderten Qualität des Endproduktes. Von dieser hängen die erforderlichen Aufbereitungsstufen ab. Wirtschaftlich betrachtet, können auch nur bestimmte Abfälle zur Aufbereitung verwendet werden. Verarbeiter weichen immer mehr auf Materialien aus, welche am Markt sehr preisgünstig zu beschaffen sind. Deswegen ist es wichtig die Maschinentechnik im engen Dialog zwischen Anlagenbauer und Betreiber abzustimmen. Je präziser sich die Aufgabenstellung bezüglich des zu verarbeitenden Inputmaterials einschränken lässt, desto kostengünstiger kann eine Anlage erstellt werden, denn unnötige Verfahrensschritte oder Auslegungsspielräume werden vermieden.

Gedanken muss sich der Betreiber einer Waschanlage auch über die Organisation der Folienabfälle machen. Ein existierendes Sammel- und Sortiersystem ist die ideale Voraussetzung. Wo dieses fehlt, kann ein Recycler für Kunststoffabfälle nur auf Material zurückgreifen, das aus Ländern importiert wird, wo dieses gesammelt oder aufbereitet wurde. Natürlich ist es auch möglich, Haushaltsabfälle gemischt zu sammeln, danach möglichst viel Organik abzutrennen und daraus eine Kunststoff-Fraktion zu erzeugen. Das ist aber der teuerste Weg, und die Qualität des Rezyklats leidet darunter.

In der bei Poligroup stehenden Waschanlage werden Landwirtschaftsfolien und Supermarktfolien zu Rezyklat verarbeitet, welches zur Herstellung von Müllsäcken, Abdeckfolien und Baufolien verwendet wird. Hierzu muss kein neuer Kunststoff zugemischt werden, die drei neuen Produkte bestehen alle zu 100 % aus aufbereitetem Kunststoff aus der Herbold Folienwaschanlage.

Randbedingungen für wirtschaftlichen Erfolg

Viele Randbedingungen zur wirtschaftlichen Betreibung einer Waschanlage für Kunststofffolien sind vom Markt vorgegeben. Zum Beispiel die Kosten für die Beschaffung und den Transport des Inputmaterials oder erzielbare Preise für die Fertigware. Durch optimale Maschinenausrüstung kann der Betreiber einer Folienwaschanlage Input-Material von schlechterer Qualität verarbeiten oder ein qualitativ hochwertigeres Endprodukt herstellen. Ganz wichtig ist auch, das Personal zum Betrieb der Anlage gut zu schulen. Das solche eine Anlage auch am Standort Deutschland wirtschaftlich betrieben werden kann, wurde schon viele Male unter Beweis gestellt.

Die gesamte Wirtschaftlichkeit einer Waschanlage für Folienaufbereitung steht und fällt aber mit den Aufbereitungskosten. Diese liegen für eine Waschanlage von Herbold ca. zwischen 250 und 350 EUR je Tonne Endprodukt. Der größte Anteil hiervon sind die Energiekosten. Durch eine wirtschaftliche, effiziente Anlagenkonzeption, lässt sich dieser Anteil senken. Der Energiebedarf für die Folienaufbereitungsanlage bei Poligroup liegt ca. bei 0,8 bis 1,0 MW je Tonne an produziertem Endprodukt, das entspricht 0,8 bis 1,0 kW je Kilo Endprodukt. Im gesamten System befinden sich größere Mengen an Kreislaufwasser, welches ständig wiederverwendet wird. Lediglich 1 bis 2 m³ Frischwasser werden je Tonne Inputmaterial zur Regenerierung des Kreislaufwassers benötigt.

Für einen langlebigen Betrieb einer solchen Anlage müssen Themen wie Wartung und Instandhaltung schon beim Konstruieren der Maschinen bedacht werden. Ohne gute, vorbeugende Wartung und Instandhaltung ist die Verarbeitung abrasiver Materialien wie Sand nicht möglich. Konstruktiv müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um vom Verschleiß betroffene Stellen zu schützen. So werden verschleißende Bereiche mit auswechselbaren Verschleißplatten ausgekleidet.

Variabilität der Anlage

Ausschlaggebendes Argument sollte für Poligroup die hohe Variabilität der Anlage gewesen sein. Diese kommt mit extrem stark verschmutzter Folie genauso zurecht, wie mit sehr dünnwandiger Folie. Die, in die Waschanlage integrierte Vorwascheinheit und die Hydrozyklontrenntechnik sind die hervorstechenden Konstruktionsmerkmale. Dem Recyclingunternehmen steht eine leistungsstarke Aufbereitungsanlage zur Verfügung, mit der eine kostengünstige Rohstoffversorgung der Folienproduktion aus Folien-abfällen realisiert wird.

Durch einen engen Kontakt zwischen Anwender und Hersteller ist der für eine Weiterentwicklung der Anlagentechnik wichtige Informationsaustausch zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenlieferant sichergestellt. Dementsprechend sind die Weichen für den erfolgreichen Abschluss zukünftiger gemeinsamer Projekte gestellt.

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Über den Autor

Karlheinz Herbold ist Geschäftsführer von Herbold Meckesheim, Meckesheim, karlheinz.herbold@herbold.com