Wie stellen Sie die Qualität Ihrer Werkzeuge sicher?

Fröhlich: Da geht es schon in der Formteilkonstruktion los. Hier beraten wir den Kunden, weisen auch auf zum Beispiel Wanddickenversprünge, Fließwegverhälntnisse etc. hin und erstellen gegebenenfalls eine DFM-Analyse. Wenn das Bauteil als solches auskonstruiert ist, übernehmen wir die 3D-Daten und erstellen die Werkzeugkonstruktion. Nach der Freigabe der Konstruktion durch den Kunden erfolgt der Bau des Werkzeuges in unserer sehr gut, mit Topmaschinen ausgestatteten Produktion. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Mitarbeiter regelmäßig schulen und weiterbilden.

Und wie stellen Sie sicher, die Toleranzvorgaben der Kunden einzuhalten?

Fröhlich: Wir segmentieren die kritischen Bereiche, arbeiten uns, wenn nötig, in mehreren Schritten an die Maßvor­gaben heran und vermessen gegebenenfalls die Bauteile nach der Bearbeitung auf unseren 3D-Messmaschinen. Die Stahlsorten stimmen wir ebenfalls mit unseren Kunden ab.

Sie haben das Thema Stahl angesprochen. Verwenden Sie ausschließlich heimisches, für TK-Mold also chinesisches Material?

Fröhlich: Sollte es auf dem chinesischen Markt keine entsprechenden Stahlsorten geben, wird der Stahl aus Schweden geholt oder auch aus Deutschland. Das ist auch für die Qualitätssicherung ein wichtiger Punkt. Und dann ist es natürlich entscheidend, dass wir die Werkzeuge tuschieren, intern bemustern können. Danach wiederholen wir natürlich die entsprechende Vermessung. Und erst wenn das alles erfolgt ist und vom Kunden freigegeben ist, dann liefern wir aus.

Aus Ihren Erläuterungen entnehme ich, dass die Beratung und Engineering-Leistung einen hohen Anteil in Ihrem Geschäft einnimmt. Verlangen Kunden also von Ihnen eher eine Lösung für ihre Anforderungen anstelle des Ausarbeitens einer präzisen Vorstellung?

Fröhlich: Das ist ganz unterschiedlich. Die einen kommen mit einem komplett ausgearbeiteten Lastenheft, wo man also wirklich vorgeschrieben bekommt wo jede Schraube zu sitzen hat oder welcher Heißkanal eingesetzt wird. Und die nächsten kommen und haben mehr den Fokus auf dem Bauteil und sagen, bau mir mal ein Werkzeug drumrum, und das soll auf die und die Maschine passen. Und das ist für mich jetzt gerade auch so ein Schwerpunkt, wo ich eben merke, dass wo die Kunden eigentlich nicht so standardisiert sind, dass wir dort an Grenzen stoßen. Und deswegen ist mein Ziel eben, die Kunden dahingehend zu beraten, dass wir uns wirklich über das Werkzeug, das Konzept und die einzelnen Bauteile im Werkzeug vorher Gedanken ­machen. Ich möchte dahin kommen, dass wir erst dann mit dem eigentlichen Bau loslegen, wenn wir wissen, was da hinterher auch rauskommen soll.

Das heißt, Sie sind schon bei der Produktentwicklung ein­gebunden?

Fröhlich: Wenn der Kunde das wünscht, natürlich. Ja sicher. Dann bin ich mit vor Ort. Und das ist ja letztendlich auch ein stückweit die Brücke zwischen der deutschen Entwicklung und dem chinesischen Werkzeugbauer. Da entstehen immer noch logischerweise Kommunikations-Schwierigkeiten, und das ist sicherlich auch eine meiner Aufgaben, diese letztendlich zu lösen.

Wie begegnen Sie Vorbehalten von deutschen Verarbeitern gegenüber einem chinesischen Anbieter?

Fröhlich: Wir leben in einer globalen Welt. Es gibt kein China und kein Amerika in der Wirtschaft. Ein Geschäftsführer muss sehen, wo er für sein Unternehmen die höchste Wettbewerbsfähigkeit erzeugt. Und wenn ein Lieferant Wett­bewerbsvorteile verschafft, weil er in China ansässig ist, dann nutzt er die. Wenn der Lieferant in Amerika ansässig wäre, würde er ihn ja auch nutzen. Und andersrum muss man es einfach sehen, dass der Absatzmarkt für uns Deutsche in China exorbitant wichtig ist. Man muss das einfach mal über Bord schmeißen, diese Vorbehalte, und dieses Vertrauen aufbauen und dann natürlich auch beweisen. Das liegt natürlich auch ein stückweit innerhalb TK. Und da muss ich sagen, haben wir mit über 50 Mitarbeitern ein Kunden- und Servicecenter aufgebaut, das schnell Angebote erstellt, in dem alle sehr gutes Englisch sprechen. Auch deutschsprachige Mitarbeiter sind dabei, und das funktioniert ziemlich reibungslos.

Das heißt, auf so große Vorbehalte treffen Sie gar nicht?

Fröhlich: Doch, sicher. Der eine oder andere sagt: „Ach, geh mir fort mit China.“ Ich höre dann: „Nein, China haben wir vor 10 Jahren mal ausprobiert, wir sind so auf die Klappe gefallen.“ Aber die Uhr hat sich weitergedreht. Die chinesischen Kolleginnen und Kollegen haben dazugelernt. Dann setzen wir uns mit den Interessenten zusammen. Und oft funktioniert das dann.

Wie wirkt sich der Produktionsstandort China auf die Lieferzeiten aus? Und wie ist das mit der Reaktionszeit vom Service bei Auftragsänderungen oder Ähnlichem?

Fröhlich: Das ist immer ein Thema, natürlich. Also wenn Sie hier sagen, 16 bis 20 Wochen Bauzeit, sind wir in China im Schnitt in zehn Wochen fertig. Natürlich kommt das immer auf die Komponenten an, das ist klar. Aber im Schnitt ist das so. Dann haben wir natürlich die Verschiffungszeit, und die beträgt vier Wochen. Wir haben insofern vorgearbeitet, dass bei uns die Werkzeuge nicht mehr eingefettet werden, so wie ich das früher auch noch kannte. Sondern die werden vakuumverschweißt und dann gehen die aufs Schiff und da passiert gar nichts dran. Das ist also auch ein Riesenvorteil, Sie nehmen das Werkzeug hier raus, schließen es an, bauen es auf, los geht’s.

Wie kommt diese Differenz in der Produktionszeit der Werkzeuge zustande? Arbeiten die Chinesen schneller?

Fröhlich: Die arbeiten einfach zwei Schichten. Und zwei Schichten heißt 24 Stunden. Ebenso wichtig ist aber auch die Arbeitsweise: In Deutschland, das kenne ich in- und auswendig, sagt der Konstrukteur: „Mein Werkzeug! Von der ersten bis zur letzten Schraube konstruiere ich das!“ Da können Sie sich vorstellen, wie lange das dauert, bis so ein Werkzeug überhaupt mal in die Produktion geht. Und das kennen die Chinesen nicht. Die setzen zehn Mann parallel an ein Werkzeug und die konstruieren durch. Und das schiebt da natürlich schon die Zeit zusammen. Und dann haben Sie hinterher natürlich auch im Bau noch die Verkürzung.

Es gibt ja Leute, die anspruchsvolle Werkzeuge, die ein bisschen weg vom Standard sind, nicht in China fertigen lassen wollen. Sie haben Angst um ihre Maßtoleranzen. Wie begegnet ihr Unternehmen diesem Problem?

Fröhlich: Die Räumlichkeiten, in denen diese präzisen Bauteile hergestellt werden, sind komplett klimatisiert, das Jahr über durch. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Die Mitarbeiter werden außerdem geschult in dem, was sie tun. Ebenso wichtig, das hatten wir vorhin schon: Wir stellen vor Produktionsbeginn sicher, dass wir genau verstanden haben, was der Kunde haben möchte. Aber Probleme, das sage ich auch ganz klar, gibt es überall. Wir sind nicht die mit dem Zauberhut auf. Das ist einfach Normalität.

 

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Über den Autor

David Löh ist Redakteur des Plastverarbeiter. david.loeh@huethig.de Christine Koblmiller ist Redakteurin des Plastverarbeiter. christine.koblmiller@huethig.de