Geschäftsführer Luca Ferrari ist ebenso wie die drei weiteren Firmengründer Massimo Magnani, Francesco Greco und Costantino Bianchi Maiocchi kein neues Gesicht in der Branche. Auch  die Wahl des Fertigungsstandorts im norditalienischen Carpi fiel mit Bedacht: Die Region rund um Mirandola in der Provinz Modena hat sich seit den 1960er Jahren zu einem weltweit bedeutenden Cluster für Zulieferer der Biomedizintechnologie entwickelt. Dennoch waren die Umstände zum Start alles andere als günstig. Nur wenige Wochen nach Baubeginn wurde die Region von einem schweren Erdbeben erschüttert, das bis heute den Betrieb in zahlreichen Firmen beeinträchtigt. Luc & Bel kam glimpflich davon, dennoch verzögerte sich der Bau um vier Monate. Zusätzliche Investitionen wurden notwendig, um das Gebäude für zukünftige Beben besser abzusichern. Im Januar 2013 schließlich konnte die Produktion beginnen.

Reinraum von Anfang an ausreichend groß planen

Auf zwei Säulen basiert das Geschäft: Hochwertige Fittings, die der Verarbeiter unter eigenem Label auf dem Markt anbietet. Und Auftragsarbeiten von der Produktentwicklung über die Konstruktion bis zu Serienfertigung. Aushängeschild ist der 1.200 m2 große Reinraum mit zwölf Engel Victory Spritzgießmaschinen im Schließkraftspektrum von 80 bis 300 t.

„Wir haben von Anfang an mit Weitsicht geplant“, betont Ferrari. „Ein einmal validierter Reinraum lässt sich nur mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand erweitern. Auf der grünen Wiese eine neue Fabrik zu errichten, ist eine große Chance.“

Der Maschinenhersteller Engel, Schwertberg, ist Alleinlieferant für die Spritzgießmaschinen. „Neben Qualität und Leistung kommt es uns vor allem auf die Stabilität unserer Zulieferer an“, so Ferrari. „Unser Partner ist in Europa und auch hier in Italien stark verwurzelt und kann uns für den After-Sales-Service Kontinuität garantieren.“
Dank der holmlosen Schließeinheiten ermöglichen die Spritzgießmaschinen einen komfortablen und schnellen Werkzeugwechsel. Zudem lassen sich große Werkzeuge auf vergleichsweise kleine Maschinen montieren. Vor allem für Mehrkomponentenprozesse und die Integration von Montageschritten werden oft große, sperrige Werkzeuge, aber nur vergleichsweise geringe Schließkräfte benötigt. Hier trägt die Holmlostechnik dazu bei, die Betriebskosten und damit die Stückkosten zu senken.

Kurze Wege und geschlossene Systeme

„Wir fokussieren uns auf Produkte mit einer hohen Wertschöpfung“, betont Luca Ferrari. Im Kundenauftrag werden aktuell unter anderem Komponenten für die Infusionstherapie, Dialyse und Herzchirurgie gefertigt. Viele Produkte werden unmittelbar nach dem Spritzguss montiert. Hierfür befindet sich eine erste automatisierte Montagezelle direkt neben den Spritzgießmaschinen im Reinraum.

Kurze Wege kennzeichnen das Fertigungskonzept. Parallel zur den Spritzgießmaschinen im Reinraum, stehen die Systeme für die Granulatversorgung in einem vom Reinraum separierten Korridor. Dort finden auch die Angussmühlen Platz. Im geschlossenen System werden die hochwertigen Werkstoffe zu Regranulat aufbereitet.
14 Mitarbeiter beschäftigt Luc & Bel aktuell in Carpi. Mittelfristig soll das Team um weitere zehn Personen wachsen und dann einen Umsatz von 10 Mio. Euro erwirtschaften

Autor

Über den Autor

Susanne Zinckgraf ist Managerin Public Relations bei Engel Austria in Schwertberg, Österreich. susanne.zinckgraf@engel.at