Zurzeit gibt es fast 21.000 Apotheken in Deutschland. Ihre Anzahl wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich bei etwa 17.000 bis 18.000 einpendeln. Darüber hinaus wird die Bevölkerung immer älter. Die einzelne Apotheke muss also auf der zur Verfügung stehenden Fläche mehr leisten. In diesem Umfeld spielt das Thema Automatisierung eine wichtige Rolle. Da zudem der Aufbau und die verfügbare Stellflächen stark variieren, müssen die Systeme zum Medikamenten-Handling nicht nur kompakt, sondern auch modular aufgebaut sein. Außerdem lassen sie sich nur so problemlos erweitern und mit Energie versorgen.

Ein Beispiel für eine solche Anlage steht in Steinbach im Taunus. Auf der grünen Wiese ist die Central Apotheke mit einer großen Lagerfläche und einem angeschlossenen Großhandel entstanden. Hier sind um die 100 Mitarbeiter beschäftigt. Unter dem Motto „Apotheke von morgen“ versorgt dieser Standort vier eigene Apotheken im Umfeld von Frankfurt und weitere Apotheken in anderen Teilen Deutschlands. „Die Lagerfläche haben wir in den letzten Jahren komplett automatisiert“, berichtet Gregor Malajka, Geschäftsführer von Mach4, Bochum. Das Unternehmen stellt automatische Kommissionier-Systeme her. „Mittlerweile sind sechs Medimat-Logistiksysteme aller Größenordnungen im Einsatz. Sie ermöglichen eine hohe Prozesssicherheit sowie Einlagerungs­geschwindigkeit und amortisieren sich schnell.“ Zudem ist fast jede Anlage über das Internet mit dem Stammsitz des Herstellers verbunden, sodass sich der größte Teil der anfallenden Probleme mittels Fernwartung lösen lässt.

Leisetreter

Seit dem ersten Tag laufen in den Systemen Energiezuführungen und Leitungen aus dem Standardprogramm von Igus, Köln. Die Ketten der Serie E2/000 lassen sich innen und außen aufklappen sowie leicht und vielseitig montieren. „Aus betriebswirtschaft­lichen und technischen Gründen haben wir ausschließlich Standardprodukte von Igus ausgewählt“, erklärt Malajka. „So können beispielsweise bei Anlagenerweiterungen die notwendigen Änderungen einfach erfolgen.“ Üblicherweise kommen jeweils zwischen zwei und fünf konfektionierte Energiekettensysteme, sogenannte Readychains, zum Einsatz, die robust und abriebfest sind sowie geräusch- und vibrationsarm laufen. Außerdem verbrauchen sie durch ihre kleinen Biegeradien wenig Platz. Das ist wichtig, um den knappen Bauraum im Medikamentenlager optimal nutzen zu können. Aufgrund einer sehr kleinen Teilung der Kettenglieder und des dadurch reduzierten Polygoneffekts verursacht die Kette kaum Vibrationen und Erschütterungen. Dadurch bekommen die Kunden in den Apotheken nahezu nichts von den Kommissionier-Prozessen mit, die die Medizin wie von Zauberhand zu Tage fördern.

20.000 Medikamentenfahrten pro Tag

Da der Hersteller alle Komponenten der Energieketten und die dafür optimierten Chainflex-Leitungen anbietet, kann er für eine lange Lebensdauer bürgen. Tatsächlich funktionieren seit einigen Jahren vorkonfektionierte Energiezuführungen in den Kommissioniersystemen von Mach4 zuverlässig. Sie tragen zur Leistungsfähigkeit der Anlagen bei und halten gleichzeitig den Montageaufwand gering. „Wir setzen dabei grundsätzlich auf unsere eigenen Monteure“, erläutert Malajka. „Sie kennen das Produkt und die Abläufe und sorgen so für die erforder­liche Betriebssicherheit. Igus kann diese garantieren, da das Unternehmen in der eigenen Fabrik ein 1.750 m2 großes Testlabor eingerichtet hat, wo es die Produkte rund um die Uhr auf Herz und Nieren prüft.

Auf der Grundlage von 10.000 Tests mit Biegeradien von nur dem Dreifachen des Leitungsdurchschnitts lässt sich die Lebensdauer der Leitungen und Ketten verlässlich berechnen. Bei Mach4 ermög­lichen Servo-, Bus-, Steuer- und ­Pneumatikleitungen von Igus die geforderten Leistungsdaten zum schnellen Picken der Medikamenten-Verpackungen. Je nach Länge des Verfahrweges, der bis zu 17 m beträgt, liegt die Geschwindigkeit bei 4 m/s; bei einer Beschleunigung von 2,5 m/s2. In einer typischen Apotheke kommen pro Tag um die 300 Ein- und Auslagerungsvorgänge zusammen. In Krankenhäusern kann sich das auf bis zu 20.000 Fahrten steigern. Die Lagerkapazitäten der einzelnen Systeme betragen zwischen 9.000 und 60.000 Packungen. Je nach Zusammenstellung der Anlage lagert sie pro Stunde zwischen 150 und 1.200 Packungen ein; und 300 bis 8.700 Stück aus.

Der Komponentenlieferant und das mittelständische Maschinenbau-Unternehmen arbeiten auch in anderen Projekten eng zusammen. Vor einigen Jahren entwickelten sie beispielsweise eine Kommissionieranlage, die 90° um die Ecke fährt. „Schnell war die Lösung gefunden“, erinnert sich Malajka. „Während in den Standardautomaten die Kette auf dem Boden liegt, steht sie in den Kurvenautomaten senkrecht und sorgt so für eine sichere Energieversorgung der diversen Steuerungs- und Antriebseinheiten.“

 

Energieketten im Detail

Robuste Individualisten

Ob abriebfeste Energieketten für Reinräume, leitfähige Materialien in der Elektronik oder Kunststoffrohre im Werkzeugmaschinenbau – viele Branchen fordern besondere Formen und auch Werkstoffe für ihre Fertigungen und Prozesse. Für diese und andere Anwendungen liefert das Unternehmen Igus pro Tag über 10.000 kundenindividuelle Energiezuführungen aus, deren Bestandteile die Besteller aus einem Fundus von mehr als 90.000 Teilen des Artikelkatalogs auswählen. Die einzelnen Spritzgussteile bestehen dabei aus compoun­dierten Materialien, wodurch auch Sonderanfertigungen in Form und Werkstoffen möglich sind. Dabei forscht das Unternehmen sowohl für Standardprodukte als auch für kundenspezifische Lösungen seit vielen Jahren im eigenen 1.750 m2 großen Testlabor, um die Lebensdauer zu verlängern sowie verlässlich vorherzusagen. Über 250 Energieketten- und Leitungstests laufen dort parallel, deren Ergebnisse in die Datenbank des Herstellers einfließen. Diese bildet die Basis für die Online-Tools, mit denen sich die Kunden ihre spezifische Kunststoff-Energiekette konfigurieren.

Autor

Über den Autor

Michael Blaß ist Prokurist Vertrieb und Marketing bei Igus in Köln.