Für eine mehrteilige Form benötigt eine Fräsmaschine oft bis zu drei Wochen Bearbeitungsdauer. Umso wichtiger ist, dass die Form im Vorfeld gut geplant ist, um anschließend einsatzfähig zu sein. Dafür konstruiert der Kunde zuerst ein 3D-CAD-Modell des Gummiteils. Auf dieser Grundlage wird am PC ein Gussmodell für ein oder mehrere Gummiteile entwickelt.

Anschließend kann die passende Bearbeitungsmaschine ausgewählt und das Modell im CAM-System oder, bei einfachen Formen, direkt an der Maschine programmiert werden. Bei BKK Dämpfungselemente Kubina, Röfingen, sind im Werkzeugbau fünf Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue gefordert und führen alle Arbeitsschritte von der Programmierung bis zur Maschinenbedienung selbst durch.

Hier kommt den Mitarbeitern die klare Bedienung der Steuerungen von Heidenhain, Traunreut, an den Fräsmaschinen zugute: Die Bedienung folgt von einem der ältesten Varianten bis zu den neuen Steuerungen immer dem gleichen Prinzip. Egal an welcher Maschine, jeder Mitarbeiter findet sich sofort zurecht. Denn die bewährten Grundsätze gelten auch für die komplexeren Funktionen der neuen Modelle: werkstattorientierte Programmierung mit grafischer Unterstützung und praxistaugliche Zyklen.

Zudem sind die Steuerungen über Netzwerke mit dem PC verbunden. Am Programmierplatz erstellt der Werkzeugbauer in Ruhe das Bearbeitungsprogramm für die Fräsmaschine, während diese noch ein anderes Teil bearbeitet. Die Werkstück-Bear-beitung wird vorher im CAM-System grafisch simuliert und gleichzeitig eine Kollisionskontrolle durchgeführt. Nachdem das Programm übertragen wurde, arbeitet es die Maschine ab – auch mal 200 Betriebs-stunden am Stück. Der Werkzeugmacher bereitet während dessen schon wieder das nächste Teil am PC vor.

Die zwei neuesten Fräsmaschinen vom Typ U5-1520 und VC 1000 stammen vom Werkzeugmaschinen-Hersteller Spinner, Sauerlach, und sind mit der Heidenhain-Steuerung TNC 620 ausgestattet. Der 600er Dreh/Kipp-Rundtisch macht eine 5-achsige-Simultanbearbeitung möglich und mit dem zweiten starren Frästisch können auch große Teile bis zu 1.520 mm Länge 3-achsig bearbeitet werden.

Für Sonderwünsche geeignet

Mit den neuen Möglichkeiten der 5-achsigen Bearbeitung kann auf noch mehr Sonderwünsche seitens der Kunden eingegangen werden. Logo-Gravuren auf Drehteilen oder gewölbten Oberflächen sind ohne weiteres mit dem verfügbaren Gravierzyklus möglich. Komplexe dreidimensionale Konturen und feine Stiche mit geschwungenen Konturen lassen sich jetzt besser realisieren. Mit den verschiedenen „Plane“-Funktionen werden geschwenkte Bearbeitungsebenen, wie sie an 5-achsigen Bearbeitungsmaschinen zum Einsatz kommen, definiert. So wird einfach eine Bearbeitungsebene festgelegt, und zwar unabhängig von den Drehachsen, die tatsächlich an der Maschine vorhanden sind.

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, abhängig von den Angaben in der Werkstück-Zeichnung. Spezifische Hilfsbilder machen die Eingabe der komplexen Funktion einfach. So definiert man eine neue Ebene über Drehungen um das maschinenfeste Koordinatensystem, oder über die Angabe dreier Punkte auf der neuen Ebene oder man schwenkt eine bereits aktive geschwenkte Bearbeitungsebene durch eine weitere Drehung.

Die Oberflächengüte einer Form

ist ausschlaggebend dafür, dass sich das Gummiteil gut aus der Form löst, ist aber genauso für die Optik des Endproduktes wichtig. Früher wurden Werkzeuge oft nachpoliert. Mit der neuen Steuerung entfällt dieser Arbeitsschritt. Sie regelt ihre Bewegungsführung über feste Bahnpunkte, was eine hohe Genauigkeit und Oberflächengüte bei zugleich hohen Verfahrgeschwindigkeiten ermöglicht. Auch Rüst- und Nebenzeiten lassen sich durch die Mehrseitenbearbeitung reduzieren.

 

„Jeder Mitarbeiter schreibt seine Programme und fertigt
seine Formen selbst. Bei uns gibt es niemand, der nur im
Büro sitzt oder nur draußen an der Maschine steht. Jeder muss sitzen und stehen.“

Karl Kubina, BKK Dämpfungselemente Kubina

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Über den Autor

Frank Muthmann arbeitet in der Produktkommunikation bei Heidenhain,Traunreut. muthmann@heidenhain.de