Die Verpackungsbranche ist – bezogen auf die Menge – einer der größten Kunststoffverbraucher. Die diesjährige Interpack findet unter dem Druck einer schon seit Jahren anhaltenden Diskussion für mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen statt. Dieser Druck ist jedoch keine Bedrohung für die Branche, sondern vielmehr ein Treiber für Entwicklungen und neue Ideen – im Großen wie im Kleinen.

Eine Schlüsselrolle spielt der Carbon-Footprint, dessen Höhe auf unterschiedliche Weise durch die Verpackung beeinflusst wird. Blickt man auf die Rohstoffe, so geht es vor allem um Materialeinsparungen und um das Recyceln von gebrauchten Verpackungen. Beispiele finden sich bei den PET-Flaschen, die sich heute mit abnehmendem Füllstand zum Teil gefährlich Richtung Glas neigen.

Zu verdanken ist dies einem Trend zur Material­einsparung bei der Wandstärke. Krones beispielsweise legt ein Haupt­augenmerk darauf, leichtere – und dennoch stabile – PET-Flaschen zu entwickeln und so wertvolles Material zu sparen. Die neue 0,5-Liter-Flasche PET lite 9.9 Carbonated des Unternehmens wiegt nur 9,9 g – rund ein Drittel weniger als gängige PET-Flaschen dieser Größe. Ein spezielles Design der Flasche sorgt dafür, dass sie trotzdem stabil steht und sicher transportiert werden kann. Dies schont die Rohstoff-Ressourcen ebenso wie den Geldbeutel der PET-Flaschen-Hersteller. Für den Verbraucher ist diese Maßnahme für mehr Nachhaltigkeit kostenneutral – ein wichtiges Argument, denn die gesamte Verpackungsbranche steht unter hohem Kostendruck. Verbesserungen an den Verpackungen in Bezug auf Umweltaspekte, aber auch bezogen auf den Verbrauchernutzen können weder im Consumer, noch im Business-to-Business an die Kunden weitergegeben werden.

Recycling – ein Weg aus der Rohstoffmisere?

Beispiele für Recycling gibt es im Mai in Düsseldorf sicher unzählige. So hat Schütz, Selters, eine IBC-Palette aus einem Kunststoff entwickelt, der aus der Wiederaufbereitung gebrauchter IBCs entsteht. Das Unternehmen versichert, das Rezyklat sei besonders widerstandsfähig gegen Chemikalien, Verformungen sowie Beschädigungen. Ebenso liegt auch bei Utz, Bremgarten, Schweiz, liegt ein Schwerpunkt auf der nachhaltigen, kosteneffizienten Produktion seiner Kunststoff-Ladungsträger. In einem firmeneigenen Recycling-Center werden Boxen und Paletten wieder zu Granulat verarbeitet. Vor diesem Hintergrund müssten im Grudne auch Biopolymere gute Marktchancen haben. Doch aufgrund bisher noch zu hoher Einkaufspreise für diese nachhaltigen Werkstoffe können sie sich im Vergleich zu Standard-Kunststoffen bei dem herrschenden Kostendruck nicht durchsetzen.

Hohe Anforderungen aus allen Branchen

Während der finanzielle Spielraum für die Verpackungshersteller also schrumpft, werden ihre Kunden immer anspruchsvoller, da auch sie ihren Carbon-Footprint senken wollen. Ob Kosmetik, Lebensmittel, Pharma, Großhandel oder Industrie – sie alle legen Wert auf nachhaltige, ressourcenschonend hergestellte Verpackungen. Diese dürfen dennoch nicht an Stabilität einbüßen, um nach wie vor den Schutz des verpackten Gutes gewährleisten zu können. Ebensowenig dürfen sie sperrig sein, im Gegenteil: da die Logistik ebenfalls in den Carbon-Footprint mit eingeht, spielt der Platzbedarf der Verpackung eine wichtige Rolle. Hier kommt das Verpackungsdesign ins Spiel – und damit einmal mehr der hohe Freiheitsgrad, der durch das Material Kunststoff ermöglicht wird.

Der französische Hersteller BTC Concepts zeigt, in welche Richtung die Entwicklung bei den Kunststoff­flaschen gehen könnte. Die Pariser schrauben drei Einzelflaschen zu einer neuen Flasche zusammen. So entsteht ein dreigliedriges Behältnis, das sich schon rein äußerlich durch das innovative Design von anderen Flaschen abhebt. Außerdem schont das BottleClips-Konzept Ressourcen: Beim Transport sparen die Flaschen Stauraum und damit Kraftstoff. Endkunden wiederum verschwenden weniger Lebensmittel, weil nacheinander drei kleine Flaschen angebrochen werden.

Verpackung als Teil der Logistik

Viele Unternehmen setzten automatisierte Fördertechniken ein, die hohe Ansprüche an die Verpackungen stellen: Geringe Toleranzen und eine hohe Stabilität sind dabei wichtige Aspekte. Vor diesem Hintergrund sind auch Verpackungen gefragt, deren Kennzeichnung durch In-Mould-Labelling (IML) realisiert wird, da diese Etiketten mit dem Kunststoff verschmolzen werden, abwischbar sind und sich nicht mehr vom Packstück lösen.

Verpackungen als Marketing

Verpackungen schützen jedoch nicht nur, sondern sollen Aufmerksamkeit erregen, zum Kauf verführen und sie sind emotionaler Teil des Marketings. Die Ansprüche der Verbraucher laufen hier jeglichem Umweltschutz-Gedanken zuwider. Einzigartigkeit, Auffälligkeit, Farbgebung – das sind gute Verkaufsargumente. Die Verpackung bei diesen Ansprüchen wirklich nachhaltig zu produzieren und zu gestalten, ist dann schon fast eine Kunst. Aufwendig designte Verpackungen erhöhen die Entwicklungs- und Produktionskosten und belasten die Umwelt. Hochwertige Kosmetikverpackungen die im High-End-Bereich nachgefragt werden, sind aber kaum materialsparend zu realisieren. Um hier noch nachhaltig und ressourcenschonend produzieren zu können, sind sehr spezifische Lösungen gefragt.

 

Messefakten

Interpack 2014

Termin: 08. bis 14. Mai 2014
Ort: Messe Düsseldorf,
Stockumer Kirchstraße
Öffnungszeiten: täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
Eintrittspreise: Tageskarte
online im Vorverkauf 49,- EUR (Tageskasse: 60,- EUR).
Schüler, Studenten und
Auszubildende 13,- EUR
an der Tageskasse.
Drei-Tages-Karte online
im Vorverkauf 99,- EUR
(Tageskasse: 120,- EUR)

Autor

Über den Autor

Christine Koblmiller ist Redakteurin bei Plastverarbeiter. christine.koblmiller@huethig.de