Seitdem Hersteller erstmalig Kunststoffe im Fahrzeugbau eingesetzt haben, ist kein Automobil mehr ohne den Einsatz des Werkstoffes denkbar. Der Anteil an Kunststoffen steigt immer weiter an und liegt mittlerweile bei etwa 12 bis 15 Prozent. Das bedeutet nicht nur Gewichtsreduzierung und damit Kraftstoffeinsparung, sondern häufig auch geringere Produktionskosten im Vergleich zu Metallen. Laut Hartmut Häberle von MAN Truck & Bus wird vor allem, in den Bereichen Chassis, Triebstrang sowie Fahrgestell und Motor der Kunststoffeinsatz weiter zunehmen. Daher ist eine Herausforderungen des Marktes vor allem Metallersatz sowie Class A-fähige Oberflächen für Faserverbunde weiterzuentwickeln. Der internationale Kongress „Kunststoffe im Automobilbau“ am 2. und 3. April 2014 in Mannheim thematisiert den Metallersatz im Bereich der technischen Teile.

Thema Oberflächen und Metallersatz

Aber hier erörtern Experten auch, wie man die steigenden technischen und ökonomischen Anforderungen an das Automobil der Zukunft besser erfüllen kann. Anja Jäschke von Audi sieht im intelligenten Materialmix ein zentrales Thema der Automobilindustrie. „Der richtige Werkstoff am richtigen Ort in der richtigen Menge“, beschreibt sie es. In Zukunft müssten Hersteller den gesamten Lebenszyklus des Autos hinsichtlich der Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Fahrzeugeffizienz betrachten. Nur so lässt sich durch leichtere Fahrzeugstrukturen der Verbrauch reduzieren und die CO2-Bilanz verbessern.
Die Effizienz eines Fahrzeuges mithilfe einer konsequenten Leichtbauweise zu steigern, ist bereits seit mehreren Jahren ein Entwicklungstrend der Automobilindustrie. Der Porsche 918 Spyder ist ein Beleg, dass sich dieser Grundsatz auch in einem als Plug-in-Hybrid konzipierten Supersportwagen verwirklichen lässt. Martin Schromm von Porsche präsentiert in seinem Vortrag das Fahrzeugkonzept und die CFK-Struktur des Rolling Chassis: Monocoque und Aggregateträger sind vollständig aus CFK gefertigt.

Aber auch neue Methoden und optimierte Verfahren der Oberflächenveredelung zählen zu den Themen des Kongresses. Dirk Kieslich von Gerhardi Kunststofftechnik stellt technische Möglichkeiten vor, beleuchtete Bauteile im Fahrzeuginterieur in Kombination mit Chrom- oder metalloptischen Oberflächen abzubilden. Neben den Personenkraftwagen spielt der Leichtbau auch für Nutzfahrzeuge eine entscheidende Rolle. Hartmut Häberle von MAN Truck & Bus diskutiert den Einsatz von Kunststoffen in der Nutzfahrzeugbranche und geht auf Strukturbauteile und Kostenpotenziale ein.

Als weiteren Trend hinsichtlich neuer Anwendungen und Technologien in der Automobilindustrie sieht man die Herausforderung, wie sich Fertigungstoleranzen reduzieren lassen und Reproduzierbarkeit über vollautomatische Prozesse erreicht wird. Dabei spielen vor allem auch Technologien zum Recycling eine entscheidende Rolle. Die vollautomatische Fertigungszelle ist somit auch Thema des Kongresses in Mannheim.

Technologische Lösungen zeigen

Technologische Lösungen können sich die etwa 1.300 erwarteten Experten auf der Fachausstellung ansehen. Leichtbau wird einen Schwerpunkt der Präsentation des Spritzgieß-Maschinenherstellers Engel auf der VDI-Veranstaltung bilden. Der Rohstoffhersteller Lanxess präsentiert in Mannheim Hightech-Lösungen auf Basis der Polyamide Durethan und Polyester Pocan, die einen Beitrag zu deren Nachhaltigkeit leisten. Das Unternehmen 3M hat die Glashohlkugel-Technologie in den vergangenen Jahren vorangetrieben und die Mikroglashohlkugel ermöglichen es, Kunststoff-Compounds mit niedriger Dichte herzustellen.

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Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de