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„Die Förderung von Biokunststoffen einschränken.“  Ende 2013 geisterte eine Meldung des EU-Umweltausschusses mit diesem Titel durch die Presselandschaft. Was war gemeint? Wollte der Ausschuss Kunststofferzeugnisse vom Markt nehmen oder bezog sich der Entwurf nur auf Kunststofftüten? Die Formu­lierung „Products“ brachte die Kunststoffrecycler jedenfalls in Aufruhr. Ein Verbot von Kunststofferzeugnissen wäre dem Aus der Kunststoffherstellung und damit des Recyclings gleichgekommen.

Zwischenzeitlich wurde das Wort Products gegen Bags ausgetauscht. Dennoch bleiben bei dem Entwurf für eine europäische Strategie für Kunststoffabfälle Bedenken. Zum einen im Hinblick auf die vorgesehene Förderung von Biokunststoffen, zum anderen auf die Auswirkungen auf etablierte Recyclingprozesse.

Die Kunststoffwissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema biologisch abbaubare Kunststoffe. Also Kunststoffe, deren Molekülgerüst durch Umwelteinflüsse wie Sonnenlicht, Feuchte oder Mikroorganismen zerlegt und abgebaut wird. Der Einsatz ist allerdings nicht in allen Anwendungsbereichen möglich. Die Chance für das Recycling. Doch ein großes Problem beim Kunststoffrecycling sind die vielen unterschiedlichen Kunststoffe und Additive.

Deshalb ist es manchmal günstiger, die Abfälle in einer anderen Weise zu verarbeiten, zum Beispiel als Füllmittel oder durch Verbrennen mit Energierückgewinnung. Zwar wurden mehrere Konzepte zum Verbessern des Recyclings entwickelt, die dazu führen, dass sich das Recyklat für hochwertige Anwendungen einsetzen lässt. Doch sie sind noch nicht reif für den kommer­ziellen Einsatz. Bei der rohstofflichen Verwertung werden die Kunst­stoffe chemisch oder thermisch aufgespalten, sodass Erdöl entsteht. Allerdings verbraucht der erneute Kunststoff-Herstellungsprozess 50 Prozent des Erdöls als Energie. Da kann man kaum von Kreislauf reden. Ob Biokunststoff oder/und Recycling, die nächsten Jahre werden zeigen, ­wohin die Reise geht.

 

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Harald Wollstadt