Lawal Kunststoffe in Langenau ist ein Familienunternehmen mit 40 festen und freien Mitarbeitern. Das Kerngeschäft des mittelständisch strukturierten kunststoffverarbeitenden Betriebes ist das Spritzgießen. Von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zu der Größe eines DIN A4 Blattes werden Kunststoffteile im Gewichtsbereich von 0,2 bis 850 Gramm produziert. Seit der Gründung 1970 setzt man auf stetiges Wachstum und innovative Technologien.

Hauptsächlich bedient man Märkte wie die Sportartikel-Industrie, die Bauindustrie und die Medizintechnik. Nur ein kleiner Anteil der produzierten Produkte geht in die Automobilindustrie. Wie Geschäftsführer Rolf Schaupp betont, ist man in der glücklichen Lage, dass die Automobilindustrie nur einen geringen Anteil am Geschäft ausmacht. Ein interessanter Markt ist die Sportartikel-Industrie, welche man schon seit 10 Jahre begleitet. „Man glaubt es nicht, was dort an Kunststoffteilen verbaut wird, aber man sollte nicht unterschätzen, welche Tücken in diesem Markt vorherrschen. Da die Produkte weltweit vertrieben werden, ist die Thematik Haftung und alles, was dahinter steckt, eine komplexe Geschichte,“ gibt er zu Bedenken. Ein anderes Standbein ist die Serien-Produktion von sogenannten Schutzelementen. Diese sind eine Eigenentwicklung und werden als Katalogware über das Internet vertrieben. Abnehmer ist in erster Linie der Maschinenbau. Über 2.000 verschiedene Größen und Formen hat man im Angebot.

Darunter sind auch Stopfen, die als Transport- oder Lackierschutz eingesetzt werden. Das sind Stückzahlen im Millionenbereich, da es sich um nicht wieder verwendbare Stopfen handelt. Dank diesem Mengengeschäft, sind die 17 Spritzguss-Maschinen, mit Schließkräften von 35 bis 250 Tonnen, oft rund um die Uhr im Einsatz. Gearbeitet wird im 3-Schicht-Betrieb. „In der Saisonzeit sind wir oft auch 7 Tage ausgelastet. Das bedeutet, dass unsere Maschinen im Normalfall gut ausgelastet sind,“ so Geschäftsführer Schaupp. Neben der Produktion übernimmt man auch Konfektionierungen und die Montage von Baugruppen. Bei größeren Stückzahlen kommen teilautomatische Systeme oder Vollautomaten zum Einsatz. Die für die Montage notwendigen Teile beschaffen das Langenauer Unternehmen entweder selbst oder setzt kundenbeigestellte Teile ein.

Ein drittes Standbein sind Spritzguss-Werkzeuge aus Asien, die über den kunststoffverarbeitenden Betrieb vertrieben werden. Dafür wurde extra eine Lieferantenstruktur aufgebaut, zudem ist man mehrmals im Jahr vor Ort und betreut die Projekte. „Das ist mittlerweile ein eigenes Standbein geworden,“ weist Herr Schaupp hin. „Wir haben früher mit einem großen Mix an deutschen und asiatischen Werkzeugbauern zusammen gearbeitet. Der Anteil von Werkzeugen aus Deutschland ist aber über die Jahre geringer geworden.“ Aber man muss auch einen enormen Aufwand betreiben, denn die Asiaten haben eine ganz andere Denkweise. Alles, was man nicht spezifiziert, erhält man auch nicht. Und alles, was man nicht kontrolliert, kann hinterher zum Problem werden. Das Hauptgeschäft von Lawal ist aber das Spritzgießen.“

Investition mit Weitsicht

Das Durchschnittsalter der Maschinen bei Lawal liegt gerade einmal bei 6,5 Jahren. Das ist relativ jung gegenüber dem Branchenschnitt. Aufgrund der guten Auslastung und da man viele sogenannte Schnellläufer hat, möchte man in Punkto Maschinentechnik auf dem neuesten Stand sein. „Generell versuchen wir jedes Jahr eine Maschine auszutauschen,“ erklärt Schaupp. Überwiegend sind die Maschinen voll automatisiert mit Entnahmegeräten, sodass auch hochkavitätige Werkzeuge betrieben werden können. Zum Einsatz kommen Spritzguss-Maschinen von drei verschiedenen Herstellern. Seit 2 Jahren auch vornehmlich Engel Spritzguss-Maschinen.

Den Anfang machten zwei Engel Victory-Maschinen. Der Grund dafür war die holmlose Schließeinheit. Für die Holmlostechnik sprach klar der Platzvorteil. „Wir haben Werkzeuge eingebaut, welche auf einer Standard-Maschine gleicher Schließkraft nicht mehr passen, weil die Holme im Weg sind. Die Holmlostechnik hilft unseren Einrichtern und reduziert die Rüstkosten“, so Schaupp und führt fort: „Dann ist da noch ein anderes großes Thema: Die Energiekosten. Wir haben gemessen, dass bereits die Standard-Maschinen von Engel 40 bis 50 Prozent weniger Energie verbrauchen als andere. Jeder weiß, was gerade mit den Energiekosten in Deutschland passiert. Allein ein kleiner Betrieb wie der unsere muss über 60 bis 70 Tsd. EUR im Jahr mehr an EEG-Umlage und Netzumlage zahlen. Und deshalb ist für uns die Energieeffizienz ein weiteres wichtiges Kaufkriterium.

Formteilqualität mit Softwareunterstützung

Anfang 2013 erweiterten schließlich zwei vollelektrische Engel E-mac Maschinen mit 50-Tonnen Schließkraft den Maschinepark in Langenau. Sie finden Einsatz vor allem für die Herstellung der filigranen und sehr dünnwandigen Abdeck- und Schutzkappen. „Seit Inbetriebnahme der E-mac Maschinen haben wir bei diesen Produkten keinen Ausschuss mehr“, betont Schaupp. Ein weiterer Pluspunkt ist die Zykluszeitersparnis. „Bei allen Werkzeugen können wir um 20 bis 30 Prozent schneller produzieren. Einen großen Anteil haben hieran die Parallelbewegungen der Elektromotoren. Die Bewegungen sind so fein, dass auch beim Auswerfen keine Teile mehr beschädigt werden.“

Zur Steigerung der Produktqualität spielt außerdem iQ Weight Control eine Rolle. Lawal gehört zu den ersten Anwendern dieser neuen Software von Engel. Schuss für Schuss Formteile mit konstant hoher Qualität zu fertigen, ist das Ziel jedes Spritzgießers. Eine präzise arbeitende Spritzgießmaschine reicht allein aber oft nicht aus. Auch Schwankungen der Umgebungsbedingungen oder im Rohmaterial sowie Verschleiß am Werkzeug haben Einfluss und können ein manuelles Nachjustieren der Parameter erforderlich machen. Die weit verbreitete Überwachung einzelner Schneckenpositionen liefert nur bedingt eine Aussage über die zu erwartende Formteilqualität.

Zur Optimierung der Prozesskonstanz hat Engel deshalb iQ Weight Control entwickelt und zum Patent angemeldet. Die Software analysiert während des Einspritzvorgangs in Echtzeit den Druckverlauf über der Schneckenposition und vergleicht die Messwerte online mit einem Referenzzyklus. Auf dieser Basis berechnet das System aussagekräftigere Prozessparameter, wie die unmittelbar Schwankungen der Schmelzemenge und der Materialviskosität – die zwei wichtigsten Einflussfaktoren auf die Formteilqualität. Bei Abweichungen von den Sollwerten werden die relevanten Prozessparameter noch im selben Schuss nachgeregelt. Die Software, die für Maschinen mit elektrischen Spritzaggregaten von Engel angeboten wird, ist in die CC 200-Steuerung integriert und auf allen Maschinen nachrüstbar. „Viel bringt dieses Softwaresystem im Speziellen dort, wo man dünnwandige Teile hat. Bei dickwandigen Teilen kann man das über Nachdruck ausregeln. Längerer oder höherer Nachdruck kann die Einfallstellen oder Fehlstellen ausgleichen, dies funktioniert bei filigranen Dünnwandprodukten aber nicht mehr“, resümiert Schaupp.

Beim Entscheidungsprozess für die Anschaffung neuer Maschinen sollte man sich auch im Klaren sein, wo man hin will, gibt Rolf Schaupp zu bedenken. Sicher steht der technische Eindruck des Maschinenparks im Vordergrund, aber man sollte auch die Mitarbeiter mit einbeziehen. Denn die Leute müssen mit den Maschinen arbeiten und sie beherrschen, und vor allem müssen sie gern damit arbeiten. Das ist eine wichtige Geschichte für den Geschäftsführer von Lawal. Dazu gehört auch eine gute Schulung. „Im Vorfeld wurde immer behauptet, dass der Umstieg auf eine vollelektrische Spritzguss-Maschine, wie ein Schritt in eine ganz andere Welt wäre. Ich muss sagen, das war es nicht. Alle Mitarbeiter von uns sind gut ausgebildet, auch auf die Funktion der Software iQ weight control und das Ansteuern der Separierweiche. Schön war, dass wir mit der Simulation Virtmold ein bisschen spielen und das erste Werkzeug am PC fahren konnten.“

Das Trainingsangebot ein fester Bestandteil der Systemphilosophie von Engel. In den weltweiten Trainingszentren bietet der Spritzgieß-Maschinenbauer und Automatisierungsexperte Seminare und Workshops an, die jedes Jahr von mehr als 3.000 Teilnehmern besucht werden.

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Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur des Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de