Bild

Bernecker & Rainer, das ist für Frank Winter seit 30 Jahren „Perfection in Automation“. Von Beginn an war er der Vertreter des oberösterreichischen Unternehmens in Deutschland und Geschäftsführer der deutschen B & R-Niederlassung in Bad Homburg. „Innovation ist und bleibt unser Wachstumsmotor“, bekennt Winter. Natürlich braucht jedes Unternehmen eine ordentliche Vertriebsorganisiation und natürlich auch das Vertrauen seiner Kunden. Aber in den unterschiedlichen Märkten liegen die Wachstumsmöglichkeiten nicht einfach so auf der Straße. „Wenn sie den einen Kunden haben, dann schließt sich der andere in diesem Segment aus“, so lehrt die Erfahrung. Technologien werden nämlich nicht einfach so gewechselt, da gehört auch eine große Portion Überzeugung dazu. Mitte 2012, hatte das Unternehmen die weitreichende Durchgängigkeit des Prozessleitsystems Aprol von der Projektierung bis zur Feldgeräte-Ebene vorgestellt. Frank Winter betont: „Die Endkunden treffen letztlich die Entscheidung, welche Automationskomponenten eingesetzt werden. Wir sind dank Aprol aufgestellt“.

Der Leistungsüberwachung und damit der Steigerung der Energieeffizienz in Industrieanlagen dient die sowohl in Aprol serienmäßig integrierte als auch separat verfügbare Energiemonitoring-Lösung Enmon. Damit wird die Einhaltung der ISO 50001 als Nachfolge zur EN 16001 erleichtert. Ihren gebrauchsfertigen Funktionen stehen zur Auswertung die Signale des ebenfalls neuen Energie-Messmoduls X20AP zur Verfügung, das Spannungen, Ströme, Frequenzen und Blindanteile auf allen Phasen misst. Dieses gehört zur Modulfamilie X20 von B & R, deren Einsatz auch im Maschinenbau mit seinen deutlich höheren Stückzahlen auch dem Anlagenbau eine kleinteilige Modularität und hohe Kosteneffizienz bringt. Ebenfalls erweitert wurde die Palette der Produkte für das feldbusunabhängige sicherheitsgerichtete Übertragungsprotokoll Open Safety, das sich als weltweiter Standard IEC 61784-3 FSCP 13 in der Maschinen- und Prozessautomation immer mehr durchsetzt.

Condition Monitoring eine neue Wartungsstrategie

Dass Stillstandzeiten richtig ins Geld gehen, weiß man natürlich nach 30 Jahren engster Verflechtungen im Kunststoffmarkt nur zu gut. Bislang hatte B & R aber den Aussagen zufolge keine geeignete Hardware zur Hand, um in Sachen Condition Monitoring dem Markt eine zielführende Lösung anzubieten. Jetzt aber schon: „Messen, Auswerten, Kommunizieren – alles in einem Modul. Also eine kompakte All-in-one-Lösung.“

Stehzeiten möglichst zu minimieren und – etwa für unvermeidliche Wartungseingriffe – gut geplant herbeizuführen, ist das Ziel verantwortungsbewusster Maschinenbetreiber, die beim Kauf neuer Maschinen nicht nur deren Anschaffungskosten, sondern die kumulierten Kosten über die gesamte Nutzungsdauer betrachten. Dies erfordert ein Überdenken der klassischen Wartungsstrategien.

Hier setzt B & R nun an: Das Optimieren des Verhältnisses von Maschinenverfügbarkeit und Wartungskosten gelingt am besten durch den Ersatz fixer Wartungsintervalle durch ma-schinenzustandsabhängige, vorausschauende Wartung. Sie wird eingeplant, wenn Anzeichen von Abnutzung auf die bevorstehende Notwendigkeit eines Eingriffs hindeuten. Ihr Vorteil ist, dass mit den Wartungsarbeiten bis zu einem Zeitpunkt nahe dem tatsächlichen Ende der Nutzungsdauer der betroffenen Komponente zugewartet werden kann. Dieses tritt meist wesentlich später ein als zum vorsichtig angesetzten Wartungsintervall. Dabei bleibt die Planbarkeit erhalten, denn die erforderlichen Arbeiten können im Rahmen einer ohnehin stattfindenden Betriebspause durchgeführt werden. Minimiert wird das Lagerrisiko für Ersatzteile, denn es genügt, ausschließlich betroffene Komponenten zu beschaffen. Ausfälle durch Wartungsversäumnis werden andererseits zuverlässig vermieden.

Dazu ist es nötig, permanent den Zustand der Gesamtmaschine zu überwachen und aus den mittels Condition Monitoring gewonnenen Informationen Rückschlüsse auf die Wartungsbedürftigkeit der betroffenen Teile zu ziehen. „Dies kann durch die Auswertung unterschiedlichster einfacher Signale oder Messgrößen wie Temperatur oder Druck erfolgen, die mit X20- oder X67 IO-Baugruppen erfasst werden“, so Winter. Zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Signalaufnahme für die Zustandsüberwachung sind integraler Bestandteil der Automatisierungssysteme.

So werden die Motorüberwachungsfunktionen der Acopos Servoverstärker ebenso zu diesem Zweck verwendet wie die Automation PC von B & R. Neueste Ergänzung dieses Angebotes ist ein Modul aus der X20-Familie zur Vibrationsanalyse.

Die Sensorik zur Aufnahme der Si-gnale sei zwar wichtig, aber für sich genommen noch nicht ausreichend. Entscheidend dafür, dass Wartungspausen zum Komponententausch rechtzeitig, aber auch nicht zu früh angesetzt werden, sei die Interpretation der aufgenommenen Muster. Nur damit könne der Rückschluss auf die Wartungsnotwendigkeit gezogen werden. Das ist der Grund dafür, dass Condition Monitoring – an sich ja seit Jahrzehnten bekannt – in den klassischen Maschinenbau nur zögerlich Einzug hielt.

Die fortschreitende Miniaturisierung in der Mikroelektronik ermöglicht es, die bisher benötigte teure Außenbeschaltung einzusparen. Das derzeit bei ausgewählten Pilotkunden im Einsatz befindliche Condition Monitoring Modul X20CM4810 verarbeitet die abgetasteten Signale aus den Beschleunigungssensoren zu mehr als 70 Kennwerten. „Das versetzt Maschinenbauer erstmals in die Lage, permanente Zustandsüberwachung nicht mehr nur als aufpreispflichtige Option anzubieten, sondern in den Standard zu integrieren“, berichtet Frank Winter. Damit können Maschinenbauer mit deutlich geringerem kalkulatorischem Risiko als bisher eine Verfügbarkeitsgarantie abgeben.

Autor

Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de