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Thorsten Kühmann,
Geschäftsführer Fachverband Kunststoff- und
Gummimaschinen

Die K setzt Maßstäbe für die technologische Vielfalt.
Nirgendwo anders findet sich eine vergleichbare Dichte und Anzahl an Exponaten.

 

Herr Kühmann, Ihr VDMA Fachverband kann mit der aktuellen Position 2 mit 22,3 Prozent an der Weltproduktion stolz sein. Gibt es mittelfristig Chancen, den ersten Platz zu erreichen?

Thorsten Kühmann Das ist eher unwahrscheinlich, weil China als weltweit größtes Produktionsland für Kunststoff- und Gummimaschinen von der enormen Binnennachfrage profitiert und eine weitaus größere Unternehmenszahl vorweisen kann. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die deutsche Produktion allein seit 2007 fünf Mal einen Produktionsrekord aufgestellt hat und ihren Weltmarktanteil stabil halten konnte. Ebenso wichtig ist, dass Deutschland mit weitem Abstand Exportweltmeister ist und deutsche Maschinen nahezu in jedem Markt oben bei Lieferungen rangieren.

Wie ist das erste Halbjahr vor der K Messe für Ihre Branche verlaufen?

Thorsten Kühmann Die Bestellungen für deutsche Kunststoff- und Gummimaschinen haben im zweiten Quartal 2013 um 14 Prozent zugelegt. Zwar errechnet sich für das gesamte erste Halbjahr noch ein Rückgang von sechs Prozent, doch freut sich die Branche nach einem Jahr mit Minusvorzeichen darüber, dass die Auftragseingänge der letzten drei Monate wieder Zuwachsraten auswiesen. Die Umsätze des Fachzweigs erreichten im ersten Halbjahr 2013 das Niveau des Vorjahres; im zweiten Quartal stiegen sie um sechs Prozent. Auch die Auslandslieferungen der Branche haben im Zeitraum Januar bis Mai 2013 wieder das Vorjahresniveau erreicht. Die Minusraten sind im Jahresverlauf kontinuierlich geringer geworden. In den Monaten März bis Mai legten die Auslandslieferungen um 9,7 Prozent zu. Dabei setzte sich die erfreuliche Aufwärtsentwicklung bei den Exporten nach Russland und in die USA fort, aber auch China, Indien und die Türkei wiesen in diesem Zeitraum kräftige Zuwachsraten aus.

Welche Branche sind aktuell für die Kunststoff- und Gummiindustrie die treibenden Kräfte? Und wie sehen die Anteile aus?

Thorsten Kühmann Die wichtigsten Abnehmerbereiche der Branche sind die Verpackungs-, die Automobil- und die Bauindustrie sowie Elektrotechnik und Elektronik. Die genannten Anwendungen haben unterschiedliche Gewichtungen im Spritzgießen, in der Extrusion, bei Blasformmaschinen und den Thermoformmaschinen und ihre Bedeutung weichen auch innerhalb dieser Segmente bei den einzelnen Herstellerfirmen voneinander ab.

Hinzu kommen spezifisch regionale Entwicklungen. Für den Kunststoff- und Gummimaschinenbau werden können deshalb keine prozentualen Anteile der wichtigen Anwendungen ausgewiesen werden. Beispiele für treibende Kräfte sind Spezialanwendungen im Mehrschichtbereich in der Verpackung, Leichtbau und damit verbunden Energie- und Ressourcen-Effizienz in der Automobilindustrie. Die Medizintechnik spielt eine wichtiger werdende Rolle, nicht nur in den USA, Japan und Europa, sondern zunehmend in ganz Asien. Vor allem in China zeigt sich der Trend – über einzelne Anwendungen hinweg – zu mehr Langlebigkeit und besserer Qualität, die Nachfrage nach technischen Lösungen und Hochleistungsmaschinen nimmt zu.

Der Automobilsektor ist für die Kunststoffverarbeitende Industrie besonders wichtig. Was sind aus ihrer Sicht die Anforderungen in den nächsten Jahren?

Thorsten Kühmann Bei weiterhin zunehmendem Kunststoffeinsatz im Automobilbereich wachsen die Anforderungen an Werkstoff und Verarbeitung. Insbesondere für Hybrid- und Elektrofahrzeuge sind in den kommenden Jahren Leichtbaukonzepte basierend auf Multimateriallösungen gefragt. Es gilt, beispielsweise Kunststoff- und Metallkomponenten direkt in serientauglichen Fertigungsprozessen zu Bauteilen mit hohen Oberflächenqualitäten zu verarbeiten. Damit verbunden ist der Trend zur Integration funktionaler Eigenschaften und der vermehrte Einsatz thermoplastischer Kunststoffe auch in Strukturbauteilen.

Welche Rolle spielt in der Automobilindustrie das Thema CFK?

Thorsten Kühmann Der automobile Leichtbau setzt u. a. auf carbonfaserverstärkte Kunststoffe. BMW hat hier mit dem CFK-Karosseriebau in größeren Stückzahlen eine erste Benchmark gesetzt. Auf dem Weg zur konkurrenzfähigen Fertigung in Serie sind allerdings noch massive Hürden in der Optimierung von Produktionsprozessen zu nehmen. Neue Kooperationskonzepte sind gefragt, sodass die Prozesskette hier enger zusammenrücken kann.

Kommen wir zu K. Mit welchen Erwartungen blickt die Branche nach Düsseldorf?

Thorsten Kühmann Die K bildet wie keine andere Branchenmesse das Marktgeschehen weltweit ab. Sie setzt Maßstäbe für die technologische Vielfalt – nirgendwo anders findet sich eine vergleichbare Dichte und Anzahl an Exponaten. Die Anzahl der Fachbesucher, etwa 220.000 mit einem Auslandsanteil von cirka 60 Prozent aus über 100 Ländern unterstreicht dies. Das ist für den exportorientierten deutschen Maschinenbau eine riesige Chance und deshalb blickt die Branche erwartungsvoll und zuversichtlich auf die K 2013.

Welche Neuigkeiten gibt es von der Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence?

Thorsten Kühmann VDMA-weit sind mittlerweile sind schon fast 400 Mitglieder dieser Initiative beigetreten. Im Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen sind es 55. Damit ist unsere Branche im deutschen Maschinen- und Anlagenbau Vorreiter in Sachen Umweltschutz, Ressourcenschonung und effizientes Wirtschaften.

Natürlich wird Blue Competence auch auf der K 2013 eine große Rolle spielen. Viele Partnerunternehmen werden die Gelegenheit nutzen an konkreten Beispielen zu zeigen, wo sie mit ressourcen- und umweltschonenden Technologien punkten können. Gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen und Partnern aus der Kunststoffverarbeitung werden wir auf einem Stand in der Düsseldorfer Innenstadt „Das blaue Pferd“ produzieren. Wir möchten damit auch der breiten Öffentlichkeit zeigen, dass der Kunststoff- und Gummimaschinenbau einen großen Beitrag dazu leistet, Energie und wertvolle Rohstoffe zu sparen.

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Redaktion PV