Einen Vorgeschmack auf das Messe-Highlight K 2013 in Düsseldorf, gaben im Rahmen einer Pressekonferenz Anfang Juli die Unternehmen Lanxess, Reifenhäuser, Haitian, Kreyenborg, Kistler oder Battenfeld Cincinnati. Die Vielfalt der Aussteller repräsentiert die gesamte Wertschöpfungskette und Unternehmen vom Global Player bis zum mittelständischen Kunststoffverarbeiter, erläuterte Werner M. Dornscheidt, CEO der Messe Düsseldorf. Der Fokus der Messe dürfte 2013 auf den alles dominierenden Themenbereichen Energie- und Produktionseffizienz liegen. Die Zahl der Ausstellerbuchungen aus Asien sind im Vergleich zur letzten Messe 2010 bezeichnenderweise gestiegen.

Fokus auf ACE-Technologie und Wachstumsmärkte

Um die Fülle der neuen Produkte und Verfahren, hatte die Messe 2010 den „Innovation Compass“ initiert. Für 2013 hat der Innovationskreis, bestehend aus Vertretern des Ausstellerbeirates und der Messe Düsseldorf sowie dem Wissenschaftlichen Rat der Messe, die Leitthemen des „Innovation Compass“ neu definiert und die Suchmatrix für Neuheiten angepasst. So ist es bereits im September möglich, gezielt diejenigen Aussteller zu identifizieren, die in klar definierten Anwendungsbereichen verbesserte oder grundlegend veränderte Produkte und Verfahren präsentieren. Den Fachbesuchern wird es dadurch möglich, den Aufenthalt in den Messehallen individuell vorzubereiten und die Besuchszeit optimal zu nutzen.

Lanxess stellt auf der Messe Lösungen für die grüne Mobilität in den Fokus des Messeauftritts. „Weltweit sind mehr als eine Milliarde Autos unterwegs, 2050 werden es voraussichtlich 2,5 Milliarden sein. Nachhaltige Mobilität wird daher zum globalen Megatrend. Lanxess ist schon heute mit vielen Produkten und Technologien in puncto grüner Mobilität wegweisend“, so Dr. Werner Breuers, Mitglied im Vorstand von Lanxess, Köln. So setzt man den Schwerpunkt unter anderem auf Hochleistungskautschuke und Kautschukchemikalien für rollwiderstandsarme grüne Reifen, Hightech-Thermoplaste für den Leichtbau und auf Kautschuke auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Im Geschäft mit den Ethylen-Propylen-Hochleistungselastomeren (EPDM) Keltan spielt die innovative ACE-Technologie, mit der EPDM chlorfrei und hochrein hergestellt und seine Zusammensetzung bis ins Detail kontrolliert werden kann, eine zentrale Rolle. „Sieben Varianten des EPDM-Portfolios verdanken der ACE-Technologie inzwischen ihre Performance. Außerdem können wir unser Portfolio mit ihr um neue EPDM-Typen erweitern“, so Dr. Torsten Derr, Leiter der Business Unit Keltan Elastomers. Zu deren Investitionen zählt auch das EPDM-Werk in Changzhou in China mit einer Jahreskapazität von bis zu 160.000 Tonnen. Die Produktion soll ab dem Jahr 2015 starten.

Die Business Unit High Performance Materials (HPM) will auf der Messe ihre Stellung im Leichtbau von Automobilen mit den Hightech-Polyamiden und -Polyestern Durethan oder Pocan herausstellen. Diese Position wurde kürzlich noch einmal durch die Akquisition von Bond-Laminates – mit TEPEX ein Hersteller und Anbieter Endlosfaser-verstärkter, thermoplastischer Hochleistungsverbunde, gestärkt.

Veränderungen bei Haitian

Der chinesische Hersteller von Spritzgieß-Maschinen Haitian International gab den Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung bekannt. So wird bei der deutschen Tochtergesellschaft Zhafir Plastics Machinery, Ebermannsdorf, Professor h.c. Helmar Franz das Ruder für das operative Management an Steffen Franz und Zhang Bin weitergegeben.
Desweiteren wird im chinesischen Chunxiao bei Ningbo ein neues, Werk zur Produktion vollelektrischer Maschinen errichtet. Geplant ist hier laut Franz, die Produktion von bis zu 10.000 Maschinen im Jahr. „Wir gehen davon aus, dass in Zukunft alle Maschinen mit weniger als 5.000 kN Schließkraft im Standard komplett vollelektrisch sein werden. Darüber wird es in Zukunft nur noch Zwei-Platten-Maschinen geben“, sagte Franz im Rahmen der Pressekonferenz in Düsseldorf. Im zweiten neuen Werk in Yanshan/Ningbo, werden daher Großmaschinen entstehen.

Auf der Messe wird die 5.500 kN Jupiter II Weltpremiere haben. „Wir haben die Maschine von Grund auf überarbeitet, Design wirkt nun aufgeräumter, technische Schwächen wurden ausgemerzt, neue Schließkraft-Klassen kommen hinzu. Die Jupiter II hat sicher den größten Entwicklungsschritt aller Serien gemacht“ sagt Mr. Fu Nanhong, Entwicklungschef bei Haitian International. Die Jupiter ist deutlich stabiler, überzeugt durch schnelle reibungslose Werkzeugbewegungen, energiesparende Antriebe und ist leise im Betrieb und offeriert eine Auswahl von bis zu 6 Einspritzgrößen je Schließeinheit. Auf der Messe wird die Jupiter II 5500/2950, in einer Live-Anwendung gezeigt, mit einem platzsparenden Roboter der Firma Sepro. Produziert wird eine 700g Motorabdeckung mit 2 Kavitäten in 43 s.

Extruder der Zukunft

Zur K 2013 präsentiert die Reifenhäuser Extrusion Technology, ein Tochterunternehmen der Reifenhäuser Gruppe, Troisdorf, eine Einschnecken-Extruder-Zukunftsstudie, die mindestens sechs Jahre in die Zukunft geht. Die Studie zeigt Besuchern, welche Features zukünftig Stand der Technik sein werden. Mit der Zukunftsstudie hat sich das vor allem den Themen Energie, Leistung, Zuverlässigkeit, Wartung, Bedienung und dem sinnvollen Zusammenspiel zwischen Design und Funktionalität angenommen. Dr. Tim Pohl, Geschäftsführer der Reifenhäuser Extrusion Technology, sagt: „Wer führende Technologie anbietet, der muss sich mit der Zukunft beschäftigen und frühzeitig über Technologien nachdenken, die heute vielleicht noch nicht machbar sind, aber aktuellen Trends Rechnung tragen.“ Die Zukunftsstudie wird unter anderem ein neues Plastifizierkonzept namens Energizer zeigen, das den Energieeintrag inimiert und auf eine Zylinderkühlung weitgehend verzichtet. Mit dieser Technologie werden bis zu 20 Grad kältere Schmelzetemperaturen bei gleicher Durchsatzleistung und Schmelzequalität ermöglicht. Damit lässt sich sowohl Energie sparen als auch die Produktionsleistung der kompletten Extrusionsanlage steigern.

Gemeinsam mit Siemens zeigt die Extrusion Technology ein neues Extruders-Antriebskonzept, das die freie Auswahl des Motortyps ermöglicht. Ohne zusätzliche Engineeringaufwendungen werden Kunden zukünftig die Motorschutzklasse und die Motorkühlungsart frei auswählen können. Auf diese Weise kann der Extruder flexible an spezielle Umgebungsbedingungen wie Reinraumatmosphäre angepasst werden. Für den Extruderbau wird die Technologie voraussichtlich ab 2015 auf den Markt kommen. Bei Reifenhäuser wird sie bereits auf der K zu sehen sein. Die Siemens Simogear-Technologie wird mit einem 1PHA8 Motor kombiniert.

Eine weitere Vision ist der Einsatz von Peltier-Elementen zum Kühlen und gezielten Erwärmrn des Nutbuchsen-Bereiches. Peltier-Elemente sind spezielle thermoelektrische Generatoren, bei denen durch Anlegen von Strom eine Temperaturdifferenz erzeugt wird. Durch die Kombination der Elemente mit Lüftungsgebläsen könnte die sonst übliche Wassertemperierung in Nutbuchsen-Extrudern zukünftig komplett entfallen.

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Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter harald.wollstadt@huethig.de