Zahl der Unternehmen: Überraschungen

2010, das letzte Jahr, für welches Daten vorliegen, gab es 68.348 Unternehmen in der EU. Eine faustdicke Überraschung ist, dass Italien die Nummer eins nach der Anzahl der Unternehmen ist. Dies wurde hier schon mehrfach thematisiert. An der zweiten Stelle mit 15 % ist Polen und hat somit Deutschland verdrängt. Das Vereinigte Königreich, Spanien und Frankreich folgen auf den folgenden Plätzen. Tschechien, historisch schon immer eine Industriebastion, folgt mit 4 %, dahinter Rumänien mit dem gleichem Anteil.

 

Fast 70 Prozent Kleinunternehmen

Von den über 68.300 Unternehmen haben nur 31 % (21.500) mehr als zehn Arbeitnehmer, fast 70 %  beschäftigen weniger Personen. 55 % haben sogar weniger als fünf Arbeitnehmer oder sind Unternehmen, in denen nur der oder die Betriebsinhaber nebst mithelfenden Familienangehörigen arbeiten (26 %). Dies relativiert die Zahl von über 68.000 Unternehmen etwas. Grund für die Vielzahl der Klein- und Kleinstunternehmen ist die hohe Gründungsbereitschaft vor allem, aber nicht nur, in den osteuropäischen Staaten.

 

Größere Unternehmen

Bei den ca. 21.500 Unternehmen mit mehr als neun beschäftigten Arbeitnehmern sieht die Verteilung anders aus. Mit 18 % Anteil führt Deutschland, gefolgt von Italien, dem Vereinigten Königreich und Polen. Frankreich, einst stolze Industrienation, heute weitgehend deindustrialisiert, bevölkerungsmäßig knapp 70 % größer als Polen, folgt erst auf Rang fünf. Spanien, ca. 20 % mehr Einwohner als Polen, liegt bei 8 %, gefolgt von Tschechien mit 4 %. Tschechien hat eine um 77 % geringere Bevölkerung, hat aber halb so viele Unternehmen wie Spanien.

 

Über 1,6 Millionen Beschäftigte

Insgesamt beschäftigten die GuK-Verarbeiter in der EU 2010 mehr als 1,62 Mio. Menschen (inklusive Inhaber). Die Reihenfolge sieht hier etwas anders aus als bei der Betrachtung nach Zahl der Unternehmen. 23 % aller Beschäftigten arbeiten in Deutschland, Frankreichs Anteil liegt bei zwölf, gefolgt von Italien mit 11 % und Polen mit gleichen Anteil. Zweistellig ist der Anteil noch beim Vereinigten Königreich, Spanien kann Tschechien (5 %) mit 6 % nur knapp auf den siebten Rang verweisen.

 

Drastische Unterschiede bei Unternehmensgrößen

Die durchschnittlichen Unternehmensgrößen spreizen von 42 in Deutschland bis zu 17 in Bulgarien. Lediglich Frankreich reicht an die Deutschen heran, danach folgt mit nur noch 28 Beschäftigten Tschechien. Hier manifestiert sich das Erbe der alten Industrietradition, welches auch den Eisernen Vorhang überstanden hat. Italien, Land des regsamen Klein- und Mittelstandes, liegt weit abgeschlagen im hinteren Drittel. Schwierig dort für viele Unternehmen  angesichts der Anforderungen an Internationalisierung zu überleben.

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Winfried Pfenning