Bild

Original und Fälschung – so heißen beliebte Bilderrätsel in Zeitschriften, bei denen der Leser die Unterschiede einer Fälschung zum Original zum Zeitvertreib herausfinden muss. Geht es um gefälschte Produkte, ist die Sache nicht ganz so spaßig: Der Nutzer möchte genau wissen, ob er eine Fälschung oder ein Originalteil in Händen hält – und das, ohne sich die Unterschiede in einer Form Rätselraten herauszufinden. Eine eindeutige Produktkennzeichnung tut also Not.

Produkte gerichtsverwertbar kennzeichnen

Eine eindeutige und gerichtsverwertbare Produktkennzeichnung ist aber auch wichtig, soll eine Behörde davon überzeugt werden, gefälschte Produkte zu beschlagnahmen. Der Zoll an den EU-Außengrenzen ist dabei noch leicht zu überzeugen: letztlich reicht dem Zoll, wenn der Inhaber entsprechender Schutzrechte behauptet, dass die an der EU-Außengrenze aufgehaltenen Produkte ein gewerbliches Schutzrecht (Marke, Geschmacksmuster, Patent oder Gebrauchsmuster, aber auch ein Urheberrecht) verletzen. Auf entsprechenden Antrag hin wird der Zoll diese Produkte der Vernichtung zuführen – auf Kosten des Antragsstellers. Die Gefahr des Schadenersatzes, sollten die Schutzrechte nicht verletzt sein, trägt dabei ebenfalls der Schutzrechtsinhaber, denn der Zoll wird erst nach Vorliegen einer Freistellungserklärung durch den Schutzrechtsinhaber aktiv. Anders sieht es aber aus, soll eine Behörde im Ursprungsland der gefälschten Produkte veranlasst werden, die Produkte zu beschlagnahmen. Eindeutige Erkennungszeichen sind hier Voraussetzungen für einen schnellen Erfolg.

Wie aber soll ein Erkennungszeichen aussehen? Grundsätzlich kann man zwischen offenen und versteckten Erkennungsmerkmalen unterscheiden. Dabei sind die offenen Merkmaüle solche, die in die Öffentlichkeit kommuniziert werden und die idealerweise von einem Kunden ohne großen Aufwand treiben zu müssen, eindeutig verifiziert werden können. Versteckte Merkmale hingegen können nur von Eingeweihten erkannt werden. Klassische offene Merkmale sind beispielsweise Hologramme, während versteckte Merkmale zum Beispiel Dotierungen von Werkstoffen sein können. Offene Merkmale haben den Vorteil, dass der Kunde die Echtheit selbst prüfen kann. Der große Nachteil solcher Merkmale ist aber, dass auch der Fälscher sie kennt. Es sind Fälle bekannt, bei denen der Hologrammhersteller die Merkmale nicht nur an den Originalauftraggeber verkauft hat, sondern auch an den Fälscher. Aber auch verteckte Merkmale wie Werkstoffdotierungen werden gefälscht.

Aus eigener Erfahrung kann von einem Fall berichtet werden, bei dem die Produkte mit einer speziellen, mit seltenen Erden dotierten Druckfarben bedruckt wurden. Dabei reflektieren diese Druckfarben Licht einer bestimmten Wellenlänge in spezieller Form, sodass bei Beleuchtung des Aufdrucks mit einer Vorrichtung wie einem Laserpointer, der die entsprechende Wellenlänge emittiert, vorbestimmte Reflexionen erscheinen. Diese seltenen Erden werden aber auch in China und an-deren Ländern gefunden und auch verarbeitet.

Versteckte Merkmale sind andererseits auch nicht der Weisheit letzter Schluss, denn der Kunde selbst kann sie nicht überprüfen. Und spontane Überprüfungen sind für solche Merkmale üblicherweise nicht möglich. Auch wenn diese eine sehr große Sicherheit bieten, steigt in der Regel mit der Sicherheit auch der Aufwand zur Applikation und Überprüfung. Das geht bis zur Kennzeichnung eines Produkts mit einer DNA, sodass sich die Authentizität nur mit Labormethoden überprüfen lässt. Der Aufwand hierfür dürfte für die meisten Produkte in keinem wirtschaftlich begründbaren Verhältnis zum Wert stehen.

Überprüfung beim Hersteller

Bleibt die Frage übrig, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, eine sichere Kennzeichnung aufzubringen, die der Kunde auslesen und überprüfen kann. Und die moderne IT-Infrastruktur bietet in der Tat entsprechende Möglichkeiten: Die Lösung des Problems liegt in der Trennung des Auslesens und der Überprüfung. Wenn das Auslesen vor Ort durch den Kunden erledigt werden kann und die Verifikation zentral vorgenommen wird, muss das Merkmal nicht so kommuniziert werden, dass es fälschbar ist. Die einfachste Möglichkeit ist, die Produkte mit individuellen Nummern zu versehen, die beispielsweise via Internet überprüft werden können. Dabei kann eine entsprechende Nummer auf der Homepage des Originalherstellers eingegeben werden. Eine Routine überprüft die Nummer mittels einer Datenbank des Herstellers und gibt eine entsprechende Nachricht an den Benutzer zurück. Allerdings können solche Nummern ebenfalls gefälscht werden.

Es könnte eine tatsächlich vorhandene Nummer auf gefälschte Produkte aufgebracht werden – die Überprüfung kann nur ergeben, dass diese Nummer im Nummernkreis des Herstellers vorhanden ist. In einer Ausbauform könnte die Abfrageroutine feststellen, dass diese Nummer auffällig häufig und vielleicht auch innerhalb kürzester Zeit von verschiedenen Orten aus überprüft wird, sodass die Vermutung nahe liegt, dass Fälschungen im Umlauf sind. Handelt es sich aber um eine tatsächlich existierende Originalnummer, kann nicht ausgesagt werden, dass jedes überprüfte Produkt eine Fälschung ist, denn ein Originalprodukt existiert ja mit dieser Nummer. Es sind aber Systeme auf dem Markt, die solche Problem umgehen. Bei einem System werden mittels eines Algorithmus digitale Muster oder Matrixcode erzeugt.

Das digital erzeugte Muster beinhaltet dabei 100 Prozent der Information. Dieser Matricode kann nun vom Originalhersteller auf die Produkte aufgebracht werden. Dabei wird durch die begrenzte Auflösung des Aufbringungsverfahrens ein Informationsverlust feststellbar sein. Ein Kunde kann nun mit einem heute gebräuchlichen Smartphone ein Bild des Musters aufnehmen und via MMS an eine bestimmte, vom Originalhersteller kommunizierte Adresse senden.

Dort wird das Bild mit dem digitalen Original verglichen. Ist der Informationsgehalt oberhalb einer zuvor definierten Schwelle, wird das Teil als Originalteil erkannt und eine entsprechende Nachricht an den Absender des Bildes zurückgeschickt. Ein Fälscher ist nicht in Besitz des digitalen Originals. Auch er müsste den Code von einem Produkt abscannen, wenn er ihn reproduzieren wollte. Bei diesem Abscannvorgang tritt ebenfalls ein Informationsverlust auf.

Anschließend muss der Fälscher das bereits verlustbehaftete Muster auf die gefälschten Produkte aufbringen, wobei erneut auflösungsbedingt ein Informationsverlust auftritt. Wird nun ein solcher Matrixcode von einem Kunden aufgenommen und zur Verifikation an die von dem Originalhersteller kommunizierte Adresse gesendet, so hat das Muster durch den zwei Schritte mehr umfassenden Prozess einen entsprechend größeren Informationsverlust erlitten. Bei Definition einer entsprechenden Akzeptanzschwelle kann der Matrixcode somit als Fälschung identifiziert werden. Die Kosten für dieses Verfahren sind natürlich stückzahlabhängig, bewegen sich aber in deutlich geringeren Größenordnungen als ähnlich sichere Verfahren mit versteckten Merkmalen. Dabei bietet es den zusätzlichen Vorteil, dass ein Kunde die Verifikation durchführen kann, ohne Spezialisten beauftragen zu müssen.

Die Aussage, ob der Kunde ein Originalteil oder eine Fälschung in Händen hält, ist innerhalb kürzester Zeit, eventuell in weniger als 1 Minute, verfügbar. Darüber hinaus ist es ebenfalls möglich, innerhalb kürzester Zeit beispielsweise während einer Razzia in einem Ursprungsland der Fälschung oder bei einem (Zwischen-)Händler vor den örtlichen Behörden einen Beweis für eine Fälschung zu führen.

Autor

Über den Autor

Manfeed Daas, European Patent Attorney, Jostarndt Patentanwalts-AG, Aachen. m.daas@jostarndt.de