Kunststoff bietet nahezu grenzenlose Einsatzmöglichkeiten und hat deshalb in unserem Alltag einen festen Platz eingenommen. Der Mitteldeutsche Kunststoffdialog am 14. bis 15. Mai 2013 bei der Grafe Gruppe in Blankenhain/Weimar bot einen umfassenden Überblick darüber, was dieses Material auch mit der Kunst verbindet. Das Motto der Veranstaltungstage „Design meets function, color makes art“ lockte rund 70 Fachleute aus der Kunststoffindustrie sowie Experten aus Forschung und Design. Eine, im wahrsten Sinne des Wortes, bunte Mischung aus Fachinformationen und inspirierenden Vorträgen, zeigte, dass Kunststoff mehr ist als nur ein Werkstoff.

Dank seiner endlosen Formbarkeit und Färbbarkeit ist Kunststoff die Grundlage für edle Produkte und genießt deshalb auch einen hohen Stellenwert in Kunst und Design. In fachübergreifenden Vorträgen legten Spezialisten aus Forschung und Design sowie zahlreiche Fachleute aus der Kunststoffindustrie neuste Entwicklungsmethoden dar und gingen auf spezielle Anwendungsgebiete und Formen sowie aktuelle Color-Preview ein. In einem Workshop konnten die Gäste anschließend mit Farüben und Kunststoff experimentieren und persönlich erleben, was aus Kunststoff alles entstehen kann. Alle Teilnehmer konnten selbst eine Rezeptur entwickeln, um einen vorgegebenen Farbton möglichst identisch nachzustellen. So war es möglich, Farbgebung aus einer ganz anderen Perspektive zu entdecken.

Die veranstaltende Grafe Gruppe bietet funktionellen Kunststoff-Compounds sowie Farb- und Additiv-Masterbatches. Daneben arbeiten die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen an neuesten Technologien, die den Kunststoff mit intelligenten Funktionen ausstatten. Das Unternehmen vereint in der Grafe Gruppe die drei Geschäftsbereiche: Color Batch, Additiv Batch und Polymer Technik.

Drei Themen im Mittelpunkt

Der erste Tag der zweitägigen Veranstaltung stand im Zeichen des Designs und hier unter anderem der vielfältige Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen sowie nachleuchtenden Pigmenten. Der zweite Tag teilte sich in die Bereiche Color und Function. Im Mittelpunkt standen dabei die aktuellen Farbtrends für das kommende Jahr sowie Neuerungen für Kunststoffe von Morgen. Die Farbgebung gilt vielfach als entscheidender Faktor bei der Qualitätsbeurteilung eines Kunststoffproduktes. Dabei spielen Trends, Kundenwünsche und -ansprüche eine wichtige Rolle.

Mit dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in Kühlgeräten beschäftigten sich Christiane Linke von BSH Bosch & Siemens Hausgeräte, München, sowie Helmut Nägele und Jürgen Pfitzer von Tecnaro, Ilsfeld. Zwar stehen Biopolymere noch am Anfang ihrer Entwicklung, doch haben sie ein vielversprechendes Potenzial, war die zusammenfassende Quintessenz.

Bodennahe Fluchtweg-Markierungen im Flugzeugbau war das Thema des Vortrages von Torben Thiel und Hans-Christian Lierow von der Lufthansa Technik in Hamburg. In Zusammenarbeit mit Grafe hatte man sogenannte Guide U-Leuchtstreifen auf photolumineszenter Basis entwickelt, die ohne Stromversorgung auskommen und den Passagieren den Weg zum Notausgang weisen. Dabei kommen anstelle eines farbigen Filterfilms durchgefärbte Kunststoffprofile aus PC zum Einsatz. Auf diese Weise wird die Auswahl an Farben drastisch erhöht. Hier hatte man an dieser Entwicklung gearbeitet. Lufthansa Technik forscht und produziert nicht nur für die eigenen Flugzeuge sondern auch für knapp 200 andere Airlines. Über die richtige Materialauswahl bei der Produktgestaltung referierte Efrat Friedland von Designaffairs, München.

Der Vormittag zweiten Tages stand unter der Überschrift Color. Peter Kämpf vom Schreibgerätehersteller Schwan-Stabilo Schwanhäußer, Heroldsberg, sprach die verschiedenen Aspekte bei der Farbgebung von Schreibgeräten an. Julia Canzler von Grafe stellte die neusten Farbkreationen des hauseigenen Design-Centers fürs kommende Jahr vor. Filip Roscam von Merck, Darmstadt, beleuchtete in seiner Trendpräsentation verschiedene Farbthemen. Digitales Farbmanagement und die Kommunikation dieser Daten beschrieb Claus-Peter Schweim von Konica Minolta Sensing Europe, München, im letzten Vortrag des Themenblockes Color.

Der Themenblock Function wurde mit einem Vortrag von Christoph Riethmöller vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik eröffnet, der sich mit den künftigen Einsatzmöglichkeiten lichttechnischer Produkte beschäftigte. Die Designerin Marta Depta von Purapur, Weimar, hatte in einer interdisziplinären Recherche die kulturelle Dynamik von Farben untersucht und präsentierte Ihre Ergebnisse in dem Vortrag: Die Produktwelt im Spiegel der Farben. Dabei zeichnete sie Spektren möglicher Wirkungen von Farben als wichtige Komponente von designten Objekten auf. Dr. Carlos Caro von Grafe beendete diesen Vortragsblock mit seinem Referat zu den Kunststoffen von Morgen.

Wachstumsmöglichkeiten in Aussicht

Grafe-Vorstand Matthias Grafe sieht in den zurzeit stagnierenden Märkte jedoch für sein Unternehmen wesentliche Wachstumsmöglichkeiten. Gerade im Verpackungsbereich ist in vielen Anwendungen eine hohe Farbgenauigkeit gefordert. Im schwächelnden Automobilmarkt hat das Unternehmen seine Farb-Masterbatches gut etabliert, was dem Unternehmen in der Summe einen Umsatz im vergangenen Jahr von rund 50 Mio. Euro bescherte.

Autor

Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de