„Unser Ziel ist es, führend im Schaffen von Kundennutzen zu sein“, unterstrich Dr. Peter Neumann, CEO der Engel Holding, Schwertberg/Österreich, auf der Fachpressekonferenz im Vorfeld der K 2013 die wirtschaftliche Ausrichtung des Unternehmens. „Das bedeutet unter anderem auch die konsequente Ausrichtung unserer Pro-dukte und Technologien an den spezifischen Anforderungen der einzelnen Ländermärkte und Zielbranchen.“ Technologisch tragen vor allem energieoptimierte Maschinenkonzepte, integrierte und automatisierte Systemlösungen sowie branchenspezifische Weiterentwicklungen dazu bei. Aktuell gehen in Europa rund zwölf Prozent aller Spritzgießmaschinen in die Verpackungsindustrie, wobei der Trend in Richtung größere Maschinen für hochkavitätige Werkzeuge und Hochleistungslösungen mit energieeffizienten Antriebskonzepten geht. Branchenübergreifend steigt der Anteil an Systemlösungen inklusive Automatisierung weiter an. Auch von diesem Trend profitiert man bei Engel. So werden beispielsweise auch aus China zunehmend automatisierte Systemlösungen angefragt.

Branchenspezifische Systemkompetenz zeigen

Unter dem Motto „The Perfect Link“ präsentiert das Unternehmen auf der K 2013 in Halle 15 (B42/C58) 12 Fertigungszellen, welche den Prozessintegrations- und Automatisierungsgrad, Leistungsstärke, Nachhaltigkeit und Prozesssicherheit aufzeigen. Unter anderem dabei, ist die größte Vertikalmaschine, die das Unternehmen je auf einer Messe gezeigt hat.

Mit einem geometrie- und belastungsoptimierten Bremspedal aus Kunststoff zeigt man gemeinsam mit ZF-Friedrichshafen ein Konzept für das Herstellen eines Organoblech-Hybrid-Bremspedals. Auf einer vertikalen Spritzgießmaschine Insert 1050H/200 mit Easix-Mehrachs-Industrieroboter und einem Infrarot-Ofen werden endlosfaserverstärkte thermoplastische Kunststoff-Halbzeuge, sogenannte Organobleche, erhitzt, im Werkzeug vorgeformt und unmittelbar danach mit Polyamid umspritzt. Die Anlage liefert einbaufertige Bauteile, bei denen kein Beschnitt notwendig ist.

Mit einer weiteren Leichtbau-Anwendung feiert die größte Vertikal-Spritzgießmaschine V-Duo 700 ihre Messepremiere. Die Großmaschinen-Baureihe zeichnet sich durch ihre kompakte Bauweise mit einer geringen Höhe und einem niedrigen Gewicht aus. Während die geringe Maschinenhöhe für eine bessere Zugänglichkeit des Handling- und Wartungsbereichs sorgt, senkt das vergleichsweise niedrige Maschinengewicht die Investitionskosten, da bestehende Hallenstrukturen genutzt werden können oder sich bei einem Neubau der Aufwand für das Fundament reduziert. Der Verzicht auf die herkömmlich übliche Speicherhydraulik und der Einsatz der Energiesparoption Ecodrive erhöhen zusätzlich die Wirtschaftlichkeit der Maschine. Während der Messe werden auf der Maschine Schlossverkleidungen für den Sportwagen X-Bow im RTM-Verfahren hergestellt. Gezeigt wird eine automatisierte Fertigung. Das Teilehandling übernimmt ein Viper 20-Linearroboter.

Mit der neuen Spritzgießmaschine E-speed 650 greift man zum einen auf die Technologie der vollelektrischen Maschinenbaureihen sowie die Vorteile der Speed-Serie zurück, um hohe Einspritzgeschwindigkeiten mit maximaler Energieeffizienz zu kombinieren. Damit werden auch bei größeren Schneckendurchmessern über 60 mm Einspritzgeschwindigkeiten von bis zu 800 mm/s erreicht. Die Hybridmaschine mit elektrischer Schließseite und hydraulischer Einspritzeinheit bietet einen großen Öffnungshub, sodass auch große Etagenwerkzeuge problemlos montiert werden können. Während der Messe wird eine Maschine Dünnwand-Behälter in einem 8+8-fach-Etagenwerkzeug fertigen, mit einer Gesamtzykluszeit von unter 4 Sekunden.

Ähnlich umfassend ist die Präsentation von Krauss Maffei in Halle 15 (B27/C24 /C27/D24). Im Mittelpunkt des Geschäftsegments Reaktionstechnik steht eine seriennahe Produktionszelle zur automatisierten Herstellung von CFK-Serien-Bauteilen für einen Sportwagen.

Lackierfähige Verbundbauteile direkt aus dem Werkzeug

Die Dachschalen bestehen aus einem Karbonfaser-Volumenanteil von 50 % in einer Polyurethanmatrix (PUR). Die Oberfläche ist direkt lackierfähig, da sich die Faserstruktur nicht auf der Oberfläche abzeichnet. Das Aufbereiten des PUR-Matrixharzes übernehmen zwei Dosiermaschinen vom Typ Rimstar Nano 4/4, die für eine hochtemperierte Prozessführung mit Materialtemperaturen bis 80° C ausgerüstet sind.

Die verschleißoptimierte Ausführung der Maschinen sichert eine dauerhafte Prozesssicherheit bei allen gängigen Matrixsystemen wie PA (Polyamid), PUR (Polyurethan) und EP (Epoxidharz). Im Zentrum der Anlage steht der neue RTM-Formenträger in CFT (Compact Formenträger) Bauweise mit 3.800 kN Schließkraft. Schnelle Schließbewegungen, gepaart mit einer hohen Plattenparallelität sichern hierbei kurze Prozesszeiten sowie eine gleichbleibende Bauteilqualität. Die Zugänglichkeit von allen vier Seiten ermöglicht eine gute Flexibilität für Bedienung und Automatisierung.

Zudem führt der Spritzgießmaschinen-Hersteller die Elion 4200 mit hybridem Antriebskonzept und die vollelektrische Version der Elion 2200 in den Markt ein. Das Krauss Maffei Tochterunternehmen Netstal zeigt die Erweiterung der vollelektrischen Produktpalette der Elion um die Schließkraft-größe 2.200. Reinraum-Tauglichkeit, hohe Prozessfähigkeit und Einspritzdynamik machen diese Maschine zum Kernelement komplexer Produktionsanlagen von Kunststoffteilen in der Medizintechnik.

Krauss Maffei Berstorff bietet Extrusionskonzepte für das sortenreine Kunststoffrecycling. Mit den Extrusionsanlagen können gewaschene Kunststoff-Reststoffe mit hoher Restfeuchte in einer Wärme direkt zu einem hochwertigen Regranulat oder einem Compound aufbereitet werden. Dabei stehen individuelle ein- oder zweistufige Konzepte, mit einem Zweischnecken-Extruder als Kernkomponente, im Vordergrund. Die Besonderheit der einstufigen Variante ist ein rein mechanisches Abquetschen des auf den Kunststoff-Reststoffen anhaftenden Wassers im Zweischnecken-Extruder. Rieselfähige PE- oder PP-Agglomerate werden nach dem Waschprozess mit einem hohen Wassergehalt zwischen 5 und 20% in den Zweischnecken-Extruder eindosiert. Noch bevor der Kunststoff aufschmilzt, wird der größte Teil des Wassers durch den Druckaufbau in der Kompressionszone in axialer Richtung abgeführt. Die übrige Feuchtigkeit entweicht im Anschluss mittels einer atmosphärischen und einer Vakuumentgasung. Ein Produkt-Niederhalte-Werk sorgt dafür, dass keine Schmelze in den Entgasungs-Öffnungen des Zweischnecken-Extruders aufsteigen kann, sodass es weder zu einer Beeinträchtigung des Entgasungsprozesses noch zu einer verlängerten Schmelze-Verweilzeit kommt.

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Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur des Plastverarbeiter. Harald.Wollstadt@huethig.de