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Schöne neue Patienten-Welt. Kein banges Warten mehr auf ein Spenderorgan, die neuen Organe oder die dritten Zähne kommen aus dem 3D-Drucker. Bereits seit einigen Jahren ist es möglich den Zahnersatz so zu generieren. Vor etwa zwei Jahren gelang es belgischen und niederländischen Wissenschaftlern, einer Patientin zum ersten Mal einen kompletten Unterkiefer einzusetzen. Auf dieser Grundlage wurde auch schon ein Ohr erstellt, das als Basis für ein neues organisches Ohr dient. Die Form wurde mit einer Art Biotinte aus lebenden Zellen gefüllt und dreidimensional ausgedruckt. Dieses Collagen, aus Rattenschwänzen und 250 Millionen Knorpelzellen von Kühen, kam anschließend in einen Brutkasten und es entstand ein Gebilde aus Zellen in der Ohrform. Das Collagen diente dabei als Gerüst, auf dem die Knorpelzellen wachsen. Nach einigen Tagen in einer Nährlösung konnte das künstliche Ohr implantiert werden.

Noch funktioniert dies nur zu Versuchszwecken in Forschungslabors. Doch die Gerätetechnik, die heute bereits Prothesen produzieren kann, schreitet schnell voran. Die Herstellerfirmen sind überzeugt, nahezu sämtliche Knochen in lebenden Menschen ersetzen zu können.

Der japanische Wissenschaftler Makoto Nakamura, Professor an der Universität von Toyama, plant sogar mittels eines modifizierten Druckers ein Herz zu schaffen. Anstelle der üblichen mikroskopisch kleinen Tintentröpfchen soll es aus tausenden menschlichen Zellen, mit einer Genauigkeit von einem tausendstel Millimeter, schichtweise aufgebaut werden. Sollte dies gelingen, wäre das eine bahnbrechende Entwicklung, welche für viele herzkranke Menschen eine schnelle, effektive Methode zur Heilung darstellen dürfte. Ein Herz, das aus den eigenen Zellen des Patienten hergestellt wurde, birgt zudem noch ein deutlich geringeres Risiko, vom Körper abgestoßen zu werden.

Science Fiction oder Medizintechnik der Zukunft? Diese Entwicklungen sind ein alter Medizinertraum und würden zugleich das Ende des Organ-
spendedilemmas bedeuten.

 

 

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