Für den Einsatz der Geräte zeichnen sich neue Möglichkeiten ab. Single berichtet, dass „die Temperiertechnik immer interessanter wird für Anwendungen im Bereich der Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen/Composites, zum Beispiel im Bereich der Fahrzeugindustrie. Mithilfe der Temperiertechnik kann viel schneller produziert werden, als dies etwa mit Autoklaven möglich wäre.“ Auch HB-Therm und Wieder heben den Einsatz im Automobilbereich hervor und benennen daneben die Medizintechnik. Öltemperiergeräte erreichen bis 350 °C, deren Einsatz laut S.I.S.E. unter anderem der Verarbeitung von Kohlefaser-Verbundwerkstoffen dient. Strömungsröhren, die bis zu 400 °C erreichen, sind für das Verarbeiten von Melamin geeignet.

Zur Verfahrenstechnik der Temperierung führt GWK aus, dass „keramische Hochleistungs-Heizungen und die Induktion praxiserprobte Techniken sind, die inzwischen in vielen Serienanwendungen zum Einsatz kommen, wo flüssige Medien an ihre technischen und wirtschaftlichen Grenzen stoßen. Während die Kühlung mit CO2 hinreichend erprobt und bekannt ist, befindet sich der Einsatz des Mediums für dynamische Temperierprozesse noch in der Markteinführungsphase. Auf einen entsprechenden Druck komprimiert und werkzeugnah aufgeheizt, hat das im Gegensatz zu Wasser und Heißdampf auch bei hohen Temperaturen unkritische, nicht zu Ablagerungen und Korrosion neigende Medium so gute Wärme-Übertragungseigenschaften, dass es für eine dynamische Werkzeugtemperierung hervorragend geeignet ist. Der konkurrenzlos hohe Temperaturgradient zwischen heißem und kaltem Medium verspricht kürzest mögliche Zykluszeiten.“

Interessant ist auch die „Kombination verschiedener Temperierverfahren in einem gemeinsamen System“, auf die Hahn hinweist. Wieder führt hierzu als Neuheit die Ausstattung vorhandener Temperiergeräte, die einen Bypass aufweisen, mit Impulsheizmodulen an, um so Vorheizen und Impulsheizen zu realisieren. Viel Zuspruch hat in den vergangenen Jahren die „Alternating Temperature Technology“ (ATT) erhalten, die „derzeit stark im Kommen ist“, wie Single berichtet. Sie ermöglicht aktive Wechseltemperierung und bietet „deutliche Einsparpotenziale im Bereich Zykluszeit, Qualität, Reduzierung der Ausschussquote und Verzicht auf Nachfolge-Behandlungen der Produkte“. Goy führt die direkte Mischwasserkühlung zur Realisierung hoher Kühlleistungen bei geringen Temperaturdifferenzen an. Der Einsatz von Mehr-Ventil-Technik (MVT) und Mold-Frame-Temperature-Control (MFTC) beim Temperieren von Heißkanal- und Etagenwerkzeugen verhindert, wie Wieder mitteilt, automatisch Temperaturdifferenzen zwischen Düsen- und Auswerferseite.

B-Therm führt aus, dass bei Parallelschaltung „schon leichte Veränderungen in den Durchflüssen der einzelnen Kanäle die Temperatur am Formnest beeinflussen können. Mit Messung und Überwachung des Durchflusses können die Vorteile paralleler Schaltung genutzt und eine gleich bleibend hohe Teilegüte sichergestellt werden. Das Verstopfen einzelner, parallel geschalteter Temperierkreise ist vor allem deshalb problematisch, weil dieser Vorgang meist schleichend vonstatten geht und sich der Gesamtdurchfluss auf die übrig gebliebenen Kreise aufteilt. Entsprechend dazu verschlechtert sich auch die Formteilqualität fast unbemerkt.“ Hintergrund ist, dass „der Wärmeübergang an der Temperierkanalwand sehr stark vom Durchfluss bestimmt wird. Der hat also direkte Auswirkungen auf die qualitätsrelevante Temperatur an der Formnest-Oberfläche, deren gleichmäßige Verteilung besonders wichtig ist. Ein Indikator für eine homogene Werkzeugtemperatur ist eine geringe Temperaturdifferenz (1-3 Kelvin) zwischen Vor- und Rücklauf.

Parallel geschaltete Temperierkreise bieten gegenüber seriellen Systemen einen geringeren Druckabfall bei größerem Gesamtdurchfluss, eine reaktionsschnelle Temperaturführung und gleichmäßigere Temperaturverteilung sowie eine kleinere Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf. Daraus resultieren oft kürzere Kühl- und damit Zykluszeiten bei höherer Teilequalität.“ Will man die „Vorzüge parallel geschalteter Temperierkreise vollständig nutzen, ist es ratsam, die Durchflüsse der einzelnen Kreise zu messen und zu überwachen.“
Gemessen werden die Durchflussmengen beispielsweise hochgenau mittels Ultraschall ohne bewegliche Teile, wie HB-Therm darstellt. Dies belegt, dass die Steuer- und Regeleinheiten zur Temperierung „zunehmend komplexer werden“, wie Single feststellt. Vermehrt „sind Programmregel-Funktionen vor allem für Composites-Anwendungen von Interesse.“

Durchgängig wird hinsichtlich der Energie-Effizienz immer häufiger auf den Einsatz effizienter Pumpentechnologie und richtig dimensionierter Pumpen gesetzt, wie Single, Hahn, HB-Therm und Goy darlegen, verbunden mit der Verwendung effizienter Antriebsmotoren. Frequenzregelung dieser Antriebe ermöglicht die genaue Einstellung des optimalen Betriebspunkts und vermeidet so Energie kostende Bypass-Lösungen, wie Goy ergänzt. Auch die Wärmeträgermenge sollte optimal dem Bedarf angepasst sein, um unnötiges Aufheizen zu großer Mengen zu vermeiden, führen Goy und HB-Therm weiter aus und Letztere ergänzt, dass vor allem bei Tankgeräten überflüssiges Volumen zu Trägheit des Temperiersystems und zu erhöhtem Bedarf an elektrischer Energie und an Kühlwasser führt. Darüber hinaus wird durch den Einsatz externer Durchflussmesser Energie-Einsparung erreicht, wie HB-Therm weiter ausführt, da „die Zusammenfassung mehrerer Temperierkreise mit gleichem Temperaturniveau Einzelgeräte effektiv substituiert.“ Wieder sieht im Austausch konventioneller Temperiergeräte gegen die Impulstechnik die Möglichkeit, Energiekosten erheblich zu reduzieren, da vor allem bei „kunststoffgerecht konzipierten Teilen“ die Schmelzwärme in der Regel genügt, um die Werkzeugwandtemperatur auf dem Sollwert zu halten.

Auch bei Temperiersystemen ist die Reinraumfähigkeit der Geräte zunehmend von Bedeutung. Ideale Voraussetzungen bieten hier laut Single Hochtemperatur-Druckwasser-Temperiersysteme, die inzwischen speziell für kleinere Werkzeuge Temperaturen bis 225 °C erreichen. Größter Vorteil dieser Geräte ist gegenüber Anlagen, die mit Wärmeträgeröl arbeiten, die Vermeidung von Öl im Reinraum. HB-Therm setzt auf ein Reinraumpaket mit faserfreien Isolationen, abriebfesten PUR-Laufrollen und einer Hochglanz-Lackierung als Zusatzausrüstung für wasserbasierte standardmäßig geschlossene Temperiergeräte, die so universell einsetzbar bleiben. Mit pulsmoduliertem Heizen bei absolut geschlossenem Kühlsystem erreicht Wieder die Fähigkeit zum Einsatz in allen Reinraumklassen.

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Werner Hoffmanns