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Über 1.000 Besucher aus aller Welt, davon rund 150 aus Deutschland, besuchten die zweitägigen Kompetenztage der Wittmann Gruppe in Kottingbrunn, Österreich, und informierten sich, wie das Unternehmen mit welchen Maschinen, Lösungen und Anwendungstechnologien die Kunststoffverarbeiter in allen Bereichen bedienen möchte. Mit Zuversicht hob die Geschäftsleitung auch die Investitionen in neue Entwicklungen und den Ausbau der Produktionskapazitäten gleich an mehreren Standorten in Europa und Asien hervor. Rund 14 Millionen Euro hat man in eine neue Montagehalle und ein neues Bearbeitungszentrum investiert.

Das Werk in Kottingbrunn wurde um eine Halle mit 3.000 m² erweitert, die seit März 2013 in Betrieb ist. Die auf den Bau von Großmaschinen ausgelegte Montagehalle erschließt die angestrebte Ausdehnung der Schließkraftgrenze von bislang 10.000 auf nun 16.000 kN und verdoppelt die Kapazitäten für die größeren Maschinenserien. Damit sollen kürzere Lieferzeiten möglich werden, erklärte Geschäftsführer Georg Tinschert.

Im Juni startet nun in dieser Halle der Bau der ersten Macropower 1600, die dem Fachpublikum zur K 2013 präsentiert wird und ab dem vierten Quartal 2013 lieferbar sein soll. Ein weiteres Anheben der Schließkraft über 16.000 kN hinaus sei derzeit nicht geplant, so Tinschert. Die Macropower-Serie stand auch im Fokus der Veranstaltung selbst: So war eine erste Hybrid-Version mit vollelektrischer Spritzeinheit aus der Reihe in Aktion zu sehen – als eines von insgesamt 17 Maschinenexponaten. Geschäftsführer Michael Wittmann: „Mit der Investition geben wir ein klares Signal für die weiterhin ungebrochen positive Entwicklung der Wittmann Gruppe.“ Die aktuellen Unternehmenszahlen für 2012 untermauern diese Entwicklung: Die Gruppe hat den Umsatz um 10 Prozent auf 275 Millionen Euro gesteigert, die Zahl der Mitarbeiter wuchs gegenüber 2011 auf 1.750 Mitarbeiter. Und auch für 2013 gab Michael Wittmann einen positiven Ausblick: Man peile einen Umsatz von 280 bis 290 Millionen Euro an.

Informationen zu Maschinen und Technologien

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Informationen über den aktuellen Stand der Maschinentechnik und darüber hinaus ein kleines Tagungsprogramm mit acht Vorträgen zu speziellen Fachthemen rund um aktuelle Entwicklungen der Spritzgießtechnik und Verfahrenstechnologien. Prof. Dr. Ansgar Jaeger von der FH Würzburg-Schweinfurt referierte zu den Technologien beim Spritzgießen im Spiegel der Megatrends. Er erläuterte welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Trends für die künftige Bedeutung bestimmter Technologiebereiche – zum Beispiel Mobilität/Leichtbau, Gesundheitswesen/Mikro-Spritzguss, Einkaufsverhalten/Design (IML, Dünnwandtechnik) haben können.

Helmut Kohake, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Müller Technik aus Steinfeld in Niedersachsen hielt einen Vortrag über Verfahrenskombinationen als erfolgreichen Weg zur Herstellung hochwertiger technischer Teile. Des Weiteren gab es Vorträge zu den Vorteilen der Maschinenserie Power, zur integrierten Fertigungszelle, zu Schüttguttechnik, Mikrotechnologie und der Kombination von variothermer Technologie und Strukturschaumtechnik. Gerade zum Thema Strukturschaumtechnik zeigte Wolfgang Roth, Leiter der Anwendungstechnik bei Wittmann Battenfeld, auf, wie Spritzgussteile durch Schäumen besser und mit weniger Energieeinsatz hergestellt werden können, mit geringerem Gewicht bei zum Teil verbesserten mechanischen Eigenschaften, und zugleich durch spezielle Temperiertechniken wie BF Mold trotzdem gute Oberflächen erhalten können.

17 Live-Anwendungen und 30 Exponate

Während der Kompetenztage nutzte man die umfangreiche Fläche der neuen Halle um die neuesten Maschinen in Aktion vorzuführen. Auch die vielen Exponate aus dem Bereich der Automatisierung und der Peripherie, die sowohl an den Spritzgießmaschinen selbst als auch als Stand-Alone-Lösungen gezeigt wurden, fanden reges Interesse. Schwerpunkt des vorgestellten Maschinenprogramms waren die Maschinen der Power Serie. Bei den ausgestellten Micropower-Maschinen wurde erstmals eine Micro-LSR Ausrüstung für eine medizintechnische Anwendung vorgestellt.

Bei den Exponaten der Ecopower-Baureihe standen Anwendungen für den Verpackungsbereich mit IML Technologie und den Präzisionsspritzguss im Vordergrund. Im Bereich der nunmehr kompletten Macropower-Serie wurde als Highlight die erste Macropower E Hybrid-Großmaschine vorgestellt. Die Hybrid-Version bietet neben Präzision und Dynamik durch das vollelektrische Spritzaggegrat und eine gute Energieeffizienz mit der servohydraulischen Schließeinheit. Aber auch die hydraulischen Maschinen der HM-Baureihe, mit und ohne Servopower-Antrieb, Mehrkomponenten-Maschinen, integrierte Fertigungszellen sowie die schnelllaufenden Anwendungen und die vertikalen Rundtischmaschinen kamen bei der Präsentation nicht zu kurz.

Auf dieser breiten Palette an Exponaten wurde eine nicht minder breite Palette an Verfahren vorgestellt, angefangen bei IML-Anwendungen, über das Gasinjektionsverfahren Airmould, die Strukturschaumtechnik Cellmould, die Variotherm-Technologie BF Mold bis hin zum Silikonspritzguss und zur Mehrkomponententechnologie. Gezeigt wurden beispielsweise Anwendungen für die Medizintechnik, die Automobilindustrie, technischen Spritzguss oder den Spielzeug- und Freizeitbereich.

Umfangreiche Automatisierung und die gesamte Peripherie der Firmengruppe ergänzten das Ausstellungsprogramm. Gezeigt wurde Automatisierung und Peripherie sowohl an den Spritzgießmaschinen selbst als auch als Stand-Alone-Lösungen. Neben den in die Maschinen integrierten Robotern, wurde ein Servoroboter W818 und ein Roboter W821-UHS mit Dynamik Drive und Greiferwechsel-System gezeigt. Der High-Speed-Roboter W821-UHS wurde für die besondders schnelle Entnahme von Teilen konzipiert und ermöglicht Formöffnungszeiten unter einer Sekunde. Eine Automatisierungszelle zum Einlegen und Entnehmen der Teile rundete das gezeigte Maschinenprogramm ab.

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Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de