Der World Food Day im letzten Jahr, an dem die Welternährungsorganisation FAO auf die Probleme der globalen Lebensmittelversorgung aufmerksam machen will, hatte auch das Thema Verpackungen für den Schutz von Nahrungsmitteln auf der Agenda. Weltweit werden immer noch jährlich ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen, unter anderem weil sie nicht entsprechend gut verpackt sind. Verpackungen können also einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der globalen Lebensmittelversorgung leisten. Die Initiative Save Food, die 2011 im Rahmen der Interpack gegründet wurde, möchte die Bedeutung der Verpackung im Kampf gegen Lebensmittelverluste bewusster machen. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen engagiert sich in dieser Initiative und unterstützt entsprechende Projekte.

Stagnation auf hohem Niveau

Durchaus positiv bewerten die Mitglieder der Industrievereinigung den Start ins neue Jahr. Im Rahmen einer Trendumfrage bezeichnen immerhin 90 Prozent der befragten Unternehmen die aktuelle Wirtschaftslage mit gut oder befriedigend. Bei der eigenen Umsatzentwicklung für das erste Quartal 2013 erwartet man Zuwächse gegenüber dem letzten Quartal 2012. Auch die Beurteilung für die Exportentwicklung fällt entsprechend optimistischer aus. Nach einem erfolgreichen Jahr 2011 blieb der Absatz von Kunststoffverpackungen und Folien in Deutschland 2012 auf dem Niveau des Vorjahres. Während die Produktionsmenge vor allem aufgrund von weiteren Materialeinsparungen bei der Verpackungsherstellung um 1,8 % auf 4,2 Millionen Tonnen zurückging, blieb der Umsatz mit – 0,4 % relativ stabil auf dem Niveau des Vorjahres von 13,2 Milliarden EUR.

Die wichtigsten Herausforderungen

Eine Marke ist ein Versprechen an den Kunden über die eigenen Leistungen und Produkte. Früher war die Marke vorwiegend im Konsumgüterbereich wichtig, zukünftig wird sie auch in der Verpackungsindustrie an Bedeutung zunehmen. Aufgrund der Globalisierung und der immer dichter werdenden Vernetzung regionaler Märkte hat sich die Anzahl an potenziellen Lieferanten der Verpackungsindustrie deutlich erhöht, was vielenorts zu einem immer höheren Preisdruck führte. Die angebotenen Produkte (Roh- und Hilfsstoffe, Packstoffe und Packmittel) verschiedener Lieferanten erscheinen vergleichbar und unterscheiden sich augenscheinlich nur durch andere Typen- oder Sortenbezeichnungen. Dementsprechend zieht ein Einkäufer oftmals den Preis als Entscheidungsgrundlage heran. Vor diesem Hintergrund versuchen viele Unternehmen der Verpackungsindustrie sich vom reinen Lieferanten zum B2B-Markenartikler weiterzuentwickeln. Der Aufbau und die Pflege der Marke werden zum wichtigen Bestandteil der Unternehmensstrategie mit dem Ziel, Kunden nachhaltig an ein Unternehmen zu binden und neue Produkte schneller in den Markt einführen zu können. Dehalb ist davon auszugehen, dass sich die Markenphilosophie in der Verpackungsindustrie noch stärker ausbreitet.

Da die Verpackungsindustrie mittelständisch geprägt ist und dem gegenüber die eher global agierenden Rohstoffhersteller stehen, kommt die Forderung auf, dass auch die Lieferanten sich internationalisieren. Dies wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft werden. Zudem kommt, dass die Marktentwicklung den Bedarf an Flexibilität und kurzen Lieferzeiten in der abpackenden Industrie steigert. Die aus Marketingsicht langen Lieferzeiten der Unternehmen beschränkten bisher den Einsatz von Verpackungen als Instrument der Markenkommunikation. Promotion-Packungen beispielsweise sollen auch kurzfristig und aktuell verfügbar sein. Für diese Herausforderung bedarf es nicht nur flexibler Technologien wie dem Digitaldruck, sondern auch einer verlinkten Wertschöpfungskette um die Produktionszeiten zu reduzieren. Ein Schritt, um die Wertschöpfungskette zu verlinken, sind übergreifende Systemlösungen. Diese sind gekennzeichnet durch Kooperationen entlang der Value Chain.

Der Begriff Convenience ist einer der Trendbegriffe, der am häufigsten verwendet und am wenigsten griffig ist. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Erwartungshaltung des Konsumenten ständig weiterentwickelt. Im Markt gibt es bereits Anwendungen, die die nächste Convenience-Stufe erfüllen – selbsterhitzende Verpackungen zum Beispiel für Tee und Kaffeeprodukte. Der Convenience-Gedanke ist also die permanente Anforderung des Konsumenten an die Hersteller ihre Produkte weiterzuentwickeln, was auch für die Verpackungen und somit für die Rohstoffe gilt. Für die Anbieter ergibt sich damit ein dauerhafter Innovationsdruck, der mit einer engverzahnte Zusammenarbeit aller an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen funktionieren kann.
Wenn es aber gilt heute den Megatrend zu benennen, dann ist es Sustainability. Dabei wird der Begriff Nachhaltigkeit aufgrund der Global Warming Diskussion zurzeit noch auf die Umwelteinflüsse fokussiert.

Quer über alle Teile der Gesellschaft, Industriezweige und in allen Stufen der Wertschöpfungsstufe wird dieses Thema diskutiert. Die Nachfrage nach Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen nimmt also weiter an Fahrt zu. Wie ernst Unternehmen das Thema nehmen, zeigt das Label für Nachhaltigkeit. Ökologische Nachhaltigkeit bietet die Chance zur Differenzierung im Wettbewerb und ist schwer zu kopieren.

So kommunizieren führende Markenartikler Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und verpflichten sich zu ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit. Aber auch führende Handelsunternehmen in Europa und den USA haben Programme zur Kennzeichnung des Product Carbon Footprint von Produkten eingeführt und setzen Verpackungen ein, die biologisch abbaubar sind oder auf erneuerbaren Rohstoffen basieren. Bei den Verbrauchern hat sich inzwischen eine neue Käuferschicht etabliert – die Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability), die die erste Öko-Generation verdrängen. Und diese Gruppe fordert nicht nur Bio-Produkte sondern auch Bio-Verpackungen.

Man kann diese Trends negativ als Forderung aber insbesondere positiv als Herausfordung sehen und darauf reagieren. Denn das, was jedem Unternehmer bewusst sein sollte: Trends kann man setzen, aber niemals verhindern. Und hier liegen auch die Chancen für die Unternehmen der Kunststoffverarbeitung.

Chance Bio und Recycling

Die Eigenschaft vieler Biokunststoffe, bei Kompostierung biologisch abbaubar zu sein, eröffnet bei Verpackungen neben der thermischen und der stofflichen Verwertung die Verwertung über die Kompostierung (Bioabfall) als zusätzlichen Entsorgungsweg. Je nach verwendeten Materialien sind die Verpackungen ausschließlich bei den in der industriellen Kompostierung höheren Temperaturen (Polylactide – PLA) oder auch bei niedrigeren Temperaturen im privaten Kompost (Thermoplastische Stärke, einige PLA-Copolymere) abbaubar. „Die Bio-Kunststoffindustrie ist ein wichtiger Teil des Markts für biobasierte Produkte. Unsere Branche prägt dieses Jahrhundert durch industrielle Prozesse, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren sowie durch innovative Kunststoffprodukte mit geringerem Kohlenstoffverbrauch“, erklärt Andy Sweetman, Vorsitzender von European Bioplastics.

So stellte Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär während des Fachkongresses Biopolymere – Kunststoffe der Zukunft fest: „Wenn wir in Zukunft erfolgreich wirtschaften wollen, muss es unser Ziel sein, die Rohstoffbasis durch Innovationen auf Basis nachwachsender Rohstoffe langfristig zu sichern“. Die Bio-Kunststoffindustrie hat neue biobasierte Polymere wie PLA, PTT oder Erzeugnisse auf Stärkebasis in den Markt gebracht und wird in einer zweiten Welle Massenkunststoffe wie PE oder PET von fossilen auf erneuerbare Ressourcen umstellen. Der Einsatzbereich von biobasierten Kunststoffen reicht inzwischen von kurzlebigen kompostierbaren zu langlebigen technischen Anwendungen. „Diese Entwicklung wird von führenden Industrie- und Markenunternehmen vorangetrieben, die ihre Produkte weiterentwickeln wollen und sich einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise verschrieben haben“, erklärt Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics.

Eine überdurchschnittlich positive Entwicklung der Produktionskapazitäten bei Biokunststoffen macht bisherige Prognosen obsolet. Die bisherigen Erwartungen werden in den kommenden Jahren weit übertroffen, so der Branchenverband European Bioplastics in Berlin. Der 2011 rund 1,2 Mio. Tonnen zählende Markt für Biokunststoffe wird bis 2016 sein Produktionsvolumen verfünffachen – auf voraussichtlich rund 5,8 Mio. Tonnen. Dies geht aus der aktuellen Marktprognose hervor, die der Branchenverband jährlich in Kooperation mit dem Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover veröffentlicht.

Deutlich am stärksten wächst dabei die Gruppe der biobasierten, nicht-biologisch abbaubaren Biokunststoffe. Vor allem die sogenannten Drop-in-Lösungen, also Massenkunststoffe wie PE und PET, die jetzt auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden, bauen große Kapazitäten neu auf. Teil-biobasiertes PET ist hierbei führend: Bereits heute stellt es rund 40 % aller Biokunststoff-Produktionskapazitäten. Diesen Vorsprung wird teil-biobasiertes PET bis 2016 weiter auf über 4,6 Mio. Tonnen ausbauen. Das entspräche 80 % der gesamten Produktionskapazitäten. Hinter PET folgt biobasiertes PE mit 250.000 Tonnen, das sind gut 4 % der gesamten Produktionskapazitäten. „Aber auch die Sparte der biologisch-abbaubaren Kunststoffe zeigt Wachstumsraten: um zwei Drittel werden die Produktionskapazitäten voraussichtlich bis 2016 steigen“, sagt Hasso von Pogrell.

Wachstumsträger sind hier die Biokunststoffe PLA und PHA mit jeweils 298.000 Tonnen (+ 60 %) beziehungsweise 142.000 Tonnen (+ 700 %).

Das enorme Wachstum trägt der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen im Kunststoffbereich Rechnung. Biokunststoffe haben einen festen Platz in zahlreichen Anwendungsgebieten, vom Verpackungsmarkt bis hin zur Automobilbranche“, erläutert von Pogrell.

Die Anwender sehen im Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen die Chance zur Differenzierung im Wettbewerb. Die norwegische Molkerei Tine bringt als erstes Unternehmen in Europa mehrere Produkte mit einem aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Lightcap 30-Verschluss von Tetra Pak auf den Markt. Der Verschluss ist zu 100 % aus High Density Polyethylen (HDPE) hergestellt, welches aus Zuckerrohr gewonnen wurde. Björn Malm, Sustainability Manager bei Tine, erläutert die Entscheidung: „Als einer der größten Verpackungsabnehmer Norwegens ist es wichtig, dass wir Rohstoffe optimal nutzen und Nachhaltigkeit zum Thema machen – für uns stellt dies eine unternehmerische Verpflichtung dar. Das gibt uns die Gelegenheit, das Umweltprofil unserer Produkte noch stärker zu schärfen.“ Das erneuerbare Polyethylen in diesem Verschluss wird aus Zuckerrohr gewonnen. Der Zuckerrohr-Saft wird zu Alkohol vergoren und dann abdestilliert. Der so hergestellte Alkohol (Ethanol) wird zu Ethylen dehydriert, das wiederum zu Polyethylen polymerisiert wird. Hieraus entsteht dann der Verschluss.

Alce Nero, ein italienisches Konsortium aus Bio-Erzeugern und Bio-Bauern, hat die kompostierbare Natureflex-Folie von Innovia Films aus Wigton, Großbritannien, als Verpackungsmedium für sein Fair Trade-Sortiment von Schokoladen ausgewählt. Die Zellulose-basierten Folien sind entsprechend der amerikanischen ASTM D6400, europäischen EN13432 und der australischen Norm AS4736 für kompostierbare Verpackung zertifiziert. Der Holz-Zellstoff stammt aus schonend bewirtschaften Plantagen. Die Folien weisen entsprechend ASTM D6866 typisch einen auf erneuerbaren Naturprodukten basierenden Inhalt von über 90 Gewichtsprozent Material auf.

Biokunststoff will genauso recycelt werden

Damit der Kreislauf aber auch auf dem Gebiet Biokunststoff geschlossen werden kann, bedarf es einem entsprechenden Recycling. Derzeit ist das überwiegend im Fall von Produktionsabfällen in definierten Kreisläufen möglich. Biokunststoffe in Post-Consumer Abfällen werden jedoch aufgrund der noch zu geringen Mengen nicht aussortiert. Aber mit den steigenden Mengen steigt auch die Notwendigkeit, verantwortungsvoll mit neuen Materialströmen umzugehen, um bestehende Recycling-Kreisläufe nicht zu gefährden. Entsprechende Sammel- und Sortiersysteme werden dementsprechend wichtiger. Erema ist seit der Gründung im Jahr 1983 auf die Entwicklung und die Produktion von Kunststoff-Recycling-Anlagen und -Technologien spezialisiert und gilt in diesen Bereichen als Innovationsführer und beschäftigt sich bereits seit über zehn Jahren mit der Verarbeitung von Bio-Kunststoffen unterschiedlichster Biopolymertypen, wie Bio-PE, Bio-PET, PLA (Fasern, Folien), PHA, stärkebasierte Produkte – seien es Flachfolien, Blasfolien oder auch biaxial verstreckte Folien und verschiedenste Typen unterschiedlicher Hersteller wie Mater-Bi Folien von Novamont, Ecoflex Folien von BASF oder Ingeo PLA von Natureworks. Dr. Gerold Breuer erklärt, worauf es beim Recycling von Bio-Kunststoffen ankommt: „Wichtig ist die Unterscheidung von biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Biobasierte Drop-in-Typen wie Bio-PET oder Bio-PE unterscheiden sich in ihren Eigenschaften nicht von konventionellen Kunststoffen auf Basis fossiler Rohstoffe sondern werden lediglich aus einem anderen Rohstoff hergestellt. Daher können sie mit denselben Parametern verarbeitet werden. Bei Biokunststoffen die sowohl biobasiert als auch bioabbaubar sind, wie zum Beispiel stärkebasierte Produkte oder auch Polymilchsäure (PLA), ist ein angepasstes Verarbeitungsprofil im Recycling erforderlich. PLA ist zum Beispiel sehr empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und den während der Verarbeitung auftretenden Scherkräften.“ Um eine Schließung der Kreisläufe weiterhin zu forcieren, arbeitet man kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Technologien. Die neuesten Innovationen werden dieses Jahr auf der K 2013 in Düsseldorf zu sehen sein. Darunter auch eine Neuheit, die speziell für temperatursensible Bio-Kunststoffe weitere Vorteile mit sich bringt.

Um Kunststoffabfall, ob Biokunststoff oder nicht, in hochwertiges und anerkanntes Sekundär-Rohmaterial zu verwandeln, verlangt es aber eine intensive Kommunikation der gesamten Kunststoff-Industrie – zwischen Rohmaterial-Lieferanten, Herstellern und Recylern. Das Resultat könnte die Entwicklung von Verpackungsmaterialien sein, dessen spätere Recycelbarkeit bereits bei der Herstellung berücksichtigt werden würde. Der Königsweg ist, Materialflüsse besser zu organisieren und die Kunststoffherstellung so zu optimieren, um daraus neue, hochqualitative Produkte mit hohem Rezyklat-Inhalt zu erzielen. So funktioniert Nachhaltigkeit in einem geschlossenen Kreislauf.

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Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de