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Schließlich erregt Alfred Streit mit einem neuartigen Instrument (Ophthalmometer) zur Bestimmung der Hornhautverkrümmung internationales Aufsehen. Bei der Erforschung und Entwicklung von Implantaten zur Behandlung von Knochenbrüchen (Osteosynthese) gehört der orthopädische Chirurg Maurice E. Müller zu den Vorreitern. Geschickt versteht er es, medizinisches Wissen mit handwerklicher Praxis und Materialkompetenz zu verknüpfen.

In den 60er-Jahren spannt der Visionär und Geschäftsmann mit Pionieren aus der Uhrmacherei und Feinmechanik sowie aus anderen Industriebereichen zusammen. Darunter sind die späteren Implantatehersteller Mathys, Straumann und Sulzer Winterthur. Sie realisieren bahnbrechende Neuerungen auf dem Gebiet der Osteosynthese. So schreibt das Sulzer-Gelenk Geschichte. Aus Verbindungen mit Straumann und Mathys geht schließlich nach diversen Firmenzusammenschlüssen ein Weltkonzern hervor: Synthes Inc. Auch auf anderen Gebieten der Medizintechnik erobern Schweizer Unternehmen mit ihren Innovationen die internationalen Märkte: beispielsweise Roche Diagnostics mit Insulinpumpen und diagnostischen Geräten, Ypsomed im Bereich der Injektionssysteme oder Sonova/Phonak bei den Hörgeräten.

Hohe Dichte an Unternehmen

So schillernd die Geschichte, so vielseitig ist die Struktur der Schweizer Medizintechnik: In der Schweiz gibt es rund 3.700 Unternehmen, die in dieser Branche tätig sind. Kaum ein anderes Land in Europa weist eine so hohe Dichte an Medtech-Unternehmen auf. 98.5 Prozent davon gehören zur Gruppe der KMU. Drei Viertel der Unternehmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Neben inländischen Unternehmen bestimmen Produktionsbetriebe und Niederlassungen großer internationaler Konzerne wie Medtronic, Johnson&Johnson oder Zimmer die Schweizer Medizintechnik-Szene. Die Vielfalt der Branche zeigt sich auch in der Vielzahl ihrer Produkte.

Rund 10.000 unterschiedliche Produktfamilien werden angeführt von Prothesen und Implantaten. Weiter umfasst das Spektrum Verbrauchsgüter wie zum Beispiel Spritzen, textiles Verbandsmaterial oder High-Tech-Produkte wie Geräte der Bildgebenden Diagnostik, Hörgeräte und Herzschrittmacher. Ebenso gehören Rollstühle und andere technische Alltagshilfen wie auch spezielle Einrichtungsgegenstände für Arztpraxen und Spitäler dazu.

Von der Forschung und Entwicklung über die Fertigung bis hin zum Vertrieb der Produkte bildet die Medizintechnik dabei die komplette Wert-schöpfungskette ab. Neben den Herstellern bilden Unternehmen im Groß- und Detailhandel von medizinischen Produkten den Kern der Branche. Die dentaltechnischen Labore decken allein rund einen Drittel der Betriebe ab. Weiter dazu zählen Dienstleistungsunternehmen wie Entwickler von Produktdesign oder Software, unter anderem für die chirurgische Navigation. Einen nicht unerheblichen Teil machen die Zulieferer aus. Sie stellen für die Firmen komplette Lösungen oder Komponenten wie zum Beispiel Mikromotoren oder Präzisionsschrauben her.