Unternehmen entwickeln sich weiter. Oftmals bleiben die einmal angeschafften Softwarelösungen für die Betriebsorganisation auf dem damaligen Niveau stehen und können heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Diese Situation hat sich, so wie bei vielen anderen mittelständischen Kunststoffverarbeitern, auch bei dem Spritzgießer Gramß im thüringischen Spechtsbrunn eingestellt. Das 1989 gegründete Familienunternehmen ist nach DIN EN ISO 14644 für die Reinraumproduktion klassifiziert und produziert hochwertige Verpackungsteile für die Branchen Pharma, Kosmetik, Medizin und Lebensmittel. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als 50 Mitarbeiter. Produktion, Vertrieb und Verwaltung werden über ein ERP-System gesteuert. Eine Optimierung der Prozesse über das bislang eingesetzte ERP-System war nicht mehr möglich, sodass die Geschäftsleitung nach einem neuen Softwarehersteller suchte, der eine moderne, umfassende und gut integrierbare Softwarelösung liefern konnte, die alle kaufmännischen Prozesse und die Produktionssteuerung abdeckt. Es wurde zwingend vorausgesetzt, das vorhandene Leitrechnersystem des Spritzgießmaschinen-Herstellers Arburg mit den rund 60 Spritzgießmaschinen im Maschinenpark zu integrieren.

Gleichzeitig sollte der zukünftige Lösungspartner über ausreichendes Branchen-Wissen in der Kunststoffverarbeitung verfügen, um somit auch die Geschäftsprozesse einfacher und schneller gestalten zu können. Mit dem schwäbischen Softwarehersteller Evo Informationssysteme aus Durlangen fand man den idealen Partner für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit.

Anforderungen klar definiert

In der Verwaltung konnte die gealterte Warenwirtschaftslösung mit den steigenden Anforderungen nicht mehr schritthalten. Das System war zwar in der Lage verschiedene Teilprozesse abzubilden, dennoch fehlte die Unterstützung wichtiger Prozesse. Stefanie Wiegand, Sachbearbeiterin im Einkauf und Verkauf, fasst die Ausgangssituation zusammen: „Die Software war zu umständlich in der Handhabung und nicht mehr zeitgemäß. Die Unterstützung bei Problemen durch den Softwarelieferant war nicht zufriedenstellend. Wir mussten die Antworten immer hinterfragen oder bekamen gar falsche Antworten.“ Auftretende Fehler, die bei der Bedienung entdeckt wurden, konnten vom Support des Softwareanbieters nur unbefriedigend beseitigt werden – keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit.

Die Anforderungen an ein neues PPS-/ERP-System waren daher eindeutig. Es wurde eine zeitgemäße, integrierbare und in der Praxis bewährte Software benötigt, die sämtliche Bereiche bis hin zur Buchhaltung abdeckt. Einschließlich einer Produktionssteuerung für die Veredelung und Verpackung der Kunststoffprodukte. Vorausgesetzt wurde die perfekte Integration des Arburg Leitrechnersystem mit der Übergabe der Produktionsaufträge und der täglichen Rückmeldung von Produktionszeiten und Produktionszahlen aus dem Leitrechner.

Herausforderung Schnittstelle zum Leitrechnersystem
Eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung des Projekts war die Schnittstelle zum Leitrechnersystem. Durch die Online-Koppelung des PPS-/ERP-Systems Evocompetition besteht eine permanente Verbindung zwischen den Systemen. Die Produktionsaufträge werden über eine konfigurierbare und überwachte Schnittstelle an das Leitrechnersystem übergeben. Gleichzeitig übermittelt der Fertigungsleitstand die produzierten Stückzahlen an das PPS-/ERP-System zurück.

Die Abstimmung der Schnittstelle erfolgte zwischen dem Maschinenhersteller und dem Softwarehersteller, ohne jeglichen Koordinationsaufwand von Seiten des Kunststoffverarbeiters. Die Inbetriebnahme der ERP-Lösung konnte schnell abgeschlossen werden. „Der Umstieg auf die neue Unternehmenssoftware war durch die Übernahme der Stammdaten bereits innerhalb weniger Wochen möglich“, berichtet Wiegand zufrieden. Die einheitliche Bedienung der Software, die auf Konzepte von Windows-Programmen zurückgreift, ermöglichte einen schnellen, reibungslosen Start in den Produktivbetrieb ohne langwierige Schulungen. Dies überzeugte schnell die gesamte Belegschaft.

Im Zuge der Einführung des ERP-Systems wurden bei Kunststoffverarbeitern auch sämtliche Unternehmensdaten aufbereitet. Die Stammdaten der Kunden wurden vom alten System direkt in die neue Unternehmenssoftware übernommen. Um das Datenvolumen zu reduzieren, wurden alle Artikel neu eingepflegt. Damit konnten veraltete Artikel eliminiert und die Übersicht über die Artikelstämme verbessert werden.

Mit der umfassenden Unternehmenslösung wurde ein durchgängiger Informations- und Datenfluss von der Kundenanfrage bis zur Auslieferung der Produkte erreicht. Die Mitarbeiter haben jederzeit Zugriff auf aktuelle
Informationen eines Auftrags. Mit der Anbindung der Spritzgießmaschinen über das Leitrechnersystem kann der Produktionsfortschritt im Vertrieb jederzeit abgerufen werden. In der Bedruckung, Verpackung und Montage werden die geprüften Teile über Touchscreen-Computer gescannt und als versandfertig im System eingebucht. Für eine lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Prozesse erfolgt die automatisierte Ablage von Dokumenten im Dokumentenmanagement-System. Darüber hinaus ermöglicht das integrierte Management-Informationssystem auf aktuellen Kennzahlen aus den Bereichen Vertrieb, Beschaffung und Produktion auf Knopfdruck darzustellen. Veränderungen können somit frühzeitig erkannt und notwendige Maßnahmen und Entscheidungen kurzfristig getroffen
werden.

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Über den Autor

Alexander Schenk ist Marketingleiter bei Evo Informationssysteme in Durlangen. a.schenk@evo-solutions.com