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Der Erfolg einer Messe zeigt sich an deren Gelingen, Märkte, Produkte und Menschen auf nutzbringende und hochprofessionelle Art und Weise zusammenzubringen. Die JEC Europe 2013 verlief für die beteiligte Fachwelt mit einem guten Ergebnis erfolgreich.

Die europäische Plattform der JEC-Gruppe präsentierte in ihrer diesjährigen 48. Ausgabe der Messe alle wichtigen Themen der Branche: Massenproduktion, Thermoplasten, intelligente Verbundwerkstoffe mit integrierten Sensoren, neue Anwendungen, Umwelt und Recycling. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Zulieferkette der Automobilindustrie.

Eine Fußballmannschaft voller erfolgreicher Ideen

Elf Unternehmen sowie deren Partner wurden in diesem Jahr für ihre Innovationen ausgezeichnet. Die Gewinner 2013 stammen aus den folgenden Industriesektoren: Rohstoffe, Thermoplasten, Multifunktionswerkstoffe, maschinelle Bearbeitung & Werkzeugherstellung, Bauwesen, Luftfahrt, Automobilindustrie, Windenergie und Sport & Freizeit. In der Kategorie Rohstoffe erhielt Bac2 (Vereinigtes Königreich) den Preis für die Entwicklung einer neuen Gruppe latenter Säurekatalysatoren für einfachere Lagerung, Transport, Handhabung und Verarbeitung von Präpolymermischungen. Ohne einen latenten Katalysator zur Polymerisationskontrolle läge die Haltbarkeitsdauer von Präpolymermischungen irgendwo zwischen einigen Sekunden und einigen Minuten.

Zwar existieren andere Katalysatoren zur Verlängerung der Haltbarkeitsdauer, jedoch benötigen sie zur Aktivierung Temperaturen von über 200 °C – was den Energiebedarf erheblich erhöht und noch dazu in Verbindung mit zahlreichen Materialien untauglich ist, die in Herstellungsverfahren mit Harzen zum Einsatz kommen. MVC (Brasilien) und Arkema (Frankreich) mit ihrem Partner PPE (Frankreich), Chomarat (Frankreich), 3B-the fibreglass company (Belgien) erhielten in der Kategorie Thermoplaste den Award für ein innovatives Transportkonzept unter Verwendung einer thermoplastischen Kunstharzlösung. Das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen erhielt den Preis für einen wärmeleitenden fasverstärkten Verbundwerkstoff.

Damit könnten Metallbauteile durch leichtere faserverstärkte Kunststoffelemente ersetzt werden. In der Kategorie Maschinelle Bearbeitung und Werkzeugherstellung erhielt das italienische Unternehmen Cruing Italy den Award für Werkzeuglösung zur Absaugung heißer Staubpartikel bei Schneidvorgängen. Ebenso wurde eine auf Verbundprofilen basierende Fassadenverkleidung mit hoher Energieeffizienz augezeichnet. Preisträger hier sind Owens Corning (Frankreich) mit den Partnern Ademe (Frankreich), Exel Composites (Belgien), CSTB (Frankreich), Goyer (Frankreich), Compositec (Frankreich), ENPC (Frankreich).

Innovationen für mobile und nachhaltige Anwendungen

Fokker Aerostructures BV (Niederlande) mit seinen Partnern Agusta Westland (Italien), Ten Cate Advanced Composites (Niederlande), Ticona (Deutschland) erhielten die Auszeichnunh für die Entwicklung und den Produktionsstart des ersten Leitwerks aus thermoplastischem Verbundwerkstoff für einen Hubschrauber in der Kategorie Luftfahrt. Die Innovation besteht aus einem voll thermoplastischen horizontalen Leitwerk mit einer integrierten einteiligen Mehrfachholm-Torsionskasten-Konstruktion für das Hubschraubermodell Agusta Westland AW169. Dieses hauptsächlich lastentragende Bauteil misst in der Länge von Spitze zu Spitze drei Meter. Der neue Entwurf könnte auch auf weitere Leitwerke übertragen werden, und das integrierte Mehrfachholm-Konzept eignet sich ebenfalls für andere Produkte wie beispielsweise Flugzeugbodenplatten.

Für die selbsttragende Verbundwerkstoffstruktur für ein leichtes Elektrofahrzeug für den Stadtverkehr erhielt ECM aus Frankreich und Peugeot Citroën Automobile, PPE sowie Cedrem (Frankreich) die Auszeichnung. Zodiac Recreational mit Dehondt – Flax Technic und Fimalin (Frankreich) entwickelten neue Festrumpfschlauchboote, die aus der Kombination eines festen Rumpfes aus Verbundwerkstoff und aufblasbaren Schläuchen als Schwimmkörper bestehen. Die beiden ausgezeichnetetn und vorgestellten Boote wurden den gleichen Ökodesign-Richtlinien zufolge entworfen.

Schäfer Rolls (Deutschland) und das Institut für Verbundwerkstoffe sowie MWN Niefern Maschinenfabrik erhielten den JEC-Award für eine dickwandige fasergewickelte Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoff-Antriebswelle von über 8,5 Metern Länge und fast einem Meter Durchmesser, die zum Tragen extremer Drehmomentbelastungen beim Antrieb von Windkraftanlagen eingesetzt werden kann. Der Ehrenpreis ging an die BMW Group für das Life Drive-Konzept. Die weltweit erste Karosseriearchitektur, die speziell für die Serienproduktion von Elektrofahrzeugen gefertigt wird.

 

Messe im Detail

JEC Asia 2013

Für die Gestaltung des Konferenzprogramms der nächsten JEC Asia 2013 vom 25. bis 27. Juni in Singapur unterzeichneten die JEC-Gruppe und die TU München eine Absichtserklärung. Ehrengast der JEC Asia 2013 wird Japan sein. Bestimmende Themen: Biobasierte Werkstoffe, Produktionseffizienz, Luftfahrt, Automobil, Schifffahrt, Windenergie und Öl & Gas. Im Mai 2013 wird die Gruppe eine Geschäftsstelle mit ständiger Belegschaft in Singapur eröffnen.

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Über den Autor

Dr. Etwina Gandert ist Redakteurin bei Plastverarbeiter. etwina.gandert@huethig.de