Die Planung der täglichen Produktion ist eine Aufgabe, die viel Präzision verlangt und genügend Spielraum für kurzfristige Änderungen einräumen muss. Was früher noch von Menschen mit Plantafel, Excel-Tabellen und Karteikarten in mehren Stunden durchgeführt wurde, erledigt heute eine Planungssoftware innherhalb von Minuten.

Dabei werden die Produktionstermine, die Auslastungen der Maschinen, der Materialeinsatz und -verbrauch, die Wartungsarbeiten und Rüstzeiten sowie das notwendige Personal, zum Beispiel für anstehende Wochenendschichten, bestmöglich aufeinanander abgestimmt. Kurzfristige Änderungen oder unvorhersehbare Ereignisse – wie etwa ein Werkzeugbruch – erfordern fünf bis zehn Mal pro Tag eine Umplanung der Produktion. Die Planungssoftware optimiert die Fertigung innheralb kürzester Zeit. Zusammengenommen spart diese Art der Planung dem Verarbeiter Zeit und Kosten, denn neben diesen Faktoren reduzuieren sich die Lagerbestände für Material und die fertigen Teile. Liefertermine können zuverlässig eingehalten werden und diesbezügliche Reklamationen der Auftraggeber sind fast ausgeschlossen.

Das Unternehmen Eaton Industries nutzt für seine Produktiosstätten in der Vorfertigung für das Spritzgießen und Stanzen die Planungssoftware Fekor des Softwareherstellers FLS, Eschweiler. Im Werk Holzhausen werden Leistungsschalter und im Werk Dausenau Befehls- und Meldegeräte für Gerätefronten produziert. Das Spektrum der Spritzgießteile umfasst etwa 600 bis 700 Produkte mit einer Stückzahl bis 16 Millionen pro Monat. Hinzu kommen rund 500 bis 600 Stanzartikel mit ebenfalls bis zu 11 Millionen Teilen pro Monat. Über 1.000 aktive Aufträge laufen auf über 60 Maschinen.

Bereits 1989 erkannte man im Unternehmen, dass die manuelle Produktionsplanung zu viel Zeit beanspruchte und zu unflexibel war. Alltägliche kurzfristige Änderungen, die jede Planung nach ein oder zwei Stunden ohnehin Makulatur werden lassen, konnten nicht berücksichtigt werden. Für die Werkzeugverwaltung gab es ein ähnliches Problem: Die hierfür verwendeten Tabellen waren selbst gestrickt. Wenn der Verantwortliche krank war, stieß das System schnell an seine Grenzen.

Die Alternative war die Planungssoftware Fekor, welche die spezifischen Bedürfnisse des Spritzgießens berücksichtigte. Sie sortierte unter anderem die Farbreihenfolge von hell nach dunkel und minimierte so die Anzahl der Reinigungsvorgänge. Außerdem wurden die Aufträge so auf die Produktion übertragen, dass in einer Maschine möglichst lange gleiches Material verwendet wurde.

Graphische Darstellung wichtig

Ausschlaggebend war für den Verarbeiter die graphische Darstellung der Software und damit das schnelle Erfassen der Informationen durch den Planer. Der Softwareentwickler hatte damals den Leitstand des Systems auf eine grafische Bedienoberfläche umgestellt.

Dies wurde grundsätzlich bis heute beibehalten: Der Planer hat alle Maschinen und Aufträge im Blick. Für jeden Auftrag sieht er einen Balken, der je nach Status unterschiedliche Farben hat. Detailinformationen zum jeweiligen Auftrag erhält er, indem er den betreffenden Balken anwählt. Durch einfaches Drag-and-drop verschiebt er einen Auftrag auf einen anderen Termin oder auch auf eine andere Maschine. Dabei sieht er sofort die Konsequenzen, die seine Aktion für andere Aufträge hat. Die Software sorgt für die notwendige Transparenz: Alle Informationen sind auf Knopfdruck verfügbar. Während viele Prozesse in der Produktion im Grunde gleich geblieben sind, hat sich jedoch die Geschwindigkeit, mit der Informationen verlangt werden, erhöht.

Eaton verwendet die Software für die Feinplanung der Fertigungsaufträge und die Materialfluss-Erfassung. Dabei erhält das System Daten vom übergeordneten SAP-System und der Betriebsdatenerfassung. Es bewertet bei jedem einzelnen Schritt alle kostenrelevanten Faktoren – Personal, Maschinen und Zwischenlagerung ebenso wie produktive und unproduktive Zeiten und minimiert so die Gesamtkosten für den Betrieb. Priorität behält dabei immer, dass die zugesicherten Liefertermine eingehalten werden.

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Über den Autor

Rudolf Merz ist Leiter Produktionslogistik bei Eaton Industries in Holzhausen. Hanns-Jürgen Hüttner ist Geschäftsführer der FLS Fertigungsleitsysteme in Eschweiler.