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Die Halle 11 konfrontierte den Besuche mit der schönen neuen Welt des 3D-Druckens. 3D Systems bespielte den Eingangsbereich der Halle mit einer Kaffee-Bar, Musik und zahlreichen fortwährend aktiven 3D-Druckern. Ein starker Kontrast zu den ansonsten eher nüchtern gestalteten Messeständen. Der Cube ist so etwas wie der erste 3D-Drucker für den Otto-Normalverbraucher, der ganz ohne besondere Vorkenntnisse und großen Investitionen selbst gestaltete Dinge herstellen möchte. Dazu kommt die App Cubify, mit der auf einem Smartphone oder Tablet-PC Produkte gestaltet werden können, um sie später Schicht für Schicht Wirklichkeit werden zu lassen. Dieser 3D-Drucker druckt Exponate in einer Grösse von 14 x 14 x 14 cm. Verwendet wird ABS, welches in Kartuschen in 10 verschiedenen Farben vorrätig ist und für ungefähr 10 bis 12 Objekte ausreicht. Das Material in der Kartusche wird über einen Schlauch an den Extruder geleitet und verarbeitet.

Generativen Fertigungsverfahren prägten die Messe

Mit der Konzeptstudie des weltweit ersten kontinuierlich arbeitenden 3D-Druckers sorgte Voxeljet bereits 2011 für Aufsehen. Jetzt präsentiert der Augsburger Anlagenbauer mit der neuen VXC800 einen zur Serienreife entwickelten 3D-Endlosdrucker. „Die Konzeptstudie kam bei ihrer Vorstellung so gut an, dass wir uns zur raschen Realisierung des Projektes entschlossen. Das Resultat ist ein kontinuierlich arbeitender 3D-Drucker. Die Prozessschritte Bauen und Entpacken laufen parallel, ohne den Betrieb der Anlage unterbrechen zu müssen“, so Ingo Ederer, Geschäftsführer von Voxeljet Technology.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Während auf der einen Seite der Anlage gedruckt wird, kann auf der anderen Seite synchron entpackt werden. Das alles bei laufendem Betrieb. Damit wird insbesondere die werkzeuglose Kleinserien-Produktion von Formen und Modellen für den Metallguss auf Basis von CAD-Daten um eine Dimension schneller, wirtschaftlicher und flexibler. Möglich wird dies durch den patentierten Aufbau mit einem horizontal liegenden Bandförderer, der den Schichtaufbau steuert. Der Bauraum der Serienmaschine misst 850 x 500 mm in Breite und Höhe. Die Länge der Formen ist bei dieser Anlagenform nahezu unbegrenzt, da es keine Längenbeschränkung in Richtung des Bandförderers gibt. Die Maschine arbeitet mit Schichtstärken von 150 bis 400 µm. Erste Auslieferungen sind ab dem zweiten Quartal 2013 geplant.

Colorierte Laser-Sinterteile mit hoher Lichtechtheit

Das Lasersintern ermöglicht zwar den Ausbruch aus den Produktionszwängen, stellt aber hohe Anforderungen an das Erscheinungsbild. Das sognannte E-Coloring ist eine außergewöhnliche Ergänzung für diese Ansprüche. Mit dieser umweltschonenden Technologie lässt sich jedes Kunststoff-Laser-Sinterteil in der gewünschten Farbe liefern. Die Teile behalten alle geometrischen, mechanischen und thermischen Eigenschaften.

Bereits vor einigen Jahren hatte Cipres Technology Systems dieses Konzept entwickelt, welches nun eine große Farbskala aufweist sowie eine hohe Lichtechtheit in allen Farbschattierungen, eine hohe Farbbeständigkeit bei den verschiedenen Polyamidtypen (bleicht im Chlorwasser, Waschbenzin, in Zitronensäure und starken Reinigungsmitteln nicht aus). Auch hat es eine gute Abriebbeständigkeit, Scheuerfestigkeit und vor allem bleibt die Formbeständigkeit erhalten. Polyamide sind von Natur aus empfindlich gegenüber Licht und thermischer und chemischer Oxidation. Die Lichtempfindlichkeit ist bei Laser-Sinterteilen nach einigen Monaten durch ihr gelbliches Erscheinungsbild erkennbar. Bei den gefärbten Lasersinterteilen ist dieser Effekt durch die Farbe kaum zu sehen.

Druck von großen, detailgetreuen 3D-Modellen

Auf der Messe wurde ebenso ein 3D-Drucker vorgestellt, dessen großer Bauraum sich für Prototypen im 1:1-Maßstab eignet. Der Objet1000 bietet einen breiten Anwendungsbereich in Bezug auf Form-, Passform-, und Funktionsprüfungen der Protototypen und vereint eine große Bauplattform mit der Präzision des Inkjet-basierten 3D-Drucks und der Connex Multimaterial-Drucktechnologie von Objet.

David Reis, CEO von Objet: „Kunden verschiedenster Branchen können nun schnell Prototypen in Originalgröße – von ganzen Flugzeug- und Automobil-Baugruppen bis hin zu Haushaltsgeräten fertigen.“ Im Gegensatz zu vergleichbaren Systemen kann man gleichermaßen robuste Gehäuse im Maßstab 1:1 fertigen, die sich bohren, montieren und zusammenschrauben lassen, und die exakte Optik und Haptik kleiner, komplex montierter Konsumgüter simulieren. Mit einer Auswahl an über 100 Materialien bietet dieses System die Möglichkeit, Standardkunststoffe sowie ABS-ähnliche technische Kunststoffe zu simulieren. Darüber hinaus wurde die Einführung eines neuen bioverträglichen Materials (MED610) bekannt gegeben, das sich für den medizinischen und zahnmedizinischen Bereich eignet. Das Material hat fünf medizinische Zulassungen gemäß der harmonisierten Norm ISO 10993-1 erhalten: Zytotoxizität, Genotoxizität, Typ-IV-Allergie, Irritation und Kunststoffe nach USP Class VI.

Materialise aus Belgien zeigte erstmals das neue Release der Magics-Software, die STL-Dateien für das Rapid Prototyping und Additive Manufacturing aufbereitet. Die Software arbeitet nun auf der Basis einer Multicore-Technik, was die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung steigert. Darüber hinaus bietet sie auch neue Funktionalitäten wie zum Beispiel das Erstellen von Reports für das Qualitätsmanagement, das Erkennen von Volumeneinschlüssen (für Stereolithographie) sowie die Verifikation der Platzierungsdichte (für das Lasersintern).

Award für elektrochemisches Abtragen

Den Euromold Award in Gold für ein elektrochemisches Abtragverfahren erhielt die Firma Hermann Bosch. Für ein generatives Fertigungsverfahren für technische Keramik wurde die Firma Lithoz aus Österreich mit dem silbernen Award ausgezeichnet und Bronze ging an Concept Laser für eine generative Metall-Laserschmelzanlage zur werkzeuglosen Herstellung von Bauteilen.

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Über den Autor

Harald Wollstadt ist Chefredakteur des Plastverarbeiter. harald.wollstadt@huethig.de