„Meine berufliche Karriere basiert auf Produktmanagement. Ich bin versiert darin, kommerzielle Prioritäten für praktische Ergebnisse zu setzen.“

Russell Livesey
Geschäftsführer

Sehen Sie Ihr Unternehmen eher als Rohstoff-Lieferant oder als Hersteller eines individuellen Produkts auf Bestellung?

Russell Livesey Manche Einkäufer von Kunststoff-Komponenten und Formulierer betrachten uns als Rohstoff-Lieferanten. Aber es ist äußerst selten, dass es hierbei bleibt. Unsere Kunden verlassen sich auch auf unsere Beratungskompetenz.Und sie erwarten von uns, dass wir die Basiszutaten zu einem Masterbatch transformieren, das konkrete Vorteile liefern wird. Im besten Fall beginnt diese Interaktion frühzeitig, lange bevor ein Transaktionsgeschäft stattfindet. Die ideale Vorgehensweise für alle ist, kollaborative Partnerschaften einzugehen – mit genügend Vorlaufzeit, um die richtigen Lösungen festzulegen und zu entwickeln. Wir liefern nicht nur preissensitive Zutaten, sondern schöpfen mit unseren Produkten und unserer Dienstleistung neue Werte.

Welchen Herausforderungen sehen Sie, um den Verarbeitern wirkliche Unterstützung geben zu können?

Russell Livesey Zunächst müssen wir für die Zukunft investieren, durch neues Equipment, technische Fähigkeiten, zusätzliche Produktlinien, kommerzielle Infrastrukturen und – dort wo dies relevant ist – durch Übernahmen. Des weiteren sind wir gezwungen das Äußerste aus unserem Wissen herauszuholen. Dies betrifft die Art der Materialverarbeitung und die dazu notwendige Technologie. Damit wir sicherstellen können, dass die Ergebnisse beständig und wiederholbar sind und den jeweiligen Standards entsprechen (einschließlich der strengen Norm ISO/TS 16949:2009 in der Fahrzeugindustrie). Wichtig ist auch der Blick über den Tellerrand, um einen Verarbeitungs- und damit Produktionsvorteil für unsere Kunden erringen zu können.

 

„Wir wollen für die Verarbeiter das kosteneffizienteste Masterbatch in den richtigen Mengen, an den richtigen Stellen und zur richtigen Zeit anbieten.“

Josephine Bagnall
Vertriebsleiterin

Was ist wichtiger für die Entwicklung eines Masterbatch – die technischen oder die kaufmännischen Aspekte?

Josephine Bagnall Heute müssen – mehr denn je – beide Aspekte kombiniert werden. Ein hochtechnologisches Produkt, das zu teuer ist, wird das Entwicklungslabor nicht verlassen. Bietet man attraktive Preise, spart aber gleichzeitig an der Qualität, ist das der direkte Weg in die Insolvenz. Deshalb müssen unsere technischen Neuentwicklungen auf einem soliden kaufmännischen Fundament aufsetzen. Beispiele hierfür sind neue Pigmente, die nicht auf Schwermetallen basieren, eine Reihe von Masterbatches zur Verwendung in biologisch abbaubaren Polymeren, hochkonzentrierte Formulierungen, die nur in geringen Mengen zudosiert werden, sowie hochstabile Farbformulierungen. Letztere sind unverzichtbar für bewitterte Anwendungen, wie beispielsweise Kunstrasen oder Stadionsitze. Unsere kaufmännischen und damit strategischen Prioritäten gehen weit über den Preis hinaus.

Wie wollen Sie ihr Unternehmen positionieren?

Josephine Bagnall Kurz gesagt, wir wollen das kosteneffektivste Masterbatch anbieten, mit allen erforderlichen Eigenschaften. Griffbereit in den richtigen Mengen an der richtigen Stelle und zur richtigen Zeit. Hierzu werden wir Partnerschaften eingehen und unsere weltweite Präsenz ausweiten, um überall einen guten Service bieten zu können. Denn bereits 75 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir außerhalb Großbritanniens.

 

„Die Wissenschaft ist wesentlich. Aber gefestigte Fachkompetenz – die Kunst – bedeutet, dass man von vornherein weniger Fragen stellen muss und schneller auf der richtigen Spur starten kann.“

Bob Thomas
Technischer Leiter

Ist die Masterbatch-Herstellung eine Wissenschaft? Oder eher die Kunst die richtigen Eigenschaften von Chemikalien miteinander klug zu kombinieren?

Bob Thomas Zugegeben, die Versuchung ist groß, die Masterbatch-Herstellung als reine Wissenschaft zu betrachten. Es gibt immerhin komplette Bibliotheken mit technischer Literatur hierzu. Aber das würde den uns einschränken, so weit wie möglich zu gehen, um die richtigen Lösungen zu finden. Denn es gibt eine zusätzliche Dimension – nennen Sie es die Kunst – die mit dem wissenschaftlichen Aspekt zusammenwirkt und darüber hinaus geht.

Bitte beschreiben Sie, was Sie damit meinen?

Bob Thomas Natürlich ist es wichtig, die Theorie zu kennen, aber der Erfolg hängt von mehr ab, als nur davon, Daten von einem Blatt abzulesen. Für ein wirklich gutes Masterbatch muss man die Theorie kennen – und von Leuten lernen, die die Dinge nicht nur aus dem Blickwinkel ihrer hart erworbenen Erfahrungen heraus betrachten. Man muss Fakten nicht als gegeben annehmen, sondern über den Tellerrand hinaus denken. Man muss den Stellenwert der F&E-Ergebnisse und der Produktion erkennen, aber die richtigen Fragen stellen. Und man muss wissen, dass das Ergebnis dieser Kunst nicht in der Literatur steht – noch nicht.

Können Sie hierfür konkrete Beispiele nennen?

Bob Thomas Nun, ein Fachmann oder eine Fachfrau mit der richtigen Erfahrung kann Ihnen sagen, ob es eventuell Probleme mit der Druckhaftung geben wird, indem sie lediglich mit der Hand über die Schicht geht, um die Textur zu erfühlen.

Ebenso sollte in der Industrie niemand auf einen Spektrofotometer verzichten, um die Farbe wissenschaftlich zu messen. Die Metamerie aber beschreibt, dass für uns Menschen der Farbwert bei einigen Farben auch von den Lichtverhältnissen abhängt.

Aus der F&E-Abteilung wissen wir, dass mit einem zusätzlichen Masterbatch eine ganze Reihe von Eigenschaften erzielt werden kann – von A für Antiblock bis U für UV-Stabilisierung. Aber, um ungewollte Überraschungen zu vermeiden, dürfen nicht nur die individuellen Eigenschaften, sondern es müssen auch die Auswirkungen der Kombination mehrerer Zusätze berücksichtigt werden. Die besten Ergebnisse in Schwarz erzielt man auf Basis der Tatsache, dass man den Balance-Akt zwischen einer guten Dispersion und der effektiven Färbung eines Produkts schaffen muss: Die Dispersion des schwärzesten Tintenstrahl Carbon Black ist weitaus am schwersten. Zweifelsohne wird die heutige Kunst die morgige Wissenschaft sein

 

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Christine Koblmiller