Ob hochwertiges Markenprodukt oder billiger Baumarktartikel, Motorradhelme bestehen fast komplett aus Kunststoff. Die Schale von hochpreisigen Helmen ist in aller Regel aus Duroplasten und Verbundwerkstoffen wie GFK oder CFK und meist mit relativ viel Handarbeit hergestellt. Dabei wird ein Kompositgewebe mit Polymerharz gemischt und anschließend mit hohem Druck und Hitze zur Rohform gebracht. Ein Wasserstrahl schneidet die Öffnungen für Visier und Lüftung aus. Thermoplaste beschränken sich heute fast nur noch auf sehr günstige Modelle. Der spritzgieß- und massenproduktionstaugliche Werkstoff drückt zwar den Preis, ist aber weniger widerstandsfähig und altert schneller. Das Visier wird generell aus Polycarbonat hergestellt.

Das hat den Vorteil, dass es einerseits hart und widerstandsfähig ist und andererseits nicht splittert, falls es bei einem Unfall zerbrechen sollte. Das Dämpfungsmaterial, das für das Abfedern der Aufprallenergie verantwortlich ist, besteht im Wesentlichen aus Polystyrol. Dessen Vorzüge sind klar: einfach zu verarbeiten, haltbar und kostengünstig. Das Innenfutter moderner Kopfschützer ist aus Polyester. Fast jeder Hersteller verwendet dabei andere Polyesterfasern mit abweichenden Eigenschaften. Grundsätzlich haben Kunststofffasern im Vergleich zu Baumwolle den Vorteil, Feuchtigkeit besser zu transportieren. So bleibt diese nur kurz auf der Haut und das Fahrklima unter der Haube wird verbessert.

Vom Ohrenwärmer zum Kopfschutz

Aber darüber haben sich die Träger im ausgehenden 19. Jahrhundert ohnehin nicht den Kopf zerbrochen. Deren Problem war eher, selbigen vor Wind und Wetter zu schützen. Erst als die Maschinen schneller wurden, wuchs auch der Gedanke, den eigenen Kopf vor unsanftem Bodenkontakt zu schützen. Allerdings bestanden frühe Helme aus Leder, denn es waren am Boden gebliebene Fliegerkappen. In den 1950er Jahren setzten sich Modelle mit Kunststoff-Oberschale durch. 1954 ließ Schuberth, ein deutscher Helm-Hersteller, die Innenauskleidung mit Polystyrol patentieren – ein großer Schritt in Richtung Schlagdämpfung. Die weitere Entwicklung der Helme zielte darauf ab, größere Teile des Kopfes zu schützen. Rundum vor Verletzungen gefeit ist der Kopf aber nur mit einem Integralhelm. Dieser umschließt Kopf, Nacken und Gesicht.

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David Löh