Jetzt liegen Daten bis zum April vor. Wir schauen nach, wie es weiterging. Die Bilanz ernüchtert. Nachdem es in den ersten beiden Monaten noch ein Wachstum von 1,4 Prozent gegeben hatte, stagnierte die Produktion im März und April (1) gegenüber dem Vergleichszeitraum 2011. Man produziert zwar auf Rekordniveau, aber von Wachstum keine Spur. Das kommt dann doch etwas überraschend. Auf die ersten vier Monate (Januar bis April) 2012 gerechnet bleibt noch ein Zuwachs von 0,7 Prozent. Das ist weit entfernt von dem in unserer Jahresprognose erwarteten Zielkorridor zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Um dort noch hin zu gelangen, müsste die Produktion in den Folgemonaten durchschnittlich um zwei Prozent wachsen.

Teilbranchen

Die Halbzeugherstellung (Platten, Folien, Rohre, Profile) hat entscheidend zum mageren Ergebnis beigetragen. Dort kam der Aufschwung schon im dritten Quartal 2011 zum Stillstand (2), seitdem ging es immer schneller bergab, im März/April mit -2,4 Prozent. Man ist fast wieder auf den Stand der ersten vier Monate 2008 zurückgefallen, kurz vor Beginn der Krise 2008/2009.

Für die Verpackungshersteller ging es ab der zweiten Jahreshälfte 2011 mal aufwärts, mal stagnierte die Produktion (3). Dabei hatte es noch im ersten Halbjahr 2011 einen kräftigen Aufschwung gegeben. Im Sommer war damit Schluss. Zu Jahresanfang 2012 sah es zwar erneut nach anziehender Konjunktur aus. Aber wie gewonnen, so zerronnen, im März/April ging es wieder bergab, so dass auf die ersten vier Monate 2012 gerechnet eine Null zu Buche schlägt.

Bei den Baubedarfsproduzenten sah es zu Jahresanfang noch nach einer Beschleunigung des Wachstums aus (4), was verwunderte, war doch bereits im ersten Quartal 2011 die Produktion so stark gewachsen, dass man von einem sehr hohen Plafond ins neue Jahr startete. Eine nur sehr sachte Ausweitung der Produktion wäre deshalb am ehesten zu erwarten gewesen. Vielleicht wurde dieser Effekt jetzt nachgeholt, denn im März/April sank die Produktion gegenüber dem Vergleichszeitraum 2011 um etwa ein halbes Prozent, so dass für die ersten vier Monate nur ein Plus von einem Prozent resultiert.

Bei den Herstellern von Technischen Teilen und Konsumwaren hält das Wachstum hingegen weiter an (5). Zwar gehen die Zuwächse kontinuierlich zurück, aber selbst im März/April konnte diese Teilbranche noch um 2,3 Prozent zulegen. In den ersten vier Monaten stieg die Produktion um 2,8 Prozent. Als einziges Segment erfüllte sie, ja übererfüllte, sie unsere Erwartungen hinsichtlich der Konjunktur.

Umsatzentwicklung

Die Betrachtung der Umsatzentwicklung hilft uns bei der Ursachensuche nach der derzeitigen Flaute nur bedingt weiter. Auch deshalb, weil die Produktion den Umsätzen ja vorausläuft und manchmal auch ungeplant auf Halde produziert wird, weil nicht alles abgesetzt werden kann. Die Wachstumsraten der Umsätze sind über das Jahr kräftig gefallen, im Januar/Februar gab es sogar ein rote Null, im März/April ein kleines Plus von 0,7 Prozent (6). Bisher, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte, war das Inlandsgeschäft Konjunkturmotor. In den ersten beiden Monaten stabilisierte hingegen der Export, während das Binnengeschäft zurückging. Dass im März/April das Inland wieder stärker wuchs als der Außenhandel, liegt am Rückgang der Exporte in die Eurozone. Außerhalb des Euro lief das Geschäft wesentlich besser, auch viel besser als im Inland. Hier zeigen sich die (negativen) Auswirkungen der Rezession im Euroraum und die (positiven) Effekte des schwächelnden Eurokurses, der Exporte aus dem Euroraum verbilligt.

Die Halbzeugbranche noch im letzten Quartal 2011 Umsatzrückgang bewahrt, wesentlich bedingt durch Erfolge in der Eurozone (7). Im Inland ging es damals allerdings schon bergab. Im neuen Jahr stehen fast überall Minuszeichen, lediglich im März/April konnte außerhalb der Eurozone ein geringes Plus von 0,7 Prozent erreicht werden. Der Einbruch im Binnengeschäft ist dramatisch. Anders kann man, angesichts der noch guten allgemeinen Konjunkturlage, die Rückgänge von über fünf bzw. über sieben Prozent nicht nennen. Es liegen noch keine Daten zur Warenproduktion vor, so dass man diese Entwicklung noch nicht näher aufschlüsseln kann. Im nächsten Heft werden wir dieser Frage nachgehen.

Völlig anders die Situation im Verpackungssektor (8), dessen Geschäft nach wie vor wächst, mit sehr bescheidenen Raten um oder unter einem Prozent. Der Inlandsumsatz ist durchgehend im Plus, im Export floriert der Absatz in der Nicht-Euro-Zone, der Euroraum drehte um März/April sehr überraschend ins Plus und lieferte dreifach höhere Zuwächse als der Nicht-Euro-Raum.

Im Baubedarfssektor hält das Umsatzwachstum auch im März/April an (9). Mit über zwei Prozent ist es auch der stärkste Anstieg seit einiger Zeit. Zu verdanken ist dies im wesentlichen dem Inlandsgeschäft. Der Export hat ins Minus gedreht, das heißt die Umsätze mit der Eurozone sind eingebrochen, während sich die Geschäfte außerhalb des Euro von Ausreißern abgesehen schon länger negativ entwickelten. Da der Export in dieser Branche nicht so eine große Rolle spielt wie in den anderen Sektoren, wird das Geschehen aber hautpsächlich vom Inland bestimmt.

Bei den Technischen Teilen und Konsumwaren alles wie gewohnt: alle Absatzmärkte im Plus, wie schon während des ganzen letzten Jahres (10). Nachdem 2011 das Inland das Geschäft antrieb, wechseln inzwischen die Führungsrollen. Im Januar und Februar 2012 brachte der Export deutlich mehr Schub, im März/April expandiert das Inland etwas stärker als der Außenhandel. Der Export profitierte lange vom Boom in der Eurozone, der teilweise stärker war als die Absatzsteigerungen im Inland. Inzwischen hat sich die Dynamik im Euroraum stark abgeschwächt, dafür hat der Export außerhalb des Euros stark beschleunigt. Im Schnitt wachsen die Branchenumsätze um drei Prozent oder mehr, das ist sehr beachtlich, wenn man das starke Wachstum im Vorjahr berücksichtigt. Die Hersteller von Technischen Teilen und Konsumwaren stellen die Mehrzahl der Betriebe, deshalb ist es so wichtig und gut, dass gerade dieses Teilsegment weiter prosperiert.

Fazit und Ausblick

Wie schon festgestellt, ist die Luft nach dem Produktionsrekord im letzten Jahr dünner geworden. Es zeigt, dass das Wachstum dieses Jahr geringer ausfallen könnte. Das bescheidene Wachstumsziel unserer Jahresprognose für 2012 (PV 63 (2012), 1, S. ff) mit Werten zwischen 1,5 Prozent und 2,5 Prozent scheint derzeit außer Reichweite. Ursächlich dafür sind einmal das dicke Minus der Halbzeugbranche und zum anderen die Stagnation im Verpackungssektor. Hoffnung darf die Kunststoffverarbeitung aus dem Wachstum im Baubedarfssektor und bei Technischen Teilen bzw. Konsumwaren schöpfen. Die gespaltene Konjunktur ist ein typisches Zeichen für eine volatile Lage, in der die Situation jederzeit kippen kann. Beim Umsatz zeigt sich, dass das Inland seine Lokomotivefunktion zu verlieren beginnt. Es kommt wieder stärker auf den Export an. Zwar haben die deutschen Verarbeiter Marktanteile in der Eurozone von ihren ausländischen Konkurrenten gewonnen, aber bei rezessiven Entwicklungen können die Marktanteilsgewinne die konjunkturbedingten Nachfragerückgänge nicht ausgleichen. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass in vielen europäischen Ländern eine längere Rezession noch abgewendet werden könnte. Und diese müsste dann zwangsläufig auch Deutschland treffen, auf ewig wird man sich nicht abkoppeln können.

Die Lage der deutschen Wirtschaft ist derzeit noch recht gut, die Stimmung, das heißt die weitere Konjunkturerwartung, hat sich aber merklich eingetrübt. Einige Experten erwarten im zweiten Halbjahr ein Anziehen der Weltkonjunktur ausgehend von den Schwellenländern, andere vermuten eher eine anhaltende Dämpfung der Nachfrage. Bezüglich der Lage in Europa ist man sich aber mehrheitlich einig, dass keine durchgreifende Besserung der Sitaution zu erwarten ist.

Das Jahr muss noch nicht abgeschrieben werden, wie übereifrige Kommentatoren die Stimmungsverschlechterung schon übersetzten. Es gibt durchaus auch Positives (nachlassende Inflation, sinkende Ölpreise, möglicherweise eine Zinssenkung der EZB). Aber unser Wachstumsziel von über 1,5 Prozent müssen wir nach unten korrigieren. Eher wäre dieser Wert die obere Zielmarke, schwer genug zu erreichen. Denn, wie eingangs erwähnt, wäre nach dem schwachen Start in den kommenden Monaten ein durchschnttliches Produktionswachstum von etwa zwei Prozent vonnöten, um in den Bereich der Zielmarken aus der Jahresprognose 2012 vorzustoßen. Das halten wir derzeit für ausgeschlossen.

 

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Winfried Pfenning