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Asien bewegt – uns hier in Europa und als Motor der Weltwirtschaft“, erklärte Dr. Thomas Lindner, VDMA Präsident, anlässlich des Außenwirtschaftstages ASEAN. Die oft unterschätzte Region hat sich vom Lehrling in die Spitzenposition aufgeschwungen. Die Zahlen der Erhebungen und Statistiken belegen es: Die Bedeutung der ASEAN-Region für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau sowie die Kunststoffindustrie nimmt zu.

„Die Zeiten, in denen Asien sich als Lehrling gesehen hat, dem Westen wirtschaftlich und industriell nacheifernd, sind vorbei“, so der VDMA Präsident. Prognosen zufolge werden die drei ASEAN-Mitglieder Indonesien, Malaysia und Thailand mit ihren Volkswirtschaften 2050 zu den dreißig größten Volkswirtschaften weltweit zählen. Vietnam und die Philippinen schaffen voraussichtlich schon bald den Sprung unter Asiens wirtschaftlich erfolgreichste Schwellenländer. Die chinesische Kunststoffbranche erwartet einen neuen Produktionsrekord. Da fast alle Abnehmerbranchen zunehmend wachsen, sind die Aussichten weiterhin positiv. Das beflügelt die Investitionen der Branche und damit auch die Einfuhr von Kunststoffmaschinen ins Land. Insbesondere die deutschen Lieferanten werden von der Nachfrage profitieren. Ferner wächst auch die weltweite Nachfrage nach dem Rohstoff Kunststoff – dank Asien. Im Jahr 2000 belief sich zum Beispiel die globale Nachfrage nach ABS bei rund 4,5 Mio., im Jahr 2010 lag diese schon bei 6,4 Mio. und für das Jahr 2020 prognostiziert das Marktforschungsunternehmen GBI Research 10,1 Mio. Dies würde dann einer jährlichen Wachstumsrate von 5,5  Prozent entsprechen.

Ein Markt mit Chancen und Risiken

Die Nachfrage nach Kunststoffen für Haushalts- und Elektronikgeräte steigt in Asien unaufhörlich, insbesondere in China. Denn durch das wachsende Durchschnittseinkommen der Bevölkerung wird ein erheblicher Nachholbedarf bei diesen Geräten generiert. Davon profitieren nicht nur die Werkstoff- sondern auch die Kunststoff- und Gummimaschinen-Hersteller.

Bereits im Jahr 2010 entfielen 77,3 Prozent der weltweiten Nachfrage nach ABS auf Asien. China als größter Markt hat sich in diesen Zusammenhang auch zum weltweit größten Hersteller für ABS entwickelt und viele Wettbewerbs-Regionen wie den Nahen Osten überholt. Doch es reicht nicht. Das Land muss immer noch eine beträchtliche Menge an ABS importieren, um die Nachfrage im eigenen Land zu befriedigen.

Dieses Marktgeschehen schafft einen großen Spielraum für Investitionen in weitere ABS-Kapazitäten. Zudem zeigt der ABS-Marktbericht von GBI Research, dass die Entwicklung neuer ABS-Blends, ähnlich wie bei Mischungen mit PBT (Polybutylenterephthalat), PA 6 und flüssigkristallinem Polymer (LCP), weitere neue Anwendungsfelder für den Werkstoff erschließen und somit die Nachfrage nochmals steigern und sich auch auf die Nachfrageseite der weltweiten ABS-Industrie konzentrieren wird. Die Entwicklung wird dabei wesentlich getragen von den großen Abnehmersektoren wie Verpackungstechnik, Immobilien- und Kraftfahrzeugbau.

Spitzenzuwächse in China und Ostasien

Der boomende chinesische Kunststoffmarkt zog 2011 auch den Import von Kunststoffmaschinen wieder steil nach oben. Nach dem Rekordjahr 2008, als die Auslandsbezüge gegenüber dem Vorjahr noch um 11,6 Prozent auf 2.858 Mio. US$ angestiegen waren, stürzten die Maschinenimporte 2009 um 29,2 Prozent auf 2.023 Mio. US$ ab. 2010 lief für ausländische Kunststoffmaschinen-Lieferanten wieder deutlich besser. Im Gesamtjahr stiegen die chinesischen Importe im Vergleich zur Vorperiode um 50,6 Prozent auf 3.047 Millionen US$. 2011 dürfte dann für ausländische Maschinenlieferanten das beste Jahr der Geschichte geworden sein. Damit bleibt das Reich der Mitte der mit weitem Abstand größte Kunststoffmaschinen-Importeur der Welt. In den letzten zehn Jahren haben die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer den Asienanteil beim Export von 17 auf jetzt rund 30 Prozent fast verdoppelt. Mit einer Rate von 40,9  Prozent weist die gesamte Absatzregion Ostasien eine starke Steigerung aus. Auch die Lieferungen in die Republik Korea sind erneut gestiegen; das Land lag damit 2011 auf Rang 6 der wichtigsten Absatzmärkte. Die Kunden in Taiwan haben mit einem Bestellplus von 33,4 Prozent ebenfalls zugelegt. Der Anteil Asiens an den gesamten deutschen Exporten ist auf 38,4 Prozent gestiegen.

Bei technischen Kunststoffen zieht Seoul nach

Südkorea ist nach den USA, China, Deutschland und Japan einer der weltweit größten Hersteller von Standardkunststoffen und verzeichnet ein florierendes Exportgeschäft. Auch bei technischen Kunststoffen zieht Seoul nach. Mit seinen nur 48 Mio. Einwohnern, entwickelte sich das Land in den vergangenen Jahrzehnten von einem armen Agrarstaat zu einer der dynamischsten Exportwirtschaften der Welt. Die deutschen Ausfuhren nach Südkorea erhöhten sich bereits 2010 um rund 30 Prozent und übertrafen die Marke von 10 Mrd. Euro. Damit ist Südkorea der drittwichtigste Abnehmer deutscher Waren in der Region Asien-Pazifik und verdrängte Indien von dieser Position. Eine Studie des Forschungsinstituts Prognos sagt mittelfristig ein zusätzliches Marktpotenzial für den deutschen Maschinenbau in Südkorea von bis zu 7  Mrd. US$ voraus. 2010 erreichten die deutschen Lieferungen von Maschinen und Anlagen 2,6 Mrd. Euro und waren auch 2011 stark gewachsen.

Nach Angaben der GTAI (Germany Trade & Invest, Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing) nimmt die Kunststoffverarbeitung mit einem Anteil von etwa drei Prozent an der Gesamtproduktion in Südkorea eine wichtige Position in der chemischen Industrie ein. Der Umsatz der inländischen Hersteller von Halb- und Fertigwaren aus Kunststoff beläuft sich auf mehr als 20 Mrd. Euro. Zu den wichtigsten Segmenten gehören Kunststoffprodukte für den Maschinenbau sowie Erzeugnisse aus Primärkunststoffen. Investitionstreiber für die Kunststoffindus­trie sind vor allem die Elektronik und die Kfz-Industrie.
Aber trotz des insgesamt günstigen Umfeldes klagen die Kunststoffhersteller über den Margendruck.

Gefürchtet sind insbesondere die hohen Schwankungen der Erdölpreise, zumal Chinas Ölversorgung zu mehr als 55 Prozent von ausländischen Lieferungen abhängt. In der Folge fluktuieren die Preise für Vorprodukte wie Primärkunststoffe teilweise erheblich. „Chinas Kunststoffindustrie tritt in das Zeitalter hoher Produktionskosten ein“ titelte der Branchenverband in einer Analyse im August 2011. Danach litten insbesondere Verarbeiter von PP- und PE-Erzeugnissen unter dem hohen Erdölpreis, während es PVC-Abnehmer weitaus weniger traf.

 

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Harald Wollstadt