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Mit knapp neun Prozent ihres Umsatzes investieren die Unternehmen mehr in den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E) als die meisten anderen Industrie-Branchen. Das spiegelt sich im Umsatzanteil von knapp 32 Prozent innovativer Produkte, das heißt, der Produkte, die seit weniger als drei Jahren am Markt sind, wider. Die deutschen Medizintechnik-Hersteller konnten ihren Umsatz 2011 nur moderat steigern, leider liegen genaue Zahlen noch nicht vor. Für das Gesamtjahr rechnet der Branchenverband Spectaris, Berlin, dennoch mit einem zweistelligen Umsatzwachstum. „Die Medizintechnik setzt ihren Erfolgskurs der vergangenen Jahre fort. Nach einem Plus in 2010 sind die Umsätze auch in 2011 weiter gewachsen“, fasste Geschäftsführer Tobias Weiler von Spectaris, die Entwicklung zusammen. Insbesondere die Exportquote von 66 Prozent sorgte für positive Impulse.

Eucomed, der europäische Dachverband der Medizinprodukteindustrie mit Sitz in Brüssel, schätzt den Weltmarkt für Medizintechnik auf derzeit 184 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 80 Milliarden Euro auf die USA, 20 Milliarden auf Japan und auf Europa als eines der expansivsten Absatzgebiete rund 55 Milliarden Euro. Im Schnitt wenden die europäischen Staaten 8,4 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) jährlich für die Gesundheit auf. In Deutschland, innerhalb Europas der größte Binnenmarkt, sind es sogar elf Prozent des BIP, die im weitesten Sinn in die medizinische Versorgung fließen.

Hochleistungskunststoffe in der Medizintechnik

Neben Metall, Glas, Keramik werden mit steigender Tendenz Kunststoffe eingesetzt. Ganz exakt lässt sich das kaum quantifizieren, weil die Zuordnung problematisch ist. Doch für die Werkstoffe aus dem Baukasten der Chemie eröffnen sich ganz generell auf diesem Feld lukrative Wachstumschancen. Mit ihren spezifischen Eigenschaften, ihren flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten und nicht zuletzt aufgrund ihrer kostengünstigen Verarbeitung bieten sie im Vergleich zu den konventionellen Materialien handfeste Pluspunkte. Der Anteil der Kunststoffe in der Medizintechnik wird momentan mit über 50 Prozent beziffert. Sogenannte Standardmaterialien wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS) und Polyvinylchlorid (PVC) sind die in diesem Einsatzgebiet am meisten verwendeten Kunststoffe. Etwa 80 Prozent des gesamten Verbrauchs entfällt auf diese Sortierungen. Bei den restlichen 20  Prozent handelt es sich um technische Kunststoffe wie Polycarbonat (PC), Polyamid (PA), Polyurethan (PUR), Polyester (PET) oder auch Copolymere, wie beispielsweise ABS (Acryl-Butadien-Styrol).

Neben PE mit knapp 30 Prozent ist nach wie vor PVC mit rund 29 Prozent einer der wichtigsten Werkstoffe im Segment Healthcare, zu dem außer der Medizintechnik auch die Bereiche Pharmazie und Hygiene gehören. Im medizinischen Sektor wird PVC beispielsweise für Infusion- oder Dialysebeutel, für eine Vielzahl von Schlauchsystemen, für Sauerstoffzelte, Katheter oder auch als Folie für Verpackungen von Medikamenten benutzt. Als Alternative zu PVC profiliert sich zunehmend PP mit jährlichen Zuwachsraten von sieben Prozent. Unter den technischen Polymeren hat sich PC eine sehr gute Position im Medizinmarkt erobert. Zu den traditionellen Applikationen dieses Werkstoffs zählen hier Dialysatoren und Blutoxygeneratoren, zu den jüngeren Anwendungen druckfeste Ampullen für nadellose Injektionssysteme oder Inhalatoren für Asthmakranke. Ganz aktuelle Einsatzgebiete sind sogenannte „Lab-on-a-Chip“-Einrichtungen oder auch miniaturisierte Analyse- oder Diagnosegeräte, wie sie zur Messung des Blutzuckers oder zur Proteinanalyse benutzt werden.

Leistungsshow für die Anbieter

Die guten Prognosen für die Zukunft und die Aussichten auf weitere Expansion der Medizintechnik in kommenden Jahren wecken auch Begehrlichkeiten oder setzen zumindest neue unternehmerische Aktivitäten frei. Alle in der Medizintechnik involvierten Unternehmen sind davon überzeugt, dass der Trend zu mehr Bedarf und damit zu mehr Geschäftsvolumen im Bereich der Heilkunst und Altenpflege in den folgenden Jahren anhält. Die Attraktivität polymerer Werkstoffe werden deshalb auch die Exponate des Themenparks der Zeitschrift Plastverarbeiter mit der Sonderausgabe Medplast im Rahmen der Fakuma bestätigen. Sie werden auf die speziellen Anforderungen der Medizintechnik eingehen und Themen wie physiologische Unbedenklichkeit, wiederholte Sterilisierbarkeit, Stressabbau durch Design sowie das große Potential zur Kostensenkung darlegen.

 

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Harald Wollstadt