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Auch fast vierzig Jahre nachdem die ersten Figuren in den Handel kamen, stehen Kinder mit leuchtenden Augen vor den Regalen, die mit den typischen blauen Pappschachteln gefüllt sind. Cowboys und Indianer sowie Bauarbeiter inklusive stereotypem Bierkasten waren die ersten Serien. Später folgten Ritter und Burgen, Polizisten in passendem Hubschrauber, Ponyhöfe, Krankenhäuser samt Personal und Fahrzeuge. Kritiker könnten sich an den häufig streng auf Jungen und Mädchen ausgerichteten Szenarien stören. Auf der anderen Sei­te allerdings bringen diese damit auch das kreative Spiel von Brüdern und Schwestern zusammen: Krankenschwestern kümmern sich rührend um verletzte Ritter. Und auf Ausritten verlorengegangene Reiterinnen finden Schutz und Unterkunft im nahegele­genen Indianerlager.

An den 7,5 cm großen Kunststoff-Figuren erfreuen sich kleine und große Kinder seit 1974. Damals gab Firmeninhaber Horst Brandstätter angesichts der Ölkrise und dem damit verbundenen rasant steigenden Kunststoff-Preis seine ablehnende Haltung gegenüber der Erfindung von Hans Beck, dem damaligen Leiter der Entwicklungsabteilung, auf. Die Daseinsberechtigung von Playmobil-Figuren bestand anfangs also darin, dass sie bei der Herstellung vergleichsweise wenig Material verbrauchten. Zuvor produzierte die Firma Geobra-Brandstätter aus dem fränkischen Zirndorf vor allem Garten- und Kindermöbel aus Kunststoff. Heute erwirtschaftet das Unternehmen den Großteil seines Umsatzes mit dem bunten Kunststoff-Spielzeug: Von 564 Millionen Euro Gesamtumsatz im Jahr 2011 entfielen 505 Millionen Euro auf Playmobil.

An diesem Erfolg hat auch das Chemieunternehmen BASF, Ludwigshafen, Anteil: Von Beginn an liefert der Rohstoffhersteller das Ausgangsmaterial Ultraform, ein ABS-Kunststoff. Dieser besteht aus einer Gerüstphase aus Styrol-Acrylnitril-Copolymer, die das Spiel­zeug steif und fest macht, und einer elastischen Phase aus Polybutadien, die Stoßenergie abfedert. Damit hält die Ritterburg auch schwersten Angriffen stand, und das edle Ross übersteht auch wütende Trampelattacken von Geschwistern. Sehr wichtig für die Produktion ist außerdem, dass sich ABS-Kunststoffe leicht färben lassen. Über 600 verschiedene Farben sind möglich. So bekommen die Ritter, Taucher und Krankenschwestern ihr jeweils passendes Outfit. Diese werden übrigens wie alle Figuren der Marke auf Malta produziert. 78 Millionen Stück pro Jahr. Den Rest, Polizei­autos, Flugzeuge und Co, stellen Fabriken in Spanien und Tschechien und das Stammwerk in Zirndorf her: Dort laufen 400 Spritzgießmaschinen rund um die Uhr und spucken sechs Millionen Teile pro Tag aus. Dazu benötigen sie 17.000 Tonnen Kunststoff jährlich. Die Montage macht daraus an jedem Arbeitstag 65.000 blaue Packungen, die Kinderaugen weltweit zum Leuchten bringen.

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David Löh