Jetzt liegen die (vorläufigen) Daten zur Produktion und zum Umsatz in Betrieben ab 50 Beschäftigten vor. Damit können wir eine erste Bilanz für 2011 ziehen. Die Produktion stieg preisbereinigt um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr (1) auf ein neues absolutes Höchstniveau, das seinerseits wiederum vier Prozent über dem letzten Spitzenwert aus dem Jahr 2007 liegt. Dabei wurden in allen vier Quartalen Rekorde eingefahren. Sechs Prozent Plus liegen jenseits aller Erwartungen, wir hatten für 2011 ein Wachstum von bis zu fünf Prozent vorhergesagt. Wie prognostiziert hat sich die Aufwärtsdynamik im Laufe des Jahres abgeschwächt, aber nicht so schnell und so stark, dass das zweistellige Wachstum im ersten Quartal deutlicher verwässert wurde. Im vierten Quartal hat sich die Wachstumsrate gegenüber derjenigen des dritten Quartals sogar halbiert, auf „nur noch“ 2,1 Prozent, aber auch das übertrifft alle Prognosen. Abweichungen nach oben nehmen wir aber gerne und mit Freuden hin. 2011 war ein richtig gutes Jahr, ein Aufschließen zu alter Stärke und ein Aufschwung auf neue Höhen. Mit der Folge allerdings, dass die Messlatte für 2012 demnach sehr hoch liegt. 2012 wird deshalb ein spannendes Jahr.

Ergebnisse aus den Teilbranchen

Die Halbzeugherstellung (Platten, Folien, Rohre, Profile) hat 2011 ein neues historisches Rekordniveau erreicht (2), mit einem Wachstum von immerhin 3,7  Prozent. Sie liegt aber nur 1,2 Prozent über dem früheren Hoch aus dem Jahr 2007. Ursache für den geringeren Fortschritt im Vergleich zur Gesamtbranche ist der Stillstand im dritten Quartal und ein neuerlicher Produktionsrückgang um 1,3 Prozent in den letzten drei Monaten 2011. Es ist unklar, was das letztlich für 2012 bedeutet, auf jeden Fall muss man sich auf bescheidenere Zielmarken einrichten.

Die Verpackungshersteller haben 2011 mit einem Wachstum von 4,3 Prozent ebenfalls einen neuen Produktionsrekord erzielt (3), 5,3 Prozent über dem Vorkrisenhoch von 2007. Da die Verpackungsbranche von der Rezession geringer in Mitleidenschaft gezogen wurde als andere Teilbranchen, war das Aufholpotential geringer, und man konnte schon 2010 einen neuen Höchststand der Produktion feiern. Nachdem sich das Wachstum im Jahresverlauf 2011 zuerst verlangsamt und dann im dritten Quartal zum Erliegen gekommen war, gab es völlig überraschend in den letzten drei Monaten 2011 ein Plus von 7,4 Prozent. Damit ist die Produktion am Jahresende noch stärker gewachsen als am Jahresanfang. Zur Ursache dieser unerwarteten Entwicklung kommen wir weiter unten.

Die Baubedarfsherstellung erzielte 2011 mit einem Plus von 5,2 Prozent einen neuen historischen Produktionsrekord (4), nachdem man im Vorjahr das Vorkrisenhoch von 2006 auch schon einstellen konnte. Auch hier hat das Wachstum im vierten Quartal wieder angezogen, während es zwischen Juli und September schon fast eingeschlafen schien. Grund dafür dürfte unter anderem der überraschend milde Winter gewesen sein, in dem die Bautätigkeit nicht in den üblichen Winterschlaf verfallen musste.

Bei den Produzenten von Technischen Teilen und Konsumwaren hielt das hohe Wachstum das ganze Jahr über an (5). Zwar halbierte sich im letzten Quartal die Zuwachsrate im Vergleich zum Vorquartal beinahe, aber bei mehr als fünf Prozent Wachstum kann man nur von anhaltendem Aufschwung sprechen. 2011 konnte auch die letzten Einbußen während der Krise wettgemacht werden, das neue historische Rekordniveau liegt 4,3 Prozent über dem Wert des Jahres 2007. In letzten Heft hatten wir nachgewiesen, dass dieser Erfolg vor allen den Technischen Teilen zu verdanken ist, während die Fertigwaren noch Nachholbedarf haben.

Umsatzentwicklung

Das Inland war das ganze Jahr über der Hauptmotor für den Aufschwung, das Wachstum aus dem Auslandsgeschäft blieb dahinter zurück (6). Im dritten Quartal waren die Zuwächse im Export sogar nur noch ungefähr halb so hoch wie im Binnenmarkt. Verantwortlich dafür waren wiederum die Geschäfte außerhalb der Eurozone, entgegen den Erwartungen blieben die Umsatz-Zuwächse dort hinter denen in Euro-Ländern zurück. Im vierten Quartal hat sich die Situation umgekehrt, der Export in Länder außerhalb der Eurozone wächst mehr als doppelt so schnell wie in den Euroraum, sogar schneller als die Inlandsnachfrage.

In der Halbzeugbranche übernahm die Inlandsnachfrage im ersten Quartal die Rolle als Wachstumsmotor (7) und sorgte für zweistellige Zuwächse. Nachdem sich die Wachstumsraten im zweiten Vierteljahr und dann nochmal im dritten Quartal stark abgeschwächt hatten, wurde das Wachstum im Export wieder stärker als im Inland. Hier leistet die Eurozone den eigentlichen Beitrag.

Ein völlig anderes Bild bietet der Verpackungssektor (8). In diesem Segment trug bisher das Inland den sehr stabilen Aufschwung mit Wachstumsraten zwischen fünf und sieben Prozent. Die Auslandsnachfrage verharrte dagegen permanent im Minus. Im letzten Quartal 2011 wurde im Inland aber nur noch ein schwarze Null erzielt; hingegen stellte sich im Export ein schmales Wachstum von etwa einem Prozent ein. In der Eurozone laufen die Geschäfte zunehmend schlechter außerhalb des Euroraumes kehrte im zweiten Quartal zunehmendes Wachstum ein, welches sich im vierten Quartal explosionsartig auf über 14 Prozent katapultierte. Dies ist aber vor dem Hintergrund des zweistelligen Rückgangs im vierten Quartal 2010 zu sehen. Berücksichtigt man diesen Basiseffekt liegt das Wachstum beim Umsatz außerhalb der Eurozone durchaus im Rahmen, bei etwa drei Prozent. In der Summe hatten wir im letzten Quartal nur noch ein schwaches Gesamtwachstum in der Branche von weniger als einem Prozent. Der Aufschwung im Außenhandel könnte aber die Richtung andeuten, aus der die oben erwähnte schlagartige Produktionszunahme im letzten Quartal 2011 genährt wird. Wenn dem so ist, müsste sich das bei den Umsätzen im ersten Quartal 2012 zeigen.

Im Baubedarfssektor war das Inland bisher klarer Konjunkturmotor (9). Im zweiten Quartal 2011 hat sich hier das Wachstum stark abgeschwächt, im dritten Quartal gab es dann einen Umsatzrückgang, der im vierten Quartal wieder von Aufschwung abgelöst wurde. Das Auslandsgeschäft schwankt, mal wächst es, mal schrumpft es. Ursächlich für diesen Zickzackkurs ist die Nachfrage von außerhalb der Eurozone, in den Euroländern lief das Geschäft das ganze Jahr über gut. Im letzten Quartal wuchsen Inland wie Euroraum sowie Nicht-Eurozone fast im Gleichtakt.

Bei den Technischen Teilen und Konsumwaren sind alle Absatzmärkte in allen Quartalen im Plus. Es wechselten lediglich die Führungsrollen (10). Anfangs puschte der Export, im dritten Quartal übernahm das Inland. Sorgten überwiegend die Märkte in den Euroländern für den Schub im Auslandsgeschäft, übernahm diese Aufgabe im letzten Quartal die Nicht-Eurozone. Das Wachstum hat sich generell – verglichen mit den Werten vorher – stark abgeschwächt, liegt aber überall bei vier Prozent und darüber.

Fazit und Ausblick

Das Jahr 2011 setzte Maßstäbe und ließ die Kunststoffverarbeitung von einem hohen Produktionsniveau ins neue Jahr starten. Die Luft nach oben wird dünner. In unserer Jahresprognose im Januar hatten wir für 2012 ein bescheidenes Wachstumsziel zwischen 1,5  Prozent und 2,5 Prozent ausgerufen.

Die Jahresbilanz 2011 mit dem überaus robusten Erscheinungsbild der Branche auch noch zum Jahresschluss veranlasst uns dazu, diese Prognose zu bekräftigen. Allen Unsicherheiten zum Trotz scheint die Lage im Augenblick noch stabil. Wir nehmen daher an, dass die Branche gut ins neue Jahr gestartet ist und erwarten kurzfristig keine Veränderung der Lage. Ein Wachstum von zwei Prozent und darüber scheint wahrscheinlich. Auf mittlere Frist – etwa in der zweiten Jahreshälfte 2012 könnte sich die gesamtwirtschaftlich Lage nachhaltiger eintrüben.

Sollte das der Fall sein, dürfte sich das auch auf die Kunststoffverarbeitung auswirken. Andererseits profitiert die Branche davon, dass Kunststoffe sich derzeit rasant neue Anwendungsfelder erschließen. So werden im Autobau teilweise schon Teile für Kunststoffe ins Visier genommen, von denen man vor nicht allzu langer Zeit noch geglaubt hatte, dass das unwahrscheinlich sei, zum Beispiel bei Federungen. Für die Branche stellt sich hier die Frage, wie stark solche Effekte die Auswirkungen von möglichen Konjunkturkrisen kompensieren können. Kommt es zu einer Baisse nimmt die Innovationsfreude ab, was wiederum Auswirkungen auf die Ausweitung des Kunststoffeinsatzes hat. Aber Neuerungen bleiben trotzdem nicht aus.

Die Kunststoffbrache darf daher darauf setzen, dass sie im Trend der Zeit liegt: Wie schnell ihre Märkte expandieren können, bestimmt zwar die Konjunktur, aber sie ist einigermaßen gegen Schwankungen gefeit, weil der Kunststoffeinsatz zunimmt. Es gibt wenige Branchen, die so beruhigt in die Zukunft schauen können. Und die gute Nachricht für die deutschen Verarbeiter: Sie sind und werden vorne mit dabei sein.

 

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Winfried Pfenning