Hohe Internationalität bei den Besuchern Die 18. Euromold ist am 2. Dezember 2011 mit einer guten Besucherresonanz zu Ende gegangen. 57.955 Besucher aus 97 Nationen fanden den Weg nach Frankfurt. Damit steigerte die Messe für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung die Besucherzahl um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Eberhard Döring, Geschäftsführer des Veranstalters Demat, ist zufrieden: „Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Verlegung auf die Messetage Dienstag bis Freitag bewährt hat und von den Besuchern angenommen wurde.“ Mit einem Auslandsanteil der Besucher von 36,4 Prozent unterstreicht die Veranstaltung ihr weltweites Ansehen als Leitmesse der Produktentwicklung. Zahlreiche Industrie-Delegationen informierten sich in den Messetagen über technische Neuheiten und knüpften Kontakte für internationale Kooperationen. Dazu zählten Vertreter aus Korea, Japan, Russland, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), darunter auch die internationalen Kooperationspartner des Messeveranstalters für ihre Auslandsmessen. 1.324 Aussteller aus 38 Ländern präsentierten in den Hallen auf dem Frankfurter Messegelände ihre Produkte und Serviceleistungen. In Halle 11.0 lag ein besonderes Augenmerk auf den Rapid-Technologien. Neben neuen Materialien, Software und verschiedenen 3D-Druckern, war auch einer der kleinsten 3D-Drucker der Welt zu sehen. Darüber hinaus fanden auch die Sonderschauen „e-Production für Jedermann“ und „Deutscher Werkzeugbau – Wir schaffen Werte“, sowie das Gastland Korea und die erstmalig veranstaltete Karrierebörse großen Anklang. Ebenso die 13. internationale „Wohlers Conference“ und der Formula Student Workshop.

Leroxid gewinnt Euromold Award

Mit dem Werkzeug-Formeinsatz „Dimacer“ aus erodierbarer Keramik gewann das Unternehmen Leroxid, Hochdorf, den Euromold Awards 2011 in Gold. Damit lassen sich längere Standzeiten von Werkzeugen beim Spritz- und Druckguss erreichen. Die Werkzeug-Formeinsätze sind leitfähig, dabei dennoch fest und bruchzäh. Dimacer lässt sich nach Herstellerangaben erodieren ohne dabei einen Festigkeitsverlust aufzuweisen. Zum Einsatz kommt die Keramik unter anderem als verschleißfeste Auskleidung in Spritzgießwerkzeugen, wo sie die Standzeit der Formen auf ein Vielfaches verlängert. Mit der Entwicklung dieser Werkzeug-Formeinsätze hat die Firma Leroxid eine werkstoffliche Lücke geschlossen. Für das Spritzgießen abrasiv wirkende Werkstoffe benötigen Anwender Formen mit hoch verschleißfester Auskleidung, für die sich Hochleistungskeramiken aufgrund ihrer Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und Zähigkeit bestens eignen.
Der Euromold Award in Silber ging an die Deckerform Technologies für die „3K-Monosandwich-Formen“, wodurch sich die Herstellungskosten für statisch hochbelastete Kunststoffteile deutlich senken lassen. Einfarbig mit 3-schichtiger Wandstärke sind Formen so aufgebaut, dass eine dünne Außenhaut aus Polypropylen (PP) eine massive Mittelschicht aus PP-GF50 (zu 50 Prozent Glasfaser verstärkt) umschließt. Eine dritte Komponente spritzt die zweite Farbe im gleichen Spritzzyklus und Werkzeug einseitig als vierte Randschicht auf das Monosandwichteil auf. Dieser Schichtaufbau verleiht beispielsweise einer Sitzschale Stabilität und Federhärte. Dabei ermöglicht die Technik den Einsatz von günstigerem PP als Werkstoff und eine kostengünstige Produktion. Den EuroMold Bronze Award gewann die Rud Ketten Rieger & Dietz für das Rud-ID System, einem elektronischen System zum sicheren und schnellen Prüfen, Dokumentieren und Verwalten. Den Euromold-Award erhalten jedes Jahr innovative und zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen.

Schneller am Ziel

Vorherrschend zeigten die Aussteller auf der Messe neue Produkte, die dazu beitragen schneller in die Form zu kommen. Siemens zeigte Möglichkeiten auf, Bearbeitungsvorgänge im Werkzeug- und Formenbau produktiver und schneller umzusetzen. Das CNC-System Sinumerik bietet – von der Idee bis zur fertigen Form – stehts eine Lösung. Von der Arbeitsvorbereitung über das Einrichten an der CNC-Steuerung bis hin zur Fertigung, die CNC-Plattform unterstützt den gesamten Bearbeitungsprozess. Tebis, Martinsried, stellte im Rahmen der Messe das Release 3 der aktuellen Version 3.5 vor. Von den über 40 Neuerungen lässt sich beispielhaft die Änderungsverfolgung hervorheben. Diese zu beherrschen ist heute in jeder Fertigung unverzichtbar. Daher enthält jeder Tebis-Arbeitsplatz Funktionen für den Geometrievergleich. So lassen sich geänderte und identische Bauteilbe-reiche zielsicher identifizieren. Durch eine Erweiterung dieser Funktion lassen sich große und komplexe Dateien nun leichter vergleichen. Dafür gibt es jetzt eine Möglichkeit, zunächst die Datenstrukturen gegenüber zu stellen, wobei die Software Abweichungen in den Bezeichnungen beispielsweise aufgrund von Änderungsindizes berücksichtigt.
Den Programmieraufwand senken, die Bearbeitung effizienter gestalten, das war der Ansatz der neuen Features von Open Mind, Wessling. Der CAM-Software-Hersteller zeigte das System Hypermill in der Anwendung beim Werkzeughersteller Emuge-Franken, Lauf, auf einer Hermle C30. Neue Funktionen ermöglichen eine einfache, komfortable und zeitsparende Arbeitsweise. Dazu entwickelte das Unternehmen unter anderem intelligenten Makros. Anwender können nun in der CAM-Software für jeden Bearbeitungsschritt definierte Regeln und Bedingungen hinterlegen. Basierend auf diesen Regeln und in Abhängigkeit von den Geometrieinformationen wie Durchmesser, Tiefe, offene oder geschlossene Taschen ordnet das Programm die Bearbeitungsschritte nun automatisch zu und passt diese an.

5-Achs-Bearbeitung mit Drehfunktion

Horizontales, vertikales oder angestelltes Drehen mit A- und B-Achse darf man von einer Drehmaschine, nicht aber unbedingt von einem 5-Achs-BAZ erwarten. Mit der Baureihe C von Heller, Nürtingen, ist dies aber in Zukunft auf einem Bearbeitungszentrum möglich. Spindel-Drehzahlen bis zu 24.000 min-1 und einem schnell drehenden Rundtisch bis zu 1.000 min-1 machen deutlich, dass die Baureihe C mit herkömmlichen BAZ mit integrierter Drehoperation nicht viel gemeinsam hat. So begegnet man den hohen Schnittleistungen unter anderem mit der eigens entwickelten und sehr steifen Schwenkkopf-Geometrie. Um die Baureihe noch drehmomentsteifer und formschlüssiger zu gestalten, stattet sie der Hersteller zudem mit einer Spindelarretierung aus. Dass bei diesem Maschinenkonzept das Drehen einen hohen Stellenwert einnimmt, macht allerdings auch deutlich, dass sowohl für die 5-Achs-Bearbeitung wie für das Drehen die fünfte Achse im Werkzeug ist. So lassen sich horizontal und vertikal mit der C- optional A- und der B-Achse problemlos Außen- und Innendrehkonturen herstellen. Heller bietet die Baureihe in zwei Baugrößen an, die C 2.000 und C 4.000.

Messgerät erhält bessere Ausstattung

Das Koordinaten-Messgerät Duramax hat Carl Zeiss, Oberkochen, mit einer Reihe von zusätzlichen Komponenten und Funktionalitäten ausgestattet. Mit diesen ist die Anwendung zum einen ganz auf den Einsatz in der rauhen Fertigungsumgebung zugeschnitten. Zum anderen unterstützt es besser die Messung mehrerer Werkstücke in einem Durchgang. Es sind zwei Komponenten welche das Gerät unempfindlicher und kompakter machen und die Messergebnisse noch präziser: ein Untergestell für das Messgerät sowie eine Funktion zur Temperaturkompensation. Letztere misst über Sensoren die Werkstück-Temperatur. Die Mess-Software Calypso verrechnet diese anschließend mit den Messergebnissen und berücksichtigt dabei auch den Ausdehnungskoeffizienten des Werkstücks. Dies funktioniert auch in Fällen, in denen mehrere Werkstücke auf einmal platziert und nacheinander zu messen sind.

 

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Harald Wollstadt