Pigmente etwa müssen leicht zu dispergieren sein und chargenunabhängig möglichst gleiche Farbwerte einhalten. Auch im Außeneinsatz sollen sie über viele Jahre ihre Ursprungsfarbe behalten und kaum an Festigkeit verlieren. Doch wie werden die dafür notwendigen Rohstoffeigenschaften definiert, damit es zu keinen Missverständnissen oder gar Streit kommt? Die weltweite Sprache dafür sind Normen und diese tragen bei Einfärbungen dazu bei, deren Qualität festzulegen.

Wie funktioniert die Normung?

Die internationale ebenso wie die europäische Normung basiert auf dem sogenannten Delegationsprinzip, das bedeutet, jedes Mitgliedsland entsendet nationale Experten/Delegierte in die internationalen und europäischen Normungsgremien. Diese delegierten Experten berichten in den zuständigen nationalen Ausschüssen (auch Spiegelgremien genannt) über die Arbeiten in den internationalen und europäischen Gremien. So wird beispielsweise im deutschen Spiegelgremium die deutsche Meinung zu den europäischen und internationalen Normungsthemen beraten und die deutschen Stellungnahmen zu europäischen und internationalen Norm-Entwürfen formuliert. Hinzu kommt das Erarbeiten von Vorschlägen für die europäische und internationale Normungsarbeit und die Benennung der deutschen Experten für die europäische und die internationale Arbeitsgruppe. Darüber hinaus werden, wo notwendig, nationale Normen erarbeitet. Die Expertengremien des DIN Deutsches Institut für Normung, Berlin, sind generell eine gute Plattform, um aktuelle Anforderungen zu artikulieren und Probleme zeitnah zu erfassen. Unternehmen können durch aktive Beteiligung an der Normung technische Regeln nach eigenen Interessen und Vorstellungen mit gestalten.

Die Normung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die erst mit vereinten Kräften ihr volles Potenzial entfalten kann. Wer sich aktiv in den Normungsprozess einbringt, erwirbt einen Wissensvorsprung, kann seine Kosten senken und somit Marktöffnungsstrategien verfolgen. Vom strategischen Instrument Normung können nahezu alle Bereiche eines Unternehmens profitieren: F&E, Vertrieb, Einkauf, Fertigung, Qualitäts- und Systemtechnik, Management, Umweltschutz, Gesundheits- und Arbeitsschutz.

Ausschuss erarbeitet zwei neue DIN-Normen

Der Normenausschuss „Farbmittel für Kunststoffe“ (NA 078-00-05 AA) ist im DIN für die Ausarbeitung von Normen zuständig, welche die Anforderungen und Prüfverfahren für Farbmittel in Kunststoffen festlegen. Zudem begleitet er die Arbeiten des europäischen Komitees „Farbmittel in Kunststoffen“ (CEN/TC 298/WG 1) auf europäischer Ebene und auf internationaler Ebene die Arbeiten des technischen Komitees „Colorants for plastics“ (ISO/TC 256/WG 5).
Experten der Pigment- und Masterbatch-Industrie, die in den Bereichen Labor, Entwicklung und Anwendungstechnik tätig sind, stellen die Mitglieder dieses Arbeitsausschusses. Zusätzlich arbeiten Vertreter von Labormaschinen- und Messgeräteherstellern mit, da Normen teilweise neue Prüfgeräte erfordern, deren Messergebnisse aufeinander abgestimmt werden müssen.

Derzeit wird in diesem Arbeitsausschuss mit den Vorarbeiten zur Erarbeitung zweier neuer, zunächst nationaler DIN-Normen begonnen. Zum einen soll ein Prüfverfahren entwickelt und genormt werden, welches das Bestimmen des Fließverhaltens von Pigmenten ermöglicht. Zum anderen wird die Entwicklung und Normung eines Prüfverfahrens zur Bestimmung der Abrasion durch Pigmente diskutiert. Außerdem wurde beschlossen, die DIN 53774-5 „Prüfung von Farbmitteln in Kunststoffen – Prüfung von Farbmitteln in weichmacherfreien Polyvinylchlorid (PVC-U)-Formmassen – Bestimmung der Hitzebeständigkeit im Dauerwalztest“ zu überarbeiten und dem heutigen Stand der Technik anzupassen.

Aufgrund der gewünschten Internationalisierung des Normungswesens laufen Bestrebungen, neue Normen direkt in europäischen und internationalen Ausschüssen zu erstellen. Dadurch werden Vorschläge und Einwände anderer nationaler Gremien bei der Erarbeitung gleich berücksichtigt und die Verabschiedung einer Europäischen beziehungsweise Internationalen Norm erleichtert. Beispiele für die erfolgreiche Erarbeitung Europäischer Normen sind die DIN EN 13900-5 „Pigmente und Füllstoffe – Dispergierverfahren und Beurteilung der Dispergierbarkeit in Kunststoffen – Teil 5: Bestimmung mit dem Druckfiltertest“ und die kurz vor der Veröffentlichung stehende DIN EN 13900-6 „Pigmente und Füllstoffe – Dispergierverfahren und Beurteilung der Dispergierbarkeit in Kunststoffen – Teil 6: Bestimmung mit dem Folientest“, die beide im europäischen Gremium CEN/TC 298/WG 1 erarbeitet wurden. Diese Normen befassen sich mit der Dispergierbarkeit von Pigmenten und Füllstoffen in Kunststoffen.

Einheitliche Prüfverfahren und Normen

Bei der Internationalen Normungsorganisation (ISO) wurde ein neues internationales Technisches Komitee gegründet, das ISO/TC 256 „Pigments, dyestuffs and extenders“. Auf seiner ersten Sitzung im Januar 2011 im DIN in Berlin haben die Experten des Technischen Komitees beschlossen, sieben Arbeitsgruppen (englisch Working Groups, WG) zu gründen. Die Arbeitsgruppen trafen sich das erste Mal im September 2011 in Wien, Österreich, und berieten über neue Normungsthemen, die zum Teil auf Initiative deutscher Experten zurückgehen.

Das internationale Technische Komitee ISO/TC 256/WG 5 „Colorants for plastic“ beabsichtigt, ein Verfahren zur Bestimmung der Schrumpfung und des Verzuges von Kunststoffen zu entwickeln, wobei der Einfluss von Farbmitteln auf die Schrumpfung und den Verzug von besonderem Interesse ist. Außerdem sollen die erfolgreich in Europa eingeführten Normen der Normenreihe EN 13900 „Pigmente und Füllstoffe – Dispergierverfahren und Beurteilung der Dispergierbarkeit in Kunststoffen“ als EN ISO-Normen veröffentlicht werden. Dadurch wird sichergestellt, dass im Bereich der Farbmittel für Kunststoffe weltweit nach den gleichen Normen gearbeitet wird.

Erhöhte Marktchancen

Normung

Standardisierung stärkt die Funktionsfähigkeit des Europäischen Binnenmarktes und den weltweiten Handel. Ein an der Normung beteiligtes Unternehmen kann so einen Wissensvorsprung vor seinen Mitbewerbern am Markt erzielen, weil es die Inhalte der Normen frühzeitig kennt. Dies trägt zur Investitionssicherheit für das Unternehmen bei. In der Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung in den Normungsgremien können frühzeitig Weichen für die Umsetzung neuer Technologien am Markt gestellt werden.

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Dr. Claudia Laabs