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Saughilfe und Beruhigungssauger sind wohl die am seriösesten klingenden Bezeichnungen für den Babyschnuller. Eltern und Kinder verwenden dagegen meist Nuckel oder ähnliche Namen. Dezibelreduzierer trifft aus Sicht des Kindesumfelds den Sinn und Zweck des Saugers häufig am besten. Kaum verwunderlich, dass sich Eltern bereits vor 4.500 Jahren das Leben mit Schnullern erleichtert haben. Die antiken Exemplare hatten rein äußerlich allerdings wenig mit aktuellen Modellen gemein: Es waren kleine Tierfiguren aus Ton oder Metall mit kleiner Mundöffnung, die mit Honig gefüllt waren. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert bekamen die Babies mit einem süßen Brei gefüllte Beutelchen, an denen sie saugen konnten. Vor rund sechzig Jahren hat Adolf Müller dann die heute bekannte Form des Schnullers entwickelt.

Ob Tier, Beutel oder moderne Gummi-Saughilfe, alle haben gemein, dass sie das angeborene Saugbedürfnis der Babys stillen beziehungsweise ausnutzen – je nachdem, ob die Eltern den Schnuller eher als Beruhigungsmittel für den Nachwuchs oder als Instrument zum Schonen der eigenen Nerven verstehen.

Schädliches Babyglück?

Nervenaufreibend für Eltern war ganz sicher die Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aus dem Jahr 2009: Damals fand der Verein in zehn von ihm untersuchten Babyschnuller-Modellen Bisphenol A (BPA), eine hormonartig wirkende Verbindung, die im Verdacht steht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs zu verursachen. Nur in den mit ‚BPA-free‘ deklarierten Schnullern von MAM entdeckten die Tester keine Spuren der chemischen Verbindung. Ein großer Aufschrei ging durch das Land, worauf Politik und Unternehmen reagierten. Seit Juni 2011 ist BPA in Babyschnullern und -flaschen EU-weit verboten, alle Hersteller haben ihre Produktion umgestellt.

Auf das Material kommt es an

Die Frage, ob das Saugteil aus Silikon oder Naturkautschuklatex sein soll, stellt so manche frisch gebackene Familie vor bisher unbekannte Herausforderungen. Beide haben ihre Vorteile: Silikon ist hitzebeständig und übersteht desinfizierendes Auskochen lange, ohne porös zu werden. Außerdem ist es weicher und daher potenziell angenehmer für die Kleinen. Allerdings reißt es deutlich schneller als Latex, vor allem, wenn die ersten Zähnchen kleine Löcher hineinbeißen. Dann besteht die Gefahr, dass sich Teile ablösen und das Baby sie verschluckt. Latex ist da erheblich reißfester; dafür aber nicht so hitzebeständig. Häufiges Auskochen verträgt das Material weniger gut als Silikon, wodurch der Sauger schneller brüchig wird. Aber egal, was Eltern beim Schnullerkauf abwägen, entscheiden tut am Ende der Anwender: Wenn das Baby den neuen Schnuller nicht mag, spuckt es ihn aus, egal ob aus Silikon oder Latex. Über Geschmack lässt sich nun einmal nicht streiten.

 

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David Löh