Nach einer strategischen Neuausrichtung bietet das gerade 50 Jahre alt gewordene Unternehmen seinen Kunden einen Service, den Anlagenbauer unter dem Begriff „schlüsselfertig“ kennen: Das Wissen jedes Einzelunternehmens des Konzerns steht den Kunden nun gebündelt zur Verfügung – von der Entwicklung eines Produktes bis hin zu dessen Serienreife. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Materialien Holz, Draht, Kunststoff, Stahl und Blech handelt oder Materialkombinationen und Baugruppen. Dies interessiert nicht zuletzt Kunden aus dem Bereich Medizin/Care. Denn hier geht der Trend zur Auswahl weniger Zulieferer, die eine größere Wertschöpfungskette beherrschen und in der Lage sind, komplexe Projekte eigenständig zu realisieren.

Kundenberatung: Von Anfang bis Ende

Als Zulieferer tragen Spritzgießer Mitverantwortung für die Reputation des Kunden. Entsprechend hoch sind dessen Erwartungen an ein Unternehmen, was Kompetenz und Engagement angeht. Ein Vorteil der Paderborner ist hier die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion. Die Projektteams kreieren im engen Kundendialog serienreife Produkte und produzieren diese anschließend im selben Haus, ohne dass Informationsverluste entstehen können. Im direkten Kontakt mit dem Kunden entwickelt der Hersteller aus den definierten Anforderungen Lösungen, um diese marktgerecht umzusetzen.
Ein konkretes Beispiel im Bereich Kunststoffe und Metall ist ein Kinder-Reha-Buggy für ein Unternehmen aus dem Health/Care-Umfeld. Der so genannte Kiwi ist für die Versorgung von Kindern mit einem leichten bis mittleren Handicap konzipiert. Er verfügt über eine leichte und dennoch stabile Fahrbasis, ein modernes Design sowie individuelle Verstellmöglichkeiten. Schon bei der Entwicklung des Buggys konnte der Spritzgießer Ideen einbringen und zur Lösung auftretender Probleme beitragen. Heute liegt die komplette technische Verantwortung, von der Konstruktion über die Werkzeugbeschaffung, der Erstellung diverser Vorrichtungen, der Produktion aller Spritzgießteile, dem kompletten Sourcing der Zukaufteile bis zur Endmontage, Funktionsprüfung und Verpackung aller versandfertiger Buggys, beim Unternehmen.

Die Weichen schon im Entwicklungsstadium stellen

In den regelmäßig gehaltenen Konstruktionsmeetings konnten sich die Partner schon im frühen Konzeptstadium auf die kunststoff- und werkzeuggerechte Gestaltung der Einzelkomponenten verständigen. Es erfolgten Toleranzanalysen aller Funktionsparameter und bei Bedarf auch ein Redesign der Artikel, um bereits bei ersten werkzeugfallenden Teilen eine hohe Funktionssicherheit und später einfache Anpassungsmöglichkeiten zu erhalten. Weiterhin erstellten die Mitarbeiter Füllsimulationen vieler Komponenten, um die Erkenntnisse daraus hinsichtlich Werkzeugentlüftungen, Faserausrichtungen, zu erwartender Verfüge- und Bindenähte mit dem Kunden zu diskutierten und in die Werkzeugauslegung zu übertragen. So konnten die Entwickler bereits aus ersten werkzeugfallenden Teilen einen funktionsfähigen Buggy erstellen.

Materialien nach Anforderung auswählen

Bei dem Kinderwagen handelt es sich um ein komplexes Bauteil: Die mehr als 180 Einzelteile ergeben 65 Spritzgießartikel in den Bereichen Funktion, Mechanik und sichtbaren Oberflächen mit Narbungen auf Maschinen von 25 bis 250 Tonnen. Neben dem Kompaktspritzguss setzte das Unternehmen innerhalb des Produktionsprozesses auch auf faserverstärkte Kunststoffe wie PA6 GF 30 und PA ABS GF20, aber auch POM. Die im Hause vorhandene Nutzungsmöglichkeit zahlreicher unterschiedlicher Technologien inklusive Gas-Innendruck, Heißprägen, Nieten, Schrauben und Verkleben mittels 2K-Reaktionsklebstoffen sowie die Erfahrung im Bereich der Konstruktion ermöglichten präzise Ergebnisse bei der Baugruppenfertigung. Besonders wichtig war das Know-how der Mitarbeiter und der Einsatz von Simulations-Tools wie Moldflow und der FEM-Betrachtung.

Entwicklung, Produktion und Montage aus einer Hand

Die Montagearbeitsplätze, die den geplanten Workflow abbilden, entstanden mit Regal- und Lagersystemen des Schwesterunternehmens Mauser Office, Korbach. Unter Zugrundelegung der 3D-Artikeldaten erstellte der Spritzgießer Montagevorrichtungen der verschiedenen Baustufen und bebilderte diese anhand der ersten Montageproduktion. Darüber hinaus entstand eine Montageanleitungen, die reproduzierbare Ergebnisse hervorbringt und einen eindeutigen Leitfaden für die Mitarbeiter darstellt. Die Funktion jeder Baustufe überprüft und sichert ein ausführender Werker durch abgestimmte Zwischenprüfungen. Vor der abschließenden Kommissionierung und Verpackung bestätigt ein verantwortlicher Prüfer alle Funktionen und Bauausführungen gemäß einem dem Produkt beigelegten Protokoll.

 

ERHÖHTE MARKTCHANCEN

Alles aus einer Hand

Durch den Austausch unter den verschiedenen Einzelunternehmen bietet der Konzern seinen Kunden ein umfassendes Beratungspaket. Er begleitet seine Auftraggeber von der Idee bis zum fertigen Produkt. So können Unternehmen bei jedem Entwicklungsschritt auf die Erfahrungswerte des Spritzgießers zurückgreifen.

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Claus Sagel, Peter Sagel, Florian Goos