Im dritten Quartal 2011 sank die Produktion leicht gegenüber dem zweiten Vierteljahr (1). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg sie aber um 3,9 Prozent, und damit auf einen neuen historischen Rekordstand für ein drittes Quartal. Die Kunststoffverarbeitung boomt weiter. Insgesamt wuchs die Produktion in den ersten neun Monaten um 8,8 Prozent. Selbst gegenüber dem früheren Höchststand aus 2008 reicht das immer noch zu einem Plus von vier Prozent. Man wäre versucht, sich hier entspannt zurückzulehnen und zu sagen: alles in Butter. Doch genaueres Hinschauen zwingt zu differenzierter Bewertung.

Teilbranchen

Anders als in der Gesamtbranche verlief die Produktionsentwicklung im Halbzeugsektor (Folien, Platten, Rohre): Das Wachstum ist dort nicht nur zum Erliegen gekommen, sondern die Produktion im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal sogar minimal geschrumpft (2). Schon im zweiten Quartal hatte sich die Wachstumsgeschwindigkeit fast auf ein Drittel verlangsamt. Trotz allem liegt die Produktion noch immer über den Rekordmarken aus der Vorkrisenzeit. Im zweiten Quartal hatte man sogar einen absoluten Rekordstand erreicht, nicht nur für ein zweites Quartal, sondern über alle Jahre und Quartale hinweg. In den ersten neun Monaten ist die Produktion insgesamt um etwas über 5 Prozent gewachsen, gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008 beträgt das Plus allerdings nur 1,8 Prozent.
Bei den Herstellern von Kunststoff-Verpackungen zeigt sich eine ähnliche Entwicklung wie in der Halbzeugbranche. Auch hier ist die Produktion im dritten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht, um 0,7 Prozent, gesunken (3). Aber selbst dieses Produktionsniveau liegt noch über den Höchstwerten der dritten Quartale vor der Krise. Im ersten und zweiten Quartal 2011 gab es noch gute Zuwächse 5,7 und 4,2  Prozent. Wegen des Rückgangs im dritten Quartal beträgt das Produktionswachstum der ersten neun Monate nur noch drei Prozent. Dies reicht aber immer noch zu einem neuen historischen Produktionsrekord, der 2,3 Prozent über dem letzten Hoch 2008 liegt.
Weiter aufwärts ging es für die Baubedarfshersteller, wenn auch in immer kleineren Schritten (4). Explodierte die Produktion im ersten Quartal 2011 noch mit 14 Prozent, halbierte sich das Wachstum im zweiten Quartal, allerdings vor dem Hintergrund eines sehr starken Wachstums im Vorjahresquartal, also ausgehend von einer recht hohen Basis. Im dritten Quartal schrumpfte das Wachstum auf unter ein Prozent, ebenfalls wieder vor der Kulisse eines Rekordwachstums im Vorjahresquartal. Die Konjunktur in diesem Segment scheint sehr stabil und wachstumsgerichtet, aber nach der Normalisierung der Verhältnisse geht es wohl jetzt nur noch in kleinen Schritten aufwärts. Insgesamt legte die Produktion in den ersten neun Monaten um 6,2 Prozent zu, nach 3,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Zum zweiten Mal in Folge wurde ein neuer Rekordstand erreicht.
Wie gesehen, schwächelten Halbzeug- und Packmittelbranche im dritten Quartal und die Baubedarfsproduzenten meldeten nur noch geringes Wachstum. Trotzdem sah es für die Gesamtbranche noch recht gut aus.
Die Erklärung liegt im anhaltend starken Wachstum der Hersteller von Technischen Teilen und Fertigwaren. In diesem Sektor hat sich das Wachstum im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal sogar noch einmal beschleunigt (5). 10,1 Prozent Plus sind überzeugend. Drei Quartale in Folge hat man nun Rekordproduktionen eingefahren. Da diese Teilbranche die meisten Betriebe stellt und für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich zeichnet, schlägt sich das im Gesamtbild der Kunststoffverarbeitung nieder. 10,4 Prozent beträgt das Produktions-Plus in den ersten neun Monaten 2011. Damit wird ein neues Rekordniveau erreicht, das 4,6 Prozent über dem früheren Produktionshöchststand von 2008 liegt. Kam die Erholung anfangs stärker aus dem Ausland (6), so hat inzwischen das Inlandsgeschäft nicht nur aufgeholt, sondern wurde zum eigentlichen Träger des Aufschwungs.

Umsatzentwicklung

Die Dynamik im Export hat stark nachgelassen, wie wohl dieser auch noch im dritten Quartal immerhin 2,7 Prozent zulegen konnte. Interessanterweise wächst das Geschäft mit der Eurozone stärker als außerhalb, obwohl doch die Euroländer nicht durch Konjunktur-Erfolge sonder eher durch Finanzmarkt-Kapriolen von sich reden machen. Es scheint so zu sein, dass die deutschen Verarbeiter die heimischen Anbieter verdrängen, wie aufgrund der schwachen Konjunktur bei den lokalen Verarbeitern zu vermuten ist. Aktuell wuchsen die realen Umsätze insgesamt um 4,1 Prozent, wobei das Wachstum im Inland mit 5 Prozent beinahe doppelt so stark war wie im Ausland. In der Halbzeugbranche (7) legte das Ausland anfangs fast doppelt so stark zu wie das Inland, wobei wiederum das Geschäft mit den Ländern außerhalb der Eurozone – vor unserem Beobachtungszeitraum – etwa zweimal so schnell wuchs wie das im Euroraum. Zwischenzeitlich hatte sich die Lage auf den Auslandsmärkten in etwa angegeglichen. Nach und nach hat dann die Inlandskonjunktur die Auslandsnachfrage überflügelt. Im dritten Quartal wuchs der Export nicht mehr, außerhalb der Eurozone ging er sogar leicht zurück. Lediglich im Inland ist noch ein schwaches Wachstum (0,9 Prozent) zu verzeichnen.
Ganz anders ist die Lage bei den Herstellern von Verpackungsmitteln (8). Das Geschäft wird überwiegend vom Inland getragen, mit recht gleichbleibenden Wachstumsraten zwischen 5 und 8 Prozent. Der Export ist im letzten Quartal 2010 erstmals wieder zurückgegangen, seither verharrt das Geschäft im Minus.
Für die Baubedarfshersteller (9) brachte das Inlandsgeschäft bisher sowohl hohe Zuwächse als auch Verlässlichkeit. Das Auslandsgeschäft war hingegen eher unberechenbar. Im zweiten Quartal ging die Wachstumsrate im Inland auf nur noch 1,4 Prozent Plus zurück, und im dritten Quartal gab es sogar ein Minus von 1,4 Prozent. Auch das Auslandsgeschäft war knapp rückläufig (-0,4 Prozent). Hierfür waren starke Einbrüche außerhalb der Eurozone verantwortlich, in der Eurozone gab es dagegen ansehnliche Zuwachsraten (2,1 Prozent).
Betrachtet man die Entwicklungen bei den Herstellern von Technischen Teilen und Konsumwaren (10) an, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Hier wurden 10 Prozent Wachstum erreicht. Getrieben wird in diesem Segment das Geschäft von der Nachfrage aus der Eurozone, das Inland liegt knapp dahinter. Unter den Auslandsmärkten fallen neuerdings die Länder deutlich zurück, die nicht der Währungsunion beigetreten sind. Hier liegen die Zuwächse noch bei über 5 Prozent. Es boomen vor allem die Technischen Teile, Fertigwaren entwickeln sich etwas schwächer.

Fazit und Ausblick

In der Gesamtschau bietet sich ein gutes Bild: Produktion und Umsätze wachsen kräftig, neue Rekorde werden eingefahren. Jedoch unterscheiden sich die Zahlen in den Teilsektoren deutlich. Halbzeuge und Verpackunsmittel sind wieder ins Minus gerutscht, bei nach wie vor hohem Produktionsniveau. Die Baubedarfsherstellung ist in eine ruhige Phase eingetreten, während die Produzenten von technischen Teilen und Fertigwaren boomen, neue ungeahnte Rekordhöhen erreichen und die negative oder verhaltene Entwicklung in den anderen Teilsektoren überdecken. Vielfach ist es die stabile Inlandskonjunktur, die das Geschäft beflügelt, während das Ausland – vor allem außerhalb der Eurozone – eher schwach ist. Und das ist die große Überraschung.
Im letzten Quartal dürfte die Kunststoffverarbeitung insgesamt weiter gewachsen sein. Die Trends in den einzelnen Teilsektoren haben sich vermutlich fortgesetzt. Alles in allem dürfte für 2011 trotzdem ein positives Ergebnis in der Endabrechnung stehen. Voraussichtlich wird das gesamte Produktionswachstum für das Gesamtjahr 6 bis 7 Prozent betragen.
Wie es 2012 weiter gehen könnte, werden wir im nächsten Heft diskutieren, wenn die Jahresprognose ansteht. Das kommende Jahr wird auf jeden Fall spannend, anders als 2011, das von vornherein auf Aufschwung programmiert war.

 

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Winfried Pfenning