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Aus alten Flaschen werden neue Taschen Leere PET-Flaschen werden zumindest in Deutschland dank des Rückführungssystems wieder zu Rohstoff aufbereitet. Aus dem PET-Recyclat (rPET) wird unter anderem Garn für textile Produkte gesponnen. Zum Beispiel genügen zwei 1,5 Liter PET-Flaschen, um daraus eine lastfähige Einkaufstasche zu fertigen, die es mittlerweile in fast jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Neben den einfach gearbeiteten Einkaufshelfern finden sich mittlerweile aber auch richtige Hingucker aus rPET.

So rein gar nichts erinnert bei den Taschenmodellen des Outdoor-Ausrüsters Vaude, Tettnang, an alte, verbeulte Plastikflaschen. Je nach Modell und Größe gehen rund zwölf PET-Flaschen in eine Recycled-Tasche ein. Die ungewöhnliche Herkunft ist den Designobjekten nicht anzusehen. Die Oberfläche des Materials fühlt sich an wie echter Stoff, weich und fein strukturiert. Das Futter der Taschen und Rucksäcke besteht zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen. Für das stärker beanspruchte Außenmaterial werden 55 Prozent PET-Garn mit 45 Prozent Polyester verwoben, um eine bessere Abriebfestigkeit zu erreichen.
Der Weg der Flaschen zur Wiedergeburt als Taschen ist zwar lang, dafür aber nachhaltig. Als erstes gehen die gesammelten Flaschen ordentlich baden. Fremdkörper wie Deckel und Beschriftung werden dabei aussortiert. Ein Schredder verarbeitet die Flaschenkörper zu kleinen Flakes, die anschließend zermahlen und granuliert werden. Dieses Granulat wird eingeschmolzen und zu Garn versponnen, wobei sich das recycelte Material im Spinnprozess ähnlich gut verhält wie der herkömmlich produzierte Kunststoff. So entsteht ein hochwertiges Polyestergarn, bei dem bis 50 Prozent Energie im Herstellungsprozess und rund 50 Prozent CO2-Emission eingespart werden. Das Garn kann mit anderen Materialien verwoben werden, oder aber allein zum Beispiel als Futter für Taschen und Rucksäcke dienen. „Durch die Verwendung dieses Materials tun wir der Umwelt einen großen Gefallen: Die leeren Flaschen erhalten ein zweites Leben, als schicker Begleiter in Büro und Freizeit“, sagt Produktmanagerin Melanie Bleicher. Für den sorgsamen Umgang mit der Umwelt und mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie „Vaude ecosystem“ wurde der Outdoor-Ausrüster für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2011 nominiert und landete unter den Top 3 in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien (KMU)“.
Durch PET-Recycling können die Belastungen für die Umwelt im Vergleich zu einer Neuproduktion fast halbiert werden. Eine Studie der Carbotech (Schweiz, 2008) kommt zu dem Ergebnis, dass „klimawirksame Emissionen“, darunter CO2 um bis zu 50 Prozent reduziert werden, ebenso werden nicht erneuerbare Ressourcen wie Erdöl um 30 Prozent eingespart.

Aber nicht nur rPET findet Verwendung bei dem Tettnanger Familienunternehmen. Gebrauchte Funktions-Textilien aus Polyester werden meist in einem chemischen Prozess recycelt. Dabei werden die unterschiedlichen Polymere, aus denen die synthetische Faser besteht, zurück gewonnen und neu zusammengesetzt. Daraus entsteht ebenfalls ein Granulat, aus dem Garn gesponnen und Stoff gewebt werden kann. Auf diese Weise wird nicht nur der Abfallberg vermindert, weil alte Textilien aufbereitet werden statt im Restmüll zu landen. Auch hier ist keine zusätzliche Erdölförderung für die Polymer-Gewinnung erforderlich. Die Ergebnisse dieser nachhaltigen Abfallverwertung können sich in jedem Fall sehen lassen. Die Taschen und Rucksäcke versprechen praktisches Design und Kult.

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Georg Sposny