Die Themen Energie- und Ressourceneinsparung werden weiterhin Kernthemen speziell für das Materialhandling bleiben. Hier wird es die meisten Innovationen zu sehen geben, denn der Kostenfaktor in der Kunststoffproduktion ist durch die gestiegenen Rohstoffpreise und die steigenden Energiepreise ein nicht unerheblicher und den Erfolg maßgeblich beeinflussender Indikator. Weiterhin werden flexible Automationslösungen für das Handling unterschiedlicher Bauteile entwickelt, ohne dass die Greiftechnik umgestellt werden muss – oder wenn doch nötig, die Rüstzeiten so kurz wie möglich zu halten. Auch die Miniaturisierung schreitet immer weiter voran. Bauteilgeometrien, die kleiner werden oder diffizilere Konturen aufweisen, stellen höhere Anforderungen an das Handling und die Greiftechnik.
Beim Umgang mit den fertigen Produkten ist eine stärkere Tendenz zu Sonderlösungen zu beobachten. Die Anforderungen hinsichtlich schonendem Teiletransport, Berücksichtigung besonderer Umgebungsbedingungen (Reinraum) oder besonderer Teilespezifikationen (hohe Entformungstemperatur, statische Aufladung von Teilen) werden vielfältiger. Hierauf müssen sich die Hersteller von Fördertechnik einstellen und ein breiteres Spektrum an Geräten anbieten. Dabei geht es weniger um riesige Innovationssprünge als vielmehr um eine auftraggeber-spezifische Auslegung von Förderbändern, Separiergeräten und Automationslösungen.
Bei Förderanlagen stehen Zuverlässigkeit und Standzeit der Geräte an erster Stelle. Der Trend geht in Richtung Daten-Protokollierung von Förderzeiten, Trocknungstemperaturen, Taupunkt, und vielem mehr. Dies könnte sich sehr rasch zu einem Standard bei Zentralanlagen entwickeln.

 

Nachgehakt
Materialhandling

Plastverarbeiter: Energieeffizienz, Flexibilität, Wirtschaftlichkeit – Bilden Sie eine Reihenfolge dieser Anforderungen an eine effiziente Automation. In welcher Form sind diese Themen in Ihren Messeexponaten berücksichtigt?

Wittmann: Die Wirtschaftlichkeit steht bei jedem System an erster Stelle. Kernkomponenten für eine hohe Wirtschaftlichkeit sind ein angepasster Grad an Flexibilität und die immer mehr in den Vordergrund tretenden Betriebskosten. Diese werden zu einem hohen Anteil durch die Energieeffizienz der Produkte als auch durch das Produktdesign beeinflusst. Wir werden diesem Thema Rechnung tragen und mit dem W818 das aktuelle Kleinentnahmegerät vorstellen. Durch die erhöhte Traglast wird die Flexibilität für Automationen im Schließkraftbereich erweitert. Somit können auch komplexere Einlege-Aufgaben bereits mit dem Kleingerät realisiert werden.
Schürfeld: Für uns spielen alle drei Faktoren eine Rolle. Wir sehen hier weniger eine Reihenfolge, sondern eher, dass die Energieeffizienz und die Flexibilität der Lösungen wirtschaftlich sein müssen. So haben wir beispielsweise ein Projekt mit einer Antriebsleistung von 4,5 kW realisiert, wodurch der Auftraggeber rund 16.000 Euro Energiekosten einsparen konnte. Die konstruktive Gestaltung der Fördertechnik ermöglichte dies. Verschleiß und Abrieb der Anlage wurden dadurch ebenfalls reduziert.
Eifler: An erster Stelle steht für uns die Flexibilität. Wenn bestehende Lösungen nicht geeignet sind, entwickeln wir in kurzer Zeit Sonderlösungen. An zweiter Stelle sehen wir die Wirtschaftlichkeit, die auf Kundenseite entsteht. Danach folgt unseres Erachtens das Thema Energieeffizienz. Ein Beispiel hierzu sind Ejektoren mit Luftsparautomatik womit bei langen Handhabungs- oder Bearbeitungsvorgängen bis zu 80 Prozent und mehr Druckluft eingespart werden kann.
Vogel: Für den Bereich der Schneidmühlen werden wir Systeme zeigen, die im Bereich der Energieeffizienz zum Einsatz kommen. Unsere Schneidmühlen passen sich automatisch dem erforderlichen Strombedarf an und bringen dadurch eine Energieersparnis bis zu 50 Prozent.

Plastverarbeiter:  Welche Bedeutung hat für Sie das Thema Kunststoffrecycling?

Vogel: Einen hohen Stellenwert, da mit jedem Kilogramm Rezyklat ein Kilogramm Neuware eingespart werden kann.
Eifler: Der Hauptanteil Kunststoffprodukte findet sich bei uns im Sortiment der Vakuumsauger. Beim Großteil dieses Sortiments spielt Kunststoffrecycling jedoch keine Rolle, da es sich anwendungsbedingt um Elastomere handelt, die naturgemäß nicht recycelbar sind. Wir bieten aber auch recycelbare Produkte aus thermoplastischen Kunststoffen an.
Klimpel: Das Thema gewann in den letzten Jahren an Bedeutung, was die vielen Anwendungen bezeugen, die bereits genutzte Rohstoffe in immer reinerer Form wieder in den Verarbeitungsprozess zurück führen. Da die Fließeigenschaften dieser so genannten Mahlgüter nicht so hoch sind wie von Originalgranulat, wurden beispielsweise spezielle Dosierstationen für Mahlgut mit asymmetrischer Trichterwand entwickelt.
Hunkel: Unsere Dosiertechnik kommt zum Beispiel bei der Folienherstellung zum Einsatz. Dort entstehen in der Produktion Randstreifen. Diese werden zerkleinert und wieder direkt in den Produktionsprozess integriert. Außerdem konstruieren wir Anlagen die mit geschreddertem Kunststoff als alternativem Brennstoff genutzt werden können.
Wittmann: Kunststoffrecycling ist wichtig. Der Preisdruck steigt und daher ist eine Mühle ein einfacher Weg Kosten zu sparen. Früher war eine Mühle einfach eine Mühle, eine Maschine zur Zerkleinerung von Teilen oder Angüssen. Heute wird auch auf Staubbildung, Verschleiß und Wartung geachtet.
Schürfeld: Unsere Fördertechnik wird in Verbindung mit Mühlen eingesetzt. Hier beliefern wir die Hersteller als auch die Endkunden direkt mit Fördertechnik und Separiergeräten.

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Georg Sposny, Redakteur Plastverarbeiter