Die meisten von uns denken bei Portugal zunächst an ein Urlaubsziel, aber Unternehmen wie Daimler, Audi, BSH, General Motors, Nokia und viele andere hatten ganz andere Gründe, ihre Fühler nach Portugal auszustrecken. Sie wussten, dass sie hier zuverlässige Geschäftspartner finden – von der Planung und Konstruktion bis zum Formenbau und endmontierten Produkt – die ihnen dabei helfen würden, ihre Markteinführungszeiten zu verkürzen. Dass die portugiesischen Werkzeug- und Formenbauer hochwertige Spritzgieß-Werkzeuge herstellen, haben sie aber auch schon in den vergangen Jahren gezeigt. Dies werde von führenden multinationalen Unternehmen wie Volkswagen, Embraer oder Hewlett Packard bestätigt, bekräftigt der Verband der portugiesischen Werkzeug- und Formenbauer (Cefamol).

Portugal – ein Partner für
internationale Unternehmen

Die Werkzeugbautechnik Portugals hat ihr Ansehen auf dem internationalen Markt kontinuierlich ausgebaut und gefestigt. Motor ist die Nachfrage aus anderen Ländern nach wettbewerbsfähigen, integrativen und innovativen Lösungen mit den Schwerpunkten Qualität, Preis und Markteinführungszeit. Derzeit umfasst die portugiesische Formenbauindustrie rund 530, in der Regel kleine und mittlere Unternehmen, die sich auf Engineering & Tooling, das heißt die Konzeptionierung, Entwicklung sowie Herstellung von Spritzgussformen und -werkzeugen spezialisiert haben.
Die beiden Schwerpunktregionen der Branche, die insgesamt 8.250 Menschen beschäftigt, sind Marinha Grande und Oliveira de Azeméis. Portugal zählt zu den führenden Ländern im Werkzeugbau, insbesondere im Bereich der Spritzguss-Formen für die Kunststoffverarbeitung. Mehr als 90 Prozent der Gesamtproduktion werden exportiert. Eine Analyse der Handelsbilanz der letzten 20 Jahre zeigt den hohen Exportanteil in diesem Marktsegment. 2010 erreichten die Exporte ein Volumen von 318 Mio. Euro, wobei die Gesamtproduktion bei knapp 350 Mio. Euro lag (Quelle: Cefamol). Diese Zahlen zeigen, dass Portugal im Laufe der Jahre die Fähigkeit entwickelt hat, sich an die Bedürfnisse seiner Kunden und aktuelle Entwicklungen anzupassen, sei es bezogen auf die Märkte oder auf neue Technologien. 2010 hat Portugal seine Waren in 80 verschiedene Märkte geliefert, darunter als wichtigste Deutschland, Spanien, Frankreich, Tschechien, Mexiko und die USA.
Bezogen auf die Bedeutung und Verteilung der Wirtschaftsregionen geht die vorherrschende Stellung des europäischen Marktes, insbesondere der EU-Staaten, die in den letzten Jahren rund 80 Prozent der Gesamtexporte auf sich zogen, mit einem nachlassenden Export in den nordamerikanischen Raum einher. Dieser Rückgang ist hauptsächlich der Umsiedlung großer Konzernkunden aus dieser Region in Billiglohnländer geschuldet, genauso wie der starken Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro in den vergangenen Jahren.

Die wichtigsten Absatzmärkte
der portugiesischen Industrie

Eine genauere Untersuchung der Außenhandelsdaten Portugals für 2010 ergibt, dass die wichtigsten Exportmärkte des Landes Deutschland (28%), Spanien (17%), Frankreich (14%), Tschechien (4%), Mexiko (4%), die USA (4%) und Großbritannien (3%) sind. Statistische Zahlen zu den hauptsächlich vom Formenbau-Sektor belieferten Industriebranchen belegen, dass die Automobilindustrie ihr Wachstum und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Sektors konsolidieren konnte – von 14  Prozent der Gesamtproduktion in den frühen 90er Jahren auf 72 Prozent in 2010. Dennoch sollte die Präsenz des Formenbaus in weiteren wichtigen und hochtechnologisierten Industriebranchen nicht unterschlagen werden, wo er seinen Anteil an der Entwicklung innovativer Produkte hat. Hinzu kommen neue Bereiche und Nischen wie die Luft- und Raumfahrt, Medizin, Elektronik, Verpackung, Energie oder der Umweltschutz.

Ein starker Verbund
mit geballter Kompetenz

Die portugiesische Engineering & Tooling-Industrie wird durch einen hochgradig internationalisierten Verbund verkörpert: Pool-Net, das Portuguese Tooling Network. Dieses Netzwerk hat eine große Bandbreite von Mitgliedern aus den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Handel. Im Oktober 2008 gegründet, wurde der Verbund im Juli 2009 unter der Bezeichnung „Engineering and Tooling Cluster“ offiziell als Rechtsträger durch die portugiesischen Behörden anerkannt.
Diese offene Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technologie-Gemeinschaft fungiert als Partner öffentlicher Entscheidungsträger zur Entwicklung des Landes, indem sie den Beitritt weiterer Partner fördert, um die Wettbewerbsfähigkeit des portugiesischen Engineering & Tooling-Branche zu steigern. Der Verbund koordiniert und überwacht die mittel- und langfristige Umsetzung des für die Branche festgelegten Strategieplans. Für die kommenden zehn Jahre ist die Belieferung von sechs wichtigen Märkten anvisiert: Automobil, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Energie und Umweltschutz, Elektronik und Verpackung.
Aufgabe von Pool-Net ist es, die Wahrnehmbarkeit und strategische Positionierung des portugiesischen Werkzeug- und Formenbaus im Weltmarkt zu stärken, indem die gemeinsame Marke „Engineering & Tooling from Portugal“ bekannt gemacht wird. Dabei geht es um die nationale und internationale Förderung der portugiesischen Formen- und Werkzeugbau-Industrie durch deren Regulierung als zusammengehörige Marke. Ziel ist, die mit der Marke verbundenen grundsätzlichen Eigenschaften hervorzuheben, durch die sich die Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen, die im Pool-Net-Verbund organisiert sind, auszeichnen. Dazu gehören das Know-how, die Innovationskraft und Technologie, die Qualität und Zuverlässigkeit sowie die Vernetzung, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.

Was die portugiesische Industrie
besonders auszeichnet

Der seit mehreren Generationen bestehende portugiesische Formenbau hat sich einen hohen Kompetenzstand erarbeitet. Aber erst das, was die Industrie zusätzlich zu ihren hochpräzisen Werkzeugen anzubieten hat, macht den Unterschied aus. Portugiesische Unternehmen gehören zu den ersten, die erkannt haben, dass der Markt nicht allein an Spritzgussformen interessiert ist, sondern nach integrierten Komplettlösungen verlangt.
Während unserer Besuche vor Ort konnte sich der Plastverarbeiter anhand einer Reihe von Beispielen davon überzeugen, wie diese Unternehmen ihre Kunden dabei unterstützen, deren Produkte wirtschaftlich produzieren zu können.
Unter vielen beeindruckenden und innovativen Initiativen fanden wir ein Projekt, das Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen wie Planung, Entwicklung und Industrialisierung zusammenbringt, um funktionale sowie technische Lösungen für eine leichtere, komfortablere und ökologisch effiziente Flugzeugkabine zu finden. Möglich wurde dieses L.I.F.E.-Projekt durch die Einbeziehung von Zulieferern der Luftfahrt- und Logistikindustrie, Planungsbüros, Vertretern der portugiesischen Forschungsinstitute, angeschlossener Unternehmen sowie Mitgliedern des portugiesischen Luftfahrtverbands.
Ein weiteres Beispiel war ein Unternehmen, das ein Einweg-System für klinische Analysen entwickelt hat. Was wie zwei übereinanderliegende CDs aussieht, enthält in Wirklichkeit eine aufwändige Mikrosystemtechnik, mit der gleichzeitig sechs verschiedene Analysen an einer kleinen Blutprobe durchgeführt werden können.
Eingehendere Berichte über die Besuche bei Unternehmen des portugiesischen Werkzeug- und Formenbaus folgen in einer der nächsten Ausgaben des Plastverarbeiters.

Pool-Net und Cefamol
Die portugiesische Engineering & Tooling-Branche hat sich in einem internationalisierten Verbund organisiert, der durch Pool-Net, das Portuguese Tooling Network, repräsentiert wird. Dieses Netzwerk hat eine große Bandbreite von Mitgliedern aus dem Werkzeug- und Formenbau, der Kunststoff verarbeitenden Industrie, Technologiezentren, Forschungs- und Entwicklungsorganisationen, Universitäten und Hochschulen. Dieser Verbund ist unter der Bezeichnung „Engineering and Tooling Cluster“ offiziell als Rechtsträger durch die portugiesischen Behörden anerkannt. Pool-Net hat unter anderem die Aufgabe, die Marke „Engineering and Tooling from Portugal” zu fördern und international bekannt zu machen. Darüber hinaus verfolgt der Verbund eine Reihe begleitender Langzeitprojekte, die diese Zielsetzung unterstützen sollen.
Cefamol, der Verband der portugiesischen Werkzeug- und Formenbau-Industrie, ist eine nicht-gewinnorientierte Organisation zur Förderung des nationalen Werkzeug- und Formenbaus sowie dessen Untersegmente. Cefamol vertritt die Branche bei Verhandlungen mit der Regierung und anderen offiziellen Stellen. Darüber hinaus gibt Cefamol die Zusammenkünfte und Kongresse der Branche bekannt. Der Verband ist auch Mitglied der International Special Tooling and Machining Association (ISTMA).

 

 

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Annedore Munde