Das Unternehmen Medisize liefert Medizintechnik von der Idee bis zur fertigen Lösung, vom Design bis zum einsatzbereit steril verpackten Medizinprodukt. Das Unternehmen setzt dabei zunehmend auch auf den Einsatz von Robotern. „Viele Wettbewerber haben sehr umfangreiche Angebote für die gesamte Klinik-Ausstattung im Programm. Wir hingegen konzentrieren unsere Kompetenz auf die Beatmungstechnik“, erläutert Marcus Aben, Business Director Airway Management am holländischen Standort Hillegom. Er nennt als Beispiel Beatmungssysteme und Disposables (Einwegprodukte), die in seinem Geschäftsbereich im Mittelpunkt stehen. „Wir diskutieren mit unseren Auftraggebern, Medizinern in Krankenhäusern, Kliniken und Labors, auf einer gemeinsamen Ebene und können individueller auf die Anforderungen und Bedürfnisse eingehen. Dies ist eine gute Lösung, wenn es um komplexe Produkte geht“, sagt Marcus Aben. Er nennt als Beispiel das Beatmungsgerät Zephyros, das als Atemhilfe oder zur autonomen Versorgung eingesetzt werden kann. „Ein Filter sammelt dabei die Feuchtigkeit beim Beatmungsvorgang, reinigt sie und gibt sie mit reiner Luft oder gasförmigen medizinischen Substanzen zurück und sorgt zudem dafür, dass der Patient nicht austrocknet. Der Filter ist ein Disposable, wird also in regelmäßigen Abständen ausgetauscht“, erläutert Aben. Für Beatmungsgeräte stellt Medisize vier bis fünf Millionen Filter pro Jahr her.

Qualitätssicherung
wird groß geschrieben

Forschung, Entwicklung und Engineering für die Beatmungstechnik haben ihren Standort in den Niederlanden, erklärt Aben. „Hier sind der Spritzguss und die automatische und manuelle Montage angesiedelt – in den gemäß dem Produktionsfluss gegliederten Reinraum-Bereichen Klasse 7. Dabei kommen Operationen wie Bestücken, Fügen, Montage, Ultraschall-Schweißen sowie Tampon-, Inkjet-Druck und verschiedene intermediäre Qualitätsprüfungen zum Einsatz“, so Aben. In Tschechien lässt das Unternehmen Schläuche und andere Extrusions-Komponenten fertigen. Zwölf Spritzgieß-Maschinen mit 45 bis 125 Tonnen Schließkraft, darunter drei reinraumsichere elektrische Maschinen der Firma Fanuc, zwei à 55 Tonnen und eine à 125 Tonnen Schließkraft stehen im Werk in Hillegom. Rund 30 bis 50 aktive Werkzeuge kommen vor allem mit Heißkanal zum Einsatz. Aben: „Als Werkstoffe verwenden wir PVC für Komponenten bei Schläuchen und Infusionsutensilien, aber auch PP, PA und PS als Grundstoffe für Gehäuse-Komponenten.“ Die Produktion und Montage ist auf insgesamt 4.500 Quadratmetern Fläche angesiedelt, wobei 1.350 Quadratmeter Reinraum-Fläche Klasse 7, sind. „Konstruiert wird über 3D-CAD. Wichtig ist bei den sterilen und diffizilen Medizintechnik-Produkten die Validierung: „Wir können jeden Produktionsschritt zurückverfolgen. Je Validierung können dies bis zu 30.000 Produkte sein“, unterstreicht Aben. Die Qualitätssicherung (QS) ist in der gesamten Wertschöpfungskette einer der wichtigsten Faktoren. Für QS gemäß ISO 13485 beziehungsweise FDA-Standards oder GMP (good manufacturing practice) sind bei dem medizintechnischen Unternehmen heute sieben Mitarbeiter zuständig.

Roboterisierung schreitet voran

Seit neuestem setzt Medisize auch Roboter ein. „Dabei geht es uns nicht um die Einsparung von Arbeitsplätzen, sondern um saubere, sterile und präzise Arbeit“, sagt Aben. Seit einiger Zeit arbeitet ein Fanuc-Roboter, Typ M-6iB, zwischen zwei parallel operierenden Montagemaschinen für Filterbauteile. In der automatischen Montage wird das Filterpapier abgelängt und in dicht aufgerolltem Zustand in die Filterpatronen eingelegt. Sind fünf dieser Filterhälften auf einem Träger angekommen, optisch geprüft und datenspezifisch registriert worden, greift der Roboter ein. Der automatische Sechsachs-Roboter erfasst die Fünfer-Bauteilgruppe optisch, übernimmt sie pneumatisch und positioniert sie in der Palette, die Raum für sieben Fünfergruppen bietet. Sobald eine Palette mit 5 x 7 Filterhälften gefüllt ist, setzt der Roboter eine leere Palette auf und der Links-Rechts-Palettierzyklus kann fortgesetzt werden. Im System sind jeweils zwei Palettentürme zu 14 Paletten für die Bestückungs-Positionen A und B verfügbar. Ist ein Palettenturm gefüllt, wird er in der nachfolgenden Montageautomation positioniert, wo die befilterten Gehäuse-Unterteile mit den Oberteilen komplettiert werden. In regelmäßigen Abständen (und per willkürlichen Stichproben) werden Baugruppen aus dem Prozess genommen und gründlich geprüft. Am Ende der Produktion werden fertige Filter-Baugruppen einer Dichtheitskontrolle unterzogen.
„Die weitere Roboterisierung ist nach den ersten sehr guten Erfahrungen geplant“, sagt Bob Fikkert, Manager Operations. Die ersten Erfahrungen mit Robotern machte das Unternehmen in seinem finnischen Betrieb. Dort arbeiten inzwischen zwanzig Roboter sowie 44 Roboshot-Spritzgieß-Maschinen. Zusätzliche Roboter sollen auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Produktion nachhaltig optimiert und die Wertschöpfungskette weiter verbessert wird.

ERHÖHTE MARKTCHANCEN
Robotertechnik

Überall dort, wo komplexe Arbeitsschritte schnell und präzise erfolgen müssen, werden gerne linear- oder gar 6-Achs-Roboter eingesetzt. Insbesondere unterstützen die automatischen Helfer im medizintechnischen Produktionsbereich die Qualitätssicherung bei der Validierung von mehreren Tausend Artikeln.

 

 

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Thomas Behne, freier Journalist