Die Extruder wurden in den vergangenen Jahren vor allem auf mehr Leistung getrimmt. Hoher Durchsatz bei guter Qualität war die Devise. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass auch die Nachfolgetechnologien leistungsfähiger und schneller wurden und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Ein Ende ist hier nach wie vor noch nicht abzusehen. Und doch sind es zunehmend auch andere Themen, die die Extrudeure beschäftigen. Dies zeigen die Einschätzungen der befragten Extruder- und Nachfolgemaschinenhersteller.
Der Trend zur Energieeffizienz hat mittlerweile auch diesen Verarbeitungszweig erfasst. In Westeuropa ist dies primär durch steigende Energiekosten induziert. Aber auch Lösungen zum verantwortungsvollen – und preisbewußten – Umgang mit der Ressource Rohstoff werden auf der Fakuma gezeigt werden: Diese betreffen auf der einen Seite das Verarbeiten von Rezyklaten, auf der anderen Seite die Extrusion von (natur)faserverstärkten Kunststoffen oder Thermoplasten mit hohem Füllstoffanteil. Vor allem die Hersteller von Rohren suchen nach Lösungen, mit denen sie hochgefüllte Werkstoffe verarbeiten können. Auf der Fakuma wird dazu sicher einiges vorgestellt werden.
Produktionskosten können durch kurze Rüstzeiten und eine einfache Bedienung, große Verarbeitungsfenster sowie die Verarbeitung unterschiedlicher Materialien mit einer Maschine gesenkt werden. Intelligente Maschinenkonzepte sind hier gefragt, die dem Verarbeiter die gewünschte Flexibilität ermöglichen. Henschel Mixing Technology beispielsweise zeigt einen gleichläufigen Doppelschnecken-Compounder im Labormaßstab RHC 25 mit einer Verfahrenslänge von 48D, der mit geringem Energieeintrag hohe Ausstoßleistungen mit einer schonenden Materialbehandlung und guter Compoundqualität kombiniert. Der modulare Maschinenaufbau ist wichtig für die geforderte Flexibilität.
Nicht zuletzt ist auch in der Extrusion sowie bei den Nachfolgetechnologien ein hoher Automatisierungsgrad geeignet, die Stückkosten zu mindern. Ein Mittel, zu dem bei hohem Wettbewerbsdruck in der Rohr- und Profilextrusion heute sogar Schwellen- und Billiglohnländer gerne greifen. Der Preisdruck ist das eine, technologischer Vorsprung das andere. So steigt beispielsweise auch die Nachfrage nach anwendungspezifischen Komplettlösungen oder sogar ganzen Lösungskonzepten für neue Produkte und Verfahren. Projektierte, schlüsselfertige Komplettanlagen reichen heute zum Teil von der Rohstofflagerung bis hin zur Absackung des Compounds. Auch die Prozessintegration wird zunehmend Thema in der Extrusion: ein Beispiel ist die direkte Einarbeitung von Folien als Rezyklat in der Compoundierung – präsentiert wir diese Lösung bei MAS.
Eines werden wir allerdings mit Sicherheit auf der Messe sehen: Vielen Detailverbesserungen an den Maschinen, die alle für sich Puzzle-Teile im Kampf um Wettbewerbsvorteile darstellen. Ein Beispiel hierfür ist die neue Vakuumentgasung von Krauss Maffei Berstorff, die hohe Luftvolumina bei Zuschlagstoffen absaugen kann. Weiterentwicklungen der Schnecken helfen bei der Verarbeitung von faserverstärkten Kunststoffen, neue Schmelzefilter unterstützen beim Extrudieren oder Compoundieren von Rezyklaten. Der Fachbesucher ist herausgefordert, mit offenen Augen über die Messe zu gehen und nach den für ihn exakt passenden Lösungen Ausschau zu halten.

Nachgehakt
Leistung und Energieeffizienz bestimmen die Entwicklungen bei den Extrudern

Plastverarbeiter: Energieeffizienz, Leistungssteigerung und hohe Rohstoffpreise – Welcher dieser Innovationstreiber ist der Wichtigste und warum?
Waidner:
Die Rohstoffpreise sollten mit höchster Priorität beachtet werden, da sie mit 70 bis 80 Prozent in die Produktionskosten eingehen. Der Energieeffizienz wird speziell in Deutschland und Westeuropa eine steigende Bedeutung zugemessen, da die Kosten steigen. Eine Leistungssteigerung bei gleichem oder geringeren Energieeintrag senkt die Kosten pro Kilogramm verarbeiteten Rohstoffs.
Dr. Bourdon: Wir haben unsere Produktpalette im Hinblick auf die Energieeffizienz optimiert und zusätzliche BluePower Maschinenmodule eingeführt. Damit analysieren wir die spezifische Endproduktionssituation über den gesamten Herstellungsprozess und erarbeiten eine maßgeschneiderte Lösung zur Steigerung der Energieeffizienz. Mit diesem individuellen Ansatz realisieren wir optimierte Einsparpotentiale und der Energieverbrauch kann um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Des weiteren steht bei uns die Leistungssteigerung durch höhere Produktivität und Anlagenverfügbarkeit im Fokus. Auf unserem Stand sind alle Maschinen mit einer Zentralrechnerschnittstelle zur sicheren Vernetzung der Produktionsstandorte ausgerüstet.
Graewe: Für mich ist die Reihenfolge Leistungssteigerung, Energieeffizienz und dann die Rohstoffpreise. Die Anfragen unserer Abnehmer zielen in erster Linie auf höhere Geschwindigkeiten. Da unsere Maschinen in der Regel kleinere Servomotoren bis maximal zehn Kilowatt besitzen, ist die Energieeffizienz für uns keinesfalls Hauptthema.
Welter: Wir sehen das anders. Für uns ist die Energieeffizienz ebenfalls der wichtigste Innovationstreiber: Durch eine Reihe von Maßnahmen können wir heute für die verschiedenen Produktions-Aufgaben sehr niedrige spezifische Energieeinträge realisieren, mit denen sich eine hohe Produktqualität erreichen lässt. Desweiteren arbeiten wir kontinuierlich an einer Optimierung von Motor, Getriebe und der Gehäusetemperierung. In puncto Leistungssteigerung geht bei uns Qualität vor Quantität. Bei vielen Produkten hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die Drehzahlkapazität des Extruders nicht voll auszureizen. Dadurch lässt sich die Produktqualität oftmals wesentlich steigen. Zudem ist es energetisch günstiger. Die Rohstoffe und damit deren Preise werden durch die Rezeptur vorgegeben. Wichtig ist, die teuren Rohstoffe beim Compoundieren nicht zu verschlechtern, sondern ein Produkt gleichbleibend hoher Qualität wirtschaftlich zu erzeugen.

Plastverarbeiter: Welche Bedeutung hat das Kunststoffrecycling für Ihr Unternehmen?
Dr. Golz:
In der Rohrextrusion wird zunehmend kostengünstiges Recycling-Material verarbeitet, da bei der Produktion von Rohren bis zu 90 Prozent der Herstellkosten auf das Rohmaterial entfallen. Dieser Trend zeigt sich vor allem bei der Produktion kostengünstiger Rohre für Abwasser, Drainage oder den Kabelschutz. Im Profilbereich ist der Trend nach Recyclingmaterialien ebenfalls ungebrochen; Fensterprofile werden mit Coextrusionsanlagen produziert. Verarbeiter verwenden für Fensterhauptprofile sehr häufig das kostengünstige Rezyklat im Kern oder im nicht sichtbaren Bereich des Profils; eine dünne Außenschicht wird aus farbechter Neuware aufgebracht. Die Compoundier-Technik spielt beim Recycling von hochwertigen, sortenreinen Kunststoffabfällen eine besondere Rolle. Dies kann sowohl ein in-house Recycling bedeuten, aber auch die Verwendung von externem Mahlgut, wenn es in ausreichender Qualität vorliegt. Unterschiedliche Entgasungstechniken und spezielle Schmelzefilter trennen bei guten Maschinen die Verunreinigungen im Schmelzestrom.
Welter: Unsere Extruder werden in der Kunststoffindustrie bereits beim Recycling eingesetzt. Hierbei gilt es allerdings, die Zielrichtung mit dem Anwender abzustimmen. Wenn durch Recycling hochwertigere Compounds entstehen sollen, können wir sowohl Füll- und Verstärkungsstoffe einbringen als auch Blendingprozesse durchführen.

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Weitere Infos online

Die Suche nach pv1110Extrusion auf der Webseite www.plastverarbeiter.de findet unter dem Beitrag einen Link zu weiteren Produktneuvorstellungen aus der Extrusion, unter anderem auch auf der Fakuma .

 

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Christine Koblmiller