Plastverarbeiter: Herr Bergstrom, welche Voraussetzungen sollte ein europäischer beziehungsweise deutscher Kunststoffverarbeiter mitbringen, um eine gut funktionierende Partnerschaft mit einem Werkzeugbauer aus China aufbauen zu können?
Bergstrom:
Zunächst muss die Beschaffungsabteilung des Verarbeiters anhand ihrer Anforderungen einen geeigneten Zulieferer auswählen. Dabei geht es darum, sowohl einen passenden wie auch möglichst kostengünstigen Anbieter zu finden. Viele chinesische Formenhersteller verfügen über langjährige Erfahrungen beim Export ihrer Produkte nach Europa und in die USA; Sprachbarrieren spielen daher heute keine große Rolle mehr. Aufgrund der großen Entfernungen müssen die Spezifikationen für einen chinesischen Lieferanten besonders detailliert sein; davon profitieren aber beide Partner. Die Einbindung einer Handelsgesellschaft ist bei TK in der Regel nicht notwendig, weil wir über Vertriebsbeauftragte in ganz Europa verfügen, in Deutschland haben wir darüber hinaus eine eigene Kundenbetreuung. Wir gehören in China zu den größeren Werkzeugherstellern, sodass wir auch anspruchsvolle, global agierende Großkunden zufriedenstellen können. Wir beschäftigen beispielsweise 50 Ingenieure mit guten Englisch- und Deutschkenntnissen, die nur für das Projektmanagement zuständig sind.

Plastverarbeiter: Welchen Nutzen hat ein deutscher Kunststoffverarbeiter aus der Zusammenarbeit mit einem chinesischen Formenbauer? Geht es nur um den günstigen Preis für das Werkzeug?
Bergstrom:
Der Preis spielt bei der Beschaffung von Formwerkzeugen aus China mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist der Preisunterschied bei hochtechnischen Spezialwerkzeugen aus China deutlich größer als bei Standardwerkzeugen. Außerdem bieten chinesische Werkzeughersteller zusätzlichen Service, der in Europa in der Regel nicht kostenlos zu erhalten ist. Wir haben ein kompetentes Team, das unsere Kunden bereits zu Beginn der Beschaffungsphase unterstützt. Wir bieten die Erstellung von Machbarkeitsstudien, einschließlich einer Optimierung des Produktdesigns. Spritzguss-Analysen gehören mehr oder weniger zum Standardumfang sämtlicher Projekte. Dieser Service gehört bei unseren Hauptkunden zum normalen Leistungspaket. Bei echten Großprojekten bietet China zudem den Vorteil seiner großen Kapazitäten. Das bedeutet, Werkzeugbauer wie wir können bei umfangreichen Projekten als Universallieferant genutzt werden, die zudem alle Abstimmungsarbeiten aus einer Hand anbieten. Für den Endkunden ergeben sich daraus deutliche Kostenvorteile.

Plastverarbeiter: Wie ist Ihr Unternehmen personell gesehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgestellt?
Bergstrom:
Wir verfügen über eigenes Vertriebspersonal in Europa sowie einen Werkzeugbauer in Lüdenscheid, der den Kundendienst für Werkzeuge übernimmt, die nach Deutschland und in die Schweiz verkauft werden.

Plastverarbeiter: Wie kommen Sie mit Kunden aus Deutschland oder Europa ins Geschäft?
Bergstrom:
Wir nutzen alle klassischen Vertriebskanäle zur Geschäftsanbahnung wie Messen oder Fachmagazine; und wir halten direkten Kundenkontakt, beispielsweise durch Besuche bei Kunststoffverarbeitern vor Ort. Insgesamt beschäftigen wir bei TK acht Vertriebsingenieure, die für die Kostenkalkulation und die Abgabe von Angeboten zuständig sind. In den vergangenen vier Jahren konnten wir unsere Umsatzzahlen verdoppeln, während unser Kundestamm im selben Zeitraum um 50 % geschrumpft ist. Das heißt, wir waren in der Lage, Kunden mit robuster Wirtschaftlichkeit auszusuchen. Den Großteil unseres Wachstums machen dabei Formen für den Medizinsektor aus.

Plastverarbeiter: Nennen Sie uns bitte ein konkretes Beispiel für eines Ihrer Werkzeugbau-Projekte.
Bergstrom:
Für Henkel haben wir ein 8-fach-Werkzeug zur Herstellung von Klappdeckeln mit In-Mold-Closing-Technik gebaut. Die Formteile werden aus Polypropylen mit einer Zykluszeit von 13 Sekunden gespritzt. Um alle Größen abzustimmen, mussten wir zuerst ein 2-fach-Werkzeug bauen. Das korrekte „Klick“ der Klappdeckel ist bei diesen Werkzeugen jedes Mal eine Herausforderung. Außerdem musste die Form für eine ähnliche Hochdruck-Spritzmaschine einsetzbar sein, die später für die Massenproduktion genutzt werden soll. Für dieses Projekt verwenden wir die Spritzgießmaschine von Husky, Modell 400T Hylectric.

Plastverarbeiter: Welche Vorteile hatte der Verarbeiter?
Bergstrom:
Dank unserer großen Kapazitäten ist die Vorlaufzeit bis zum Erstmuster relativ kurz. Bei einem Werkzeug dieser Art veranschlagen wir acht Wochen für die Produktion und normalerweise zwei Wochen für die Planungs- und Konstruktionsarbeiten.

Plastverarbeiter: Aus welchen Gründen hat sich der Kunde für eine Zusammenarbeit mit Ihrem Unternehmen entschieden?
Bergstrom:
Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit ist sicher einer der Hauptgründe für den Einkauf in China. Außerdem stellen die Planungsarbeiten und Machbarkeitsstudie vor dem eigentlichen Projektstart einen großen Vorteil dar. Diese Leistungen sind kostenlos beziehungsweise im Paket enthalten. Darüber hinaus ist TK global tätig und kann so internationale Unternehmen unterstützen, die Standorte in verschiedenen Regionen wie den USA, Europa und Asien betreiben.

Plastverarbeiter: Können Sie bitte ein oder zwei weitere Projekte nennen?
Bergstrom:
Ja, beispielsweise eine medizinische Verschlusskappe für das Medline. Hierbei handelte es sich um ein 32-fach-Werkzeug, nur mit Luftauswerfer und einer Zykluszeit von 3,5 Sekunden. Die Wandstärke betrug 0,4 mm. Betrieben wird die Form mit einem Heißkanal-System von Husky. Ein weiteres Beispiel ist ein IML-Werkzeug. Der Probelauf erfolgte in unserer neuen 400-t-Maschine aus der Hylectric-Baureihe von Husky. Ein weiteres Projekt von vielen, die wir gemacht haben, ist ein 8+8-fach-Etagenwerkzeug mit einem Incoe-Heißkanal für ein Innen-/Außengehäuse. Insgesamt haben wir zwölf dieser Werkzeuge geliefert, acht davon gleichzeitig. Das zeigt unsere großen Kapazitäten.

Plastverarbeiter: Wie stellen Sie sicher, dass Werkzeuge von TK Mold korrekt funktionieren? Wie lange dauern die Probeläufe? Welche Dokumentation erhalten die Kunden?
Bergstrom:
Wir verfügen über zwölf Spritzgießmaschinen mit Schließkräften von 50 bis 1.600 Tonnen. Bevor ein Werkzeug ausgeliefert wird, durchläuft es unseren internen Validierungsprozess, zu dem umfassende Messungen und statistische Berichte gehören. Der abschließende Probelauf dauert mindestens acht Stunden; bei einigen speziellen Projekten sind die Tests sogar noch länger und können einen kleinen Produktionslauf enthalten.

Plastverarbeiter: Angenommen ein ausgeliefertes Werkzeug arbeitet lange Zeit fehlerfrei, aber dann fällt die Qualität der Teileproduktion dramatisch ab. Ist das ein Service-Fall?
Bergstrom:
Wir gewähren auf alle gelieferten Werkzeuge eine Garantie von einer bis drei Millionen Schuss. Bei Problemen können wir die benötigten Ersatzteile in China fertigen und zum Kunden verschicken. Darüber hinaus bieten wir in Europa und den USA einen Kundendienst an. Außerdem empfehlen wir die Bevorratung bestimmter Ersatzteile, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Begleitend zum Werkzeug liefern wir ein Werkzeug-Handbuch mit vollständiger Dokumentation. Darüber hinaus können die Wartungstechniker des Kunden vor Auslieferung des Werkzeugs bei TK eine Schulung besuchen.

Plastverarbeiter: Wollen Sie Ihr Geschäft in Europa ausbauen?
Bergstrom:
Wir haben gerade ein neues Vertriebsbüro in Barcelona eröffnet, um Südeuropa besser zu erreichen.

Plastverarbeiter: Gibt es, abgesehen vom Formenbau, weitere Aufgaben, die Ihr Unternehmen für einen Kunden übernehmen kann?
Bergstrom:
Wie bereits erwähnt, verfügen wir über ein starkes Planungsteam für Produktdesign und Machbarkeitsstudien, das uns dabei hilft, vor der Werkzeugherstellung mögliche Probleme zu lösen. Das spart viel Zeit, und der Kunde kann mit seinem Produkt schneller auf den Markt kommen.

Plastverarbeiter: Wie ist Ihr Unternehmen technisch ausgerüstet, um Werkzeuge und Formen zu bauen?
Bergstrom:
Wir verfügen über gut ausgestattete Bearbeitungszentren; alle Maschinen kommen entweder aus der Schweiz oder aus Japan. Zur Ausstattung gehören eine CNC-Koordinaten-Schleifmaschine vom Typ Hauser S45 CNC sowie Studer-S30-Rundschleifmaschinen.

Plastverarbeiter: Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen über qualifizierte Mitarbeiter verfügt?
Bergstrom:
Die meisten unserer Mitarbeiter kommen von den Universitäten in Wuhan oder Guangzhou. Jedes Jahr stellen wir 20 bis 30 Absolventen ein und integrieren sie in das Unternehmen. Wir stellen dabei hohe Anforderungen. Mitarbeiter aus anderen Unternehmen stellen wir in der Regel nicht ein. Unsere jährliche Fluktuationsrate liegt unter drei Prozent, ein extrem niedriger Wert für China. Wir führen das unter anderem auf unser Personalführungssystem zurück, das die Weiterbildung der Mitarbeiter fördert; außerdem bieten wir den Mitarbeitern vielfältige Aufstiegschancen.

 

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Thomas Bergstrom