Dass man für gutes Werkzeug etwas mehr bezahlen muss, ist nicht nur geübten Baumarktkäufern bekannt. Doch sie tun es meist gern, denn sie wissen, dass es sich damit komfortabler, qualitätsgerechter und oft auch zeiteffizienter arbeiten lässt. Gut, wenn zusätzlich noch die Kompatibilität zu anderen Komponenten eines Systems gegeben ist.
Diese Überlegung gilt auch für die Industrie. Hier gehören die Werkzeuge zu den Schlüsselkomponenten der Gesamtanlage. Üblicherweise werden sie je nach Anwendungsfall und Anlagentechnik individuell für den Kunden gefertigt. Im Idealfall passt dann alles: Die reibungslose Funktionalität von Maschine und Werkzeug ist sichergestellt und Schnittstellenprobleme gibt es nicht. Doch wie oft tritt der Idealfall ein? Diese Frage hat sich sicher auch der kanadische Spritzgießmaschinenhersteller Husky gestellt, als er das Know-how eines weltweit führenden Formenbauers für Verschlusskappen, der KTW Waidhofen, ins eigene Haus holte. Dass Husky damit nach eigenen Worten der einzige Anbieter in der Verschlusskappenbranche sein wird, der Spritzgießsysteme, einschließlich Werkzeug, Maschine, Heißkanal und Temperaturregler anbietet, dürfte sich durchaus positiv auf die Marktposition auswirken. Doch Branchenkenner werden auch genau beobachten, ob die weltweit anerkannte Entwicklungskompetenz von KTW sich jetzt einseitig in Richtung PET-Systeme bewegt, denn hier gilt Husky als Spezialist. Dass beide Partner betonen, man wolle die Kompetenzen bündeln, um den Erwartungen der Kunden besser gerecht zu werden, ist für diese erst mal ein gutes Zeichen. Und für alle, die nicht gleich zum Komplettsystem greifen wollen, wird der KTW-Geschäftszweig Einzelwerkzeuge auch zukünftig ein Ansprechpartner sein. Unser Beitrag auf Seite 26 beleuchtet die Hintergründe des Zusammenschlusses.
Eine Komplettlösung in puncto Qualitätsüberwachung stellen wir auf Seite 14 vor. Auf einer Wendeplatten-Spritzgießmaschine wird bei der SuK Kunststofftechnik in Kierspe ein komplexes 2-Komponenten-Spritzgieß-Formteil hergestellt. Innerhalb der Zyklen erfolgt die optische Teileprüfung. Eine einzige GigE-Kamera prüft im 30-Sekunden-Takt jeweils zehn Kriterien an vier Bauteilen gleichzeitig. Dabei entnimmt ein Sechs-Achs-Roboter das ausgeformte Kunststoffbauteil und legt es in eine der beiden Prüfstationen direkt neben der Spritzgießmaschine ein. Die von jedem Bauteil erstellte Aufnahme wird mit einer Software ausgewertet – eine 100-Prozent-Kontrolle also, die jede subjektive menschliche Fehlerquote ausschließt. In der Anschaffung etwas teuer, in der Fertigung jedoch ein kostensparender Wettbewerbsvorteil. Wie komplex die Anlagentechnik in einem Unternehmen ausgelegt sein sollte, hängt in der Endkonsequenz von der individuellen Aufgabenstellung, den Qualitätsanforderungen und natürlich auch dem Preis ab. Genau wie beim Heimwerker.

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Annedore Munde