In den ersten drei Monaten dieses Jahres stieg die Produktion preisbereinigt gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,8 Prozent (1). Im Vergleich zum letzten Vierteljahr 2010 hat sich der anhaltende Aufschwung scheinbar wieder etwas beschleunigt. Aber das ist nur eine optische Täuschung, denn der Nachholbedarf in den ersten drei Monaten 2011 war recht groß, während es im letzten Quartal 2010 geringeren Wachstums bedurfte, um erstmals wieder einen neuen Quartalsrekord bei der Produktion aufzustellen. Im ersten Vierteljahr 2011 wurde ebenfalls ein neuer Produktionsrekord zum Jahresstart erzielt, der letzte datiert aus dem ersten Quartal 2008. Nach nun drei Quartalen in Folge mit Produktionshöchstständen kann man mit Fug und Recht behaupten: Die Krise ist endgültig überwunden, die Kunststoffverarbeitung hat sich zu neuer Stärke aufgeschwungen. Derzeit kann die Frage nur lauten: Wie weit vermag die Produktion dieses Jahr noch zu steigen, und was wird in der Jahresbilanz am Ende stehen? Vor einer Antwort darauf zuerst weitere Fakten und Analysen.

Teilbranchen

Auch für die Halbzeugbranche (Folien, Platten, Rohre) gilt: Anhaltendes Wachstum, neuer Produktionsrekord für ein erstes Quartal (2). Ebenfalls dritter Rekordstand in Folge, zum dritten Mal auch steigende Wachstumsraten. Allerdings setzte die Erholung hier später ein als in der Gesamtbranche. Aber es brauchte nur zwei Quartale, bis man echtes Wachstum und nicht nur Aufholen des Einbruchs verzeichnen konnte.
Bei den Herstellern von Kunststoffverpackungsmitteln zeigt sich dasselbe Bild, wenn man auf Produktionsniveaus abstellt: Seit dem dritten Quartal 2010 jeweils neue Höchstwerte, nun zum dritten Mal in Folge (3). Das Wachstum hat seinen Zenit überschritten, aber für Rekorde braucht es nun ja nur noch geringe Wachstumsraten. Die optische Wachstumsabschwächung ist auch hier nichts anderes als ein Zeichen dafür, dass die Aufholjagd abgeschlossen ist und normale Zustände eingekehrt sind.
Kurios die Lage bei den Baubedarfsherstellern. Im ersten Quartal 2011 gab es einen Wachstumssprung von über 12 Prozent (4), der stärkste Zuwachs seit langem für diese Teilbranche, die am wenigsten von der Konjunkturkatastrophe betroffen war. Da aber witterungsbedingt in den letzten Jahren die ersten drei Monate jeweils sehr schlecht ausgefallen sind, reicht auch das starke Wachstum im ersten Vierteljahr gerade mal aus, den früheren Produktionsstand aus dem ersten Quartal 2007 zu egalisieren. In den Vorquartalen, seit dem zweiten Vierteljahr 2010, wurden dagegen immer neue Produktionsrekorde erzielt, mit durchaus bescheiden anmutenden Wachstumsraten. Oder anders herum: Von witterungsbedingten Rückschlägen abgesehen, bewegte sich diese Branche schon im letzten Jahr in normalen Bahnen, auf einem robusten Wachstumspfad.
Für die Hersteller von Technischen Teilen und Konsumwaren geht es derzeit auf und ab (5). Zwar hat man sich vom Einbruch sehr schnell erholt und im dritten Quartal 2010 mit hauchdünnem Vorsprung (nach dem dritten Quartal 2007) einen neuen Rekord aufgestellt, aber das letzte Vierteljahr 2010 blieb trotz kräftigen Wachstums deutlich (um vier Prozentpunkte) unter dem früheren Höchstwert aus dem letzten Viertel 2007. In den ersten drei Monaten dieses Jahres konnte der frühere Rekord aus dem ersten Quartal 2007 immerhin um 0,7 Prozentpunkte übertroffen werden. Das zweite Quartal dürfte dann aber wieder einen neuen Höchststand bringen, und auch für das folgende kann man optimistisch sein. In den letzten Monaten des Jahres kommt es dann darauf an, wie stark sich das Wachstum abschwächt. Wenn es jenseits der Fünf-Prozent-Marke bleibt, dann gibt es auch hier einen neuen Höchstwert.

Umsatzentwicklung

Anfangs kam die Erholung stärker aus dem Ausland (6), inzwischen hat das Inland nicht nur aufgeholt, sondern trägt stärker zum Aufschwung bei, während die Dynamik im Export nachlässt. Motor war lange Zeit das Geschäft außerhalb der Eurozone mit Wachstumsraten an der 20-Prozent-Marke. Nicht ganz unverständlich, dass diese nun deutlich zurückgehen. Im Euro-Bereich wuchsen die Umsätze teilweise nur halb so schnell, aber jetzt ist dort das Wachstum doppelt so kräftig wie außerhalb. Generell gilt, dass das Exportwachstum an Dynamik verloren hat.
In der Halbzeugbranche (7) legte das Ausland anfangs doppelt so stark zu wie das Inland, wobei wiederum das Geschäft mit den Ländern außerhalb der Eurozone etwa zweimal so schnell wuchs wie dasjenige im Euroraum. Inzwischen haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Das Inland wächst um zwei Drittel schneller als das Ausland. Und das Wachstum in der Eurozone ist doppelt so stark wie außerhalb. Die genannten Führungsrollen in punkto Konjunkturdynamik haben jeweils im vierten Quartal 2010 gewechselt, und die Unterschiede in der Wachstumsgeschwindigkeit haben sich jeweils im ersten Quartal 2011 noch akzentuiert.
Ganz anders ist die Lage bei den Herstellern von Verpackungsmitteln (8). Das Geschäft wird überwiegend vom Inland gepuscht, mit recht gleichbleibenden Wachstumsraten zwischen sechs und acht Prozent. Der Export ist in den letzten drei Monaten 2010 eingebrochen, nachdem er vorher noch um fünf Prozent gewachsen war. In der Eurozone ist das Wachstum zuerst schwächer geworden, und zuletzt gab es hier ein leichtes Minus. Im übrigen Ausland war der Export durchweg negativ, mit einem besonders starken Ausreißer im letzten Quartal 2010. Knapp vier Prozent Minus waren es dann immer noch zu Jahresanfang.
Für die Baubedarfshersteller (9) ist bringt das Inland sowohl hohe Zuwächse als auch Konstanz. Das Auslandsgeschäft hingegen ist unberechenbar und reißt auch mal (letztes Quartal 2010) ins Minus aus. Die Umsatzentwicklung in der Eurozone ist mal rückläufig, mal zieht sie weniger, mal stärker an. Die Konjunktur außerhalb des Euroraumes war in den letzten zwei Quartalen negativ, während sie in der Eurozone mit fast zehn Prozent den bisher größten Sprung nach vorne machte, allerdings vor dem Hintergrund eines fast einprozentigen Rückgangs im Vorjahresquartal.
Grund zur großen Zufriedenheit haben derzeit die Hersteller von Technischen Teilen und Konsumwaren (10). Natürlich erklären sich die hohen Wachstumsraten vor allem durch den Nachholbedarf aufgrund der horrenden Einbrüche der jüngsten Vergangenheit, aber mit einer so schnellen Erholung hätte nun niemand gerechnet. Zu Jahresanfang 2001 liegen die Zuwächse noch immer über zehn Prozent, im Inland wie im Ausland. Es ist aber vor allem die Eurozone, welche den Export treibt. Vorher war das Geschäft mit Ländern außerhalb der Eurozone der Motor. Das Inland hat in der Dynamik mit dem Export inzwischen gleichgezogen, zum Jahresende 2010 wuchs das Binnengeschäft sogar einmal schneller als die Außenhandelsumsätze.

Fazit und Ausblick

Das Geschäft brummt, die Branche bricht alte Rekorde. Wachstumsraten beginnen sich zwar zu normalisieren, aber die Dynamik der Konjunkturentwicklung überrascht immer noch. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigen Exportrückgänge bei Verpackungsmittelherstellern und Bauartiklern. Hier deutet sich an, wie Eurostärke und Konjunkturverlangsamung in China und anderen Ländern erste Auswirkungen zeigen. Teilweise wirkt die Konjunkturerholung im Euroraum ausgleichend, wichtig ist die stabile Lage der Inlandsnachfrage.
Bis in den Herbst ist zwar mit sinkenden Zuwächsen zu rechnen, aber man kann wohl auch mit einer insgesamt sehr erfreulichen Konjunktur kalkulieren. Für 2011 insgesamt gehen wir weiterhin von einem Mengenplus von bis zu fünf Prozent aus, wie schon in unserer Jahresprognose 2011 (PV 62, (2011), 1, S. 10) prognostiziert. Wie weit der Aufschwung letztlich wirklich trägt, lässt sich noch nicht endgültig abschätzen, aber ein sattes Plus und ein neuer Produktionsrekord stehen sicher ins Haus. Neuerdings dräut im Hintergrund ein allgemeines Konjunkturrisiko, welches bisher niemand auf der Rechnung hatte: Stromversorgungsprobleme aufgrund des avisierten Ausstiegs aus der Kernenergie und der Folgen für die Stabilität der Leitungsnetze, mit ersten Unkenrufen über Zwangsabschaltungen von industriellen Großverbrauchern. Wir tun mal so, als hätten wir das nicht vernommen.

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Winfried Pfenning