Bereits am Vorabend des diesjährigen Competence Forums verkündete Dr. Dietmar Straub, Vorstandsvorsitzender von Krauss Maffei: „Die Geschäftsentwicklung verläuft deutlich besser als im Vorjahr“. So lag der Auftragseingang zum 31. März mit 573 Mio. Euro klar über dem Vorjahreswert von 395 Mio. Euro. Der Umsatz stieg auf 426,3 Mio. Euro (Vorjahr: 324,2 Mio. Euro). „Wir bereiten uns auf weiteres Wachstum vor. Dazu nutzen wir standortübergreifende Synergien und bündeln gruppenweit unsere Stärken. Des Weiteren laufen nachfragegetriebene Überlegungen zum Ausbau unserer Produktionskapazitäten“, ergänzt Straub. So führt das Unternehmen seine operativen Geschäftseinheiten in den Wachstumsmärkten Brasilien und China unter einem Dach zusammen, um eine bessere Marktbearbeitung sicher zu stellen. Neben der Erneuerung und Modernisierung des Maschinenparks am Standort München und der Erweiterung der Produktionsfläche für Robotor am Standort Schwaig (Deutschland) prüft das Unternehmen eine Verdopplung der Produktionskapazitäten seiner Werke in Martin (Slowakei) und in Haiyan (China). Unter dem Dach der Krauss Maffei Gruppe sind die Marken Krauss Maffei, Krauss Maffei Berstorff und Netstal zusammengefasst.
Damit sich die positive wirtschaftliche Entwicklung auch weiter fortsetzt, sei insbesondere jedoch eine reibungslos funktionierende Lieferkette für das Unternehmen wichtig, betont Straub. Außerdem werde das Unternehmen verstärkt auf Markttrends wie Urbanisierung und Globalisierung, Ressourcenschonung, Effizienz und funktionale Oberflächen setzen.
Das Competence Forum Mitte Mai war dann auch ein voller Erfolg. Mehr als 1.500 Kunden und Besucher aus 25 Ländern konnten sich an über 30 Maschinen und Anlagen der Marken Krauss Maffei und Krauss Maffei Berstorff einen Überblick über deren Leistungsspektrum verschaffen. Präsentiert wurden Maschinen und Verfahren aus den Bereichen Spritzgieß-, Reaktions- und Extrusionstechnik. In verschiedenen Vorträgen zu den Bereichen Spritzgieß- und Reaktionstechnik sowie Extrusionstechnik konnten sich Interessenten außerdem über effiziente und optimierte Verfahrenstechniken und technologieübergreifende Systemlösungen informieren.

Lösungspartner für die gesamte Wertschöpfungskette

„Die Resonanz unserer Kunden und Besucher war überaus positiv. Sie waren begeistert von unserem umfangreichen und hochwertigen Maschinenprogramm sowie unserem übergreifenden Verfahrens-Know-how, mit welchem wir ihnen als Lösungspartner einen Mehrwert entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette bieten“, so Dr. Hans Ulrich Golz stellvertretend für die Geschäftsführung der Krauss Maffei Technologies GmbH. Ergänzend zu den eigenen Exponaten präsentierten 30 Partner zum Competence Forum ihr Leistungsspektrum.

Leistungsstarke Maschinentechnik für verschiedene Anwendungen

Vorgestellt wurden den Besuchern auch zwei neue vollelektrische Spritzgießmaschinen der AX- und EX-Baureihe. Damit baut der Münchner Maschinenbauer sein Maschinenprogramm weiter aus und ergänzt sein umfassendes Sortiment an Klein-, Mittel- und Großmaschinen.
Als neue Baugröße ergänzt die EX 200-1400 mit 2000 kN Schließkraft die EX-Baureihe. Die Maschine ist durch ihre Leistungsstärke, die hohe Schnelligkeit und die Auslegung auf Sauberkeit für eine präzise und wirtschaftliche Produktion in der Medizin- und Verpackungsbranche geeignet. Der Z-Hebel sorgt für schnelle Werkzeugbewegungen der Schließseite, direkte Wirkprinzipien des Plastifizier- und Einspritzantriebs garantieren dabei höchste Prozessgenauigkeit. Vollständig gekapselte Antriebe und ein wassergekühlter Motor sichern ein reines Produktionsumfeld.
„Mit unserer Clean Form GMP-Lösung bieten wir unseren Kunden einen handfesten Mehrwert. So können die Herstellungskosten um bis zu 25 Prozent gesenkt werden, indem beispielsweise die hergestellten Teile direkt nach der Entnahme in eine Sterilverpackung übergeben werden und so auf eine nachträgliche Sterilisation verzichtet werden kann“, sagt Dr. Karlheinz Bourdon, der für die Spritzgießtechnik verantwortliche Geschäftsführer von Krauss Maffei.
Die EX 200 kann mit Spritzeinheiten von SP380 bis SP1400 ausgerüstet werden und ist somit für die Herstellung kleiner Präzisionsteile ebenso geeignet wie zur Produktion im Hochleistungssegment mit hohem Schussgewicht und Materialdurchsatz bei kurzer Zykluszeit. Auf dem Competence Forum wurden als Beleg für die Anwendungsstärke in einer Produktionszelle mit einem Seitenentnahmeroboter SR 80 Einweg-Kaffeebecher aus Polystyrol in einer Zykluszeit von weniger als 4 Sekunden hergestellt.
Auf die spezifischen Anforderungen im Bereich Elektro/Elektronik und in der Automobilindustrie sind die Spritzgießmaschinen der AX-Baureihe zugeschnitten. Erstmals wurde auf dem Competence Forum die AX 350-1400 aus dem 21 Typen umfassenden AX-Baukasten der Öffentlichkeit vorgestellt. Der optimierte Doppel-Kniehebel, effiziente Servomotoren und eine leichtgängige Mechanik gewährleisten den hohen Wirkungsgrad der Maschine.

Reduzierter Energieverbrauch und präzise Formgebung

Mit Einsatz einer AX-Maschine kann laut Unternehmen eine Reduktion des Energieverbrauchs um bis zu 60 Prozent realisiert werden. Zukunftsweisende Regeltechnik und absolute Positionsgenauigkeit sichern die präzise Formgebung bei hoher Dynamik. Die AX-Baureihe erlaubt dem Verarbeiter, flexibel, sicher und vor allem bei geringeren Stückkosten zu produzieren – auch bei langsam laufenden Anwendungen.
„Vollständige Prozesstransparenz im eigenen Haus ist ein Wettbewerbsvorteil, den Kunststoffverarbeiter zu ihren Gunsten nutzen sollten. Der neue mobile Assistant unterstützt sie genau dabei“, betont Bourdon. Ob ein Überblick über aktuelle Zykluszeiten, Ausschussraten oder Nutzungsgrade der Produktionsmaschinen: Krauss Maffei bietet seinen Kunden ab sofort mit dem Mobile Assistant eine Lösung, um per Smartphone jederzeit die neuesten Kennzahlen aus der Produktion abzurufen. Der mobile Assistant verbindet einfache Bedienung mit einer übersichtlichen Darstellung der vom Kunden selbst festzulegenden Parameter. Entwickelt wurde die Applikation in Kooperation mit dem Softwarepartner T.I.G. Technische Informationssysteme GmbH aus Rankweil/ Österreich.

Weltneuheit zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum

Ein Highlight zum Competence Forum war die Präsentation einer Weltneuheit: ein kostengünstiges Fertighaus, welches durch den Einsatz einer Krauss Maffei Doppelbandanlage effizient in hohen Stückzahlen produziert und in wenigen Tagen montiert werden kann. „Krauss Maffei ist innerhalb der Kunststoff- und Gummibranche für hochwertige Maschinen und innovative Verfahrenslösungen bekannt und anerkannt. Mit diesem innovativen Konzept zur Herstellung von Fertighäusern, bieten wir vor dem Hintergrund einer steigenden Bevölkerung eine effiziente, kostengünstige und zukunftsfähige Lösung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Schwellen- und Drittländern“, betonte der Vorstandsvorsitzende Dr. Dietmar Straub. Einzigartig in diesem Konzept sei das Stufenkonzept für die Produktion der Fertighäuser. Mit der Basislösung einer Doppelbandanlage können Hersteller etwa 1-2 Häuser pro Tag fertigen, was einer Jahresstückzahl von etwa 500 Häusern entspricht.
Das vorgestellte Haus besteht aus wenigen unterschiedlichen Modulpaneelen, wie sie aus dem Industriehallen- und Kühlhausbau bekannt sind. „Es handelt es sich dabei um einheitliche Sandwichelemente für Wände und Decke aus einer Deckschicht aus Stahl und einem Isolationskern aus Polyurethanschaum in einem flexiblen Rastermaß, die auf einer unserer Doppelbandanlagen produziert werden. Ein besonderer Vorteil ist, dass die Materialien nach lokaler Verfügbarkeit frei vom Produzenten gewählt werden können, wodurch sich lokale Anforderungen und länderspezifische Gegebenheiten in der Produktion und im Erscheinungsbild einfach realisieren lassen“, erläuterte Frank Peters, Geschäftsführer Reaktionstechnik der Krauss Maffei Technologies GmbH. Beispielsweise kann die Deckschicht aus Aluminium und der Isolationskern aus Mineralwolle sein, je nachdem was lokal einfacher und günstiger verfügbar ist. Aber auch weitere Materialien wie OSB Holzplatten, MAG-Boards, extrudierte Dekorpaneele oder glasfaserverstärkte Platten können zum Einsatz kommen. Durch ein Vorkonfektionieren direkt beim Hersteller entfällt jedoch der heute übliche Verschnitt auf der Baustelle. Jedes Haus kann so vom Hersteller als fertiger Bausatz in einer Verpackungseinheit (Palette) auf die Baustelle geliefert werden. Zum Aufbau der Häuser werden nur einfache Werkzeuge wie Schraubendreher und Gabelschlüssel benötigt. „Auf diese Weise ergänzen sich die vollautomatische Produktion von Paneelen und ein hoher manueller Arbeitsaufwand für das Konfektionieren, Zusammenstellen, Vormontieren sowie den Haus- und Innenausbau zu einem tragfähigen Konzept“, erläutert Peters.

 

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Annedore Munde