Pünktlich zur Hausmesse war auch der Verkaufsstart der neuen modularen F-Serie, die den Fokus auf die Verpackungs-, Konsumgüter und Medizinindustrie legt. Zu sehen waren Modelle mit 800, 1.600 und 3.500 kN Schließkraft. Nach der kompletten Markteinführung will das Unternehmen die neue Maschinenserie in zehn Schließkräften von 500 bis 6.500 kN anbieten dabei nach und nach die bestehende vollelektrische, hydraulische und hybride Maschinenbaureihe ersetzen.
Die Plattform-Philosophie der F-Serie ermöglicht es, die einzelnen Module
zu einem maßgeschneiderten Produkt zu kombinieren. „Dabei kann je nach Schwerpunkt wie Leistung, Energieverbrauch, Bewegungscharakteristik und Positioniergenauigkeit beliebig zwischen elektrisch und hydraulisch angetriebenen Einzelachsen gewählt werden“, sagt Dr. Thorsten Thümen, Director Research & Development bei Ferromatik Milacron. „So kann die wirtschaftlichste Maschine zusammengestellt werden“, ergänzt er.
Die neue F-Serie zeichnet sich durch eine Vielzahl innovativer Merkmale aus: Die Antriebsart – elektrisch oder hydraulisch – ist beispielsweise für jede Bewegungsachse unabhängig voneinander frei wählbar und die Spritzaggregate sind in drei Leistungsklassen verfügbar. Dadurch kann die F-Serie optimal an individuelle Produktionsanforderungen angepasst werden. Die F-Serie bietet außerdem eine gute Zugänglichkeit im täglichen Umgang und damit eine hohe Wartungsfreundlichkeit. Große Öffnungen beziehungsweise Fenster ermöglichen einen schnellen Überblick.
Die neue Maschinenreihe ist mit der selbsterklärenden Mosaic-Steuerung ausgestattet und serienmäßig mit dem Teleservice Modul von Ferromatik Milacron zur Fernwartung der Maschine via Internet ausgestattet.
Ein weiteres Merkmal der F-Serie ist die Selbstoptimierung des Energieverbrauchs. Neuste Antriebstechnologien mit Bremsenergienutzung, Energierückspeisung, AC-Servomotoren und Direktantriebe sowie moderne Hydrauliksysteme stehen hier für die Sparsamkeit der Technik. Es kommen wassergekühlte,
gekapselte sowie reibungsminimierte Systeme zum Einsatz.
Auf der Hausmesse war die vorläufig kleinste Maschine der neuen F-Serie, die F 80 mit 800 kN Schließkraft, mit einer Spritzeinheit der Größe Advanced Performance (AP) 40 mit einer Einspritzgeschwindigkeit von 500 mm/s und einer Schneckenlänge mit L/D 22 zu sehen. Die Maschine hat einen lichten Säulenabstand von 470 x 470 mm und produzierte auf einem 64-fach Werkzeug der Firma Schöttli Spritzen-Protektoren mit einer Zykluszeit von 5,8 Sekunden.

Große Nachfrage nach der
neuen F-Serie

Die F 160 mit 1.600 kN Schließkraft wurde als vollelektrische Version und komplette Produktionszelle gezeigt, mit einer Spritzeinheit General Performance (GP) 50 mit einer Einspritzgeschwindigkeit von 330 mm/s und einer Schneckenlänge mit L/D 22. Die Maschine hat einen lichten Säulenabstand von 570 x 570 mm und stellte auf einem 4-fach Werkzeug der Firma Formteknik Becher mit Etiketten aus Polypropylen im In-Mold-Labeling-Vefahren her. Ein Wemo Roboter legte die Etiketten ein und entnahm die Becher, während ein zweiter die Teile stapelt. Die Zykluszeit beträgt 5,9 Sekunden.
„Die Nachfrage nach der neuen F-Serie ist seit der Premiere auf der K 2010 groß und jetzt kann es mit dem Verkauf richtig losgehen. Diese komplette Anlage ist bereits verkauft und geht direkt nach der Hausmesse zu unserem schwedischen Kunden Braplast“, sagt Robert Trube, Director Sales & Marketing bei Ferromatik Milacron.
Das bisher größte Modell der F-Serie war als hybride Hochleistungsversion, bei der Werkzeugbewegung und Plastifizieren elektrisch angetrieben sind, in Aktion – eine F 350 mit 3.500 kN Schließkraft, einer High Performance (HP) Spritzeinheit 80 mit einer Einspritzgeschwindigkeit von 800 mm/s und einer Schneckenlänge mit L/D 25. Auf der Anlage wurden auf einem 8-fach Werkzeug der Firma Hofstetter Kartuschen mit einer Zykluszeit von 10,9 Sekunden gefertigt.

Monosandwich und Doppel-Etagenwendetechnik

Neben der neuen F-Baureihe präsentierte Ferromatik auch Anlagen aus dem Bereich der Mehrkomponententechnik zur Herstellung von Produkten mit mehreren Farben, aus unterschiedlichen Formmassen, mit integrierten Funktionen bis hin zur Montage mehrerer Einzelkomponenten im Spritzgießwerkzeug. So beispielsweise die K-TEC Baureihe, erhältlich in Schließkräften von 600 bis 4.500 kN, die für Sonderlösungen aller Art geeignet ist. Auf der Hausmesse stellte das Unternehmen die Vorzüge der Mehrkomponententechnik an zwei Exponaten der K-TEC Baureihe unter Beweis.
So war eine K-TEC 200 MSW mit 2.000 kN Schließkraft und einer Spritzeinheit der internationalen Größe 1.000 mit einem zweiten vertikalen Monosandwich-Aggregat der Größe 265 ausgestattet und stellte auf einem 1-fach Werkzeug von Emsa Blumentöpfe in einer Zykluszeit von 35 Sekunden her. Als Studie wurde ein transparentes Außenmaterial verwendet, so dass die Monosandwich-Struktur zu sehen war. Die Blumentöpfe wurden von einem Ferromatik Milacron Roboter FMR 8-5 High-Speed entnommen.
Eine weitere Maschine der K-TEC Baureihe, eine K-TEC 250 DETW mit 2.500 kN Schließkraft, produzierte auf einem Doppelwürfel-Werkzeug von Foboha mit jeweils vier Seiten und 48 Kavitäten Verschlüsse aus zwei Komponenten. Im ersten Schritt produzierte die Hauptspritzeinheit die Körper der Verschlüsse, während eine auf der beweglichen Aufspannplatte mitfahrende Spritzeinheit die Deckel der Verschlüsse herstellte. Nach einer gegenläufigen 90-Grad Drehung der beiden Würfel werden die Außenseiten auf der Bedienseite der Maschine zum Kühlen der Teile genutzt, während gleichzeitig in den äußeren Werkzeugtrennebenen die nächsten Teile eingespritzt wurden. Nach einer weiteren 90-Grad Drehung wurden im dritten Schritt die beiden Komponenten des Verschlusses zwischen den beiden Würfeln montiert und zum Schluss nach einer weiteren 90-Grad Drehung die fertigen Teile auf der Bediengegenseite der Maschine entnommen.
„Mit der Doppel-Etagenwendtechnik kann die Produktionsmenge verdoppelt werden. Die Außenseiten der Würfel können für zusätzliche Arbeitsschritte wie Nachkühlen, Einlegen von Labeln oder Folien, Maßnahmen der Qualitätskontrolle oder zur Teileentnahme genutzt werden, ohne die Zykluszeit zu verlängern. Die dritte Werkzeugtrennebene zwischen den beiden Würfeln kann zum Einspritzen einer dritten Komponente oder zur Montage der beiden Komponenten aus den äußeren beiden Trennebenen dienen. „Eine einzige Doppelwürfel-Maschine kann zwei Maschinen, zwei Werkzeuge und eine externe Montageanlage ersetzen“, erklärt Simon Rieder, Projektmanager Etagenwendetechnik bei Ferromatik Milacron.

Auf einen Blick: Ferromatik
Die Ferromatik Milacron GmbH entwickelt, fertigt und vertreibt Spritzgießmaschinen zur Produktion von Kunststoffteilen. Das Maschinenportfolio besteht aus der neuen modularen F-Serie sowie den Baureihen Elektra und Elektron (vollelektrisch), K-Tec (Sonderlösungen), Maxima (Großmaschinen) und Vitesse (Hochleistung).
Ferromatik Milacron-Maschinen kommen in verschiedenen Industrien wie Verpackung, Konsumgüter, Medizin, Elektro und Telekommunikation sowie Automobil zum Einsatz.Ferromatik Milacron wurde 1956 in Malterdingen – in der Nähe von Freiburg im Breisgau – gegründet. Laut Geschäftsführer Gerold Schley wurden am Standort Malterdingen in den vergangenen Jahren zwischen acht und zehn Millionen Euro investiert.
Beschäftigt sind hier 338 Mitarbeiter und 19 Azubis.
Das Unternehmen umfasst heute ein weltweites Vertriebs- und Servicenetzwerk in 50 Ländern mit insgesamt 500 Mitarbeitern. Seit 1993 gehört das Unternehmen mit seinen Schwesterunternehmen in den USA, Indien und China zum amerikanischen Milacron Konzern.

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Annedore Munde